Forstwirtschaft

Auf erfolgreiche Waldpflege setzen

01frei1 (2)
Toni Ledermann
am Dienstag, 22.06.2021 - 09:36

Die FBG Mindelheim berät zum Thema „Freischneiden“ und vermittelt Fachkräfte.

Wiedergeltingen/Lks. Unterallgäu Gras wuchert wie auf einer Wiese rund um die im Herbst gesetzten Forstpflanzen. Und ohne die Bambusstecken bei den Pflänzchen wäre ein Freischneiden noch schwieriger. Doch die Truppe des Forst-Dienstleisters Dr. Martin Borisov (Günzburg) geht zielstrebig ans Werk. Mit ihren Freischneidern mähen sie zügig Gräser, Brennnesseln, Brombeeren sowie alle weiteren Gewächse sauber weg und lassen so wieder Licht und Sonne an die Setzlinge, die hier auf der Heustaig im Herbst 2020 gepflanzt wurden.

01frei4 (2)

FBG-Geschäftsführer Raymund Ball verdeutlichte zusammen mit Josef Ritter (Wiedergeltingen), dem Besitzer der Fläche, die Wichtigkeit dieser Pflegemaßnahme. „Heuer sind wir wegen den kleinen Eichenpflanzen fast etwas zu spät dran. Dies hängt aber von Jahr zu Jahr sehr mit dem Witterungsverlauf zusammen“, erläuterte Ball. Doch besser jetzt, als nie, sei die Devise generell beim Freischneiden.

Beim Begutachten des Geländes fiel Ball auf, dass einige Setzlinge angeknabbert waren. Leider seien in den letzten Wochen Rehe durch den nagelneuen, und fachgerecht gebauten Zaun eingedrungen und haben sehr viele Spitzenknospen der neuen Setzlinge abgefressen. Das sei „sehr ärgerlich“. Ein Gespräch mit dem Jagdpächter sollte gesucht werden, denn der Verbiss werfe diese neue Kultur in ihrer Entwicklung um eine ganze Vegetation zurück.

Ritter hatte die Unterlagen mit dem Arbeits- und Kulturplan dieses Grundstücks dabei. Auf der 0,79 ha großen Fläche wurden die Bäumchen in einem Pflanzabstand von einem Meter gepflanzt: 2450 Stück Stieleichen, 275 Stück Hainbuchen, 475 Europäische Lärchen, 500 Bergahorn, 275 Roteichen und 100 Winterlinden, insgesamt 4075 Stück. Die Forstpflanzen seien sämtlich nach dem Forstsaatgutgesetz für das süddeutsche Hügelland beziehungsweise Alpenvorland zugelassene Pflanzen.

01frei2 (2)

Ritter, selbst Mitglied in der FBG, lobte die Arbeit der FBG-Mitarbeiter: Als Steuerberater und Laie habe er natürlich nicht das Wissen für solche Arbeiten. Er sei froh, dass die FBG ihn in allen Fragen der Waldbewirtschaftung berät und nun auch das Freischneiden organisiert. Man wisse zwar das, was man vom Vater früher mitgekriegt habe, aber das sei nur sehr „rudimentäres“ Wissen. „Deshalb war ich echt froh, dass ich da diese Begleitung hatte“, gestand Ritter.

Wann ist der ideale Zeitpunkt zum Freischneiden? Dies sei von den Baumarten und Pflanzengrößen abhängig. Und natürlich von der Konkurrenz der bedrängenden Pflanzen, erklärte Ball. Als Faustregel gelte: Je kleiner die Bäumchen, umso größer ist der Druck der anderen Pflanzen. Hier vor Ort sind es vor allem verschiedene Gräser, die Brombeere, aber auch andere stickstoffliebende Pflanzen, wie Holunder, Brennnessel und Himbeere. Je länger man zuwarte, kämen auch Sträucher dazu. Besonders im Auwald sei dies der Fall.
Alle Forstbetriebsgemeinschaften böten das Freischneiden als Dienstleistung an. Ein Anruf ein paar Wochen vor der Saison genüge. Dann werde zusammen mit dem Waldbesitzer und dem jeweiligen Unternehmer die Maßnahme eingeplant, so Ball.
Forstunternehmer Dr. Martin Borisov war mit seinen Mitarbeitern in Wiedergeltingen „am Start“. „Unsere nachhaltige, naturnahe und zuverlässige Arbeit wird nach dem strengen Kompetenznachweis Umwelt-, Qualitäts- und Sicherheitsmanagement forstwirtschaftlicher Dienstleistungsunternehmen (KUQS) durchgeführt“, sagte er. KUQS ist ein Zertifikat für Pflanzung und Pflege von Waldbeständen und motormanuellem Holzeinschlag.
Die Voraussetzungen, um Zuschüsse zu erhalten, seien momentan sehr gut, vor allem für Aufforstungen, sagte Ball. Für die Pflegearbeiten selbst gebe es keine eigenen Zuschüsse, die seien in dem Pflanzförderprogramm schon mit drin. Dieser Förderbetrag sei im vergangenen Jahr mit der neuen staatlichen Förderrichtlinie sogar verdoppelt worden. Es werde pro Pflanze abgerechnet, der Grundfördersatz betrage 2,50 €. Das deckte in diesem Fall die Kosten für Pflanze und die Pflanzkosten fast ab. Ritter ergänzte auf Nachfrage, dass die Kosten dieser Maßnahme steuerlich abgesetzt werden können, da dies ja Betriebsausgaben seien.
Um an die Förderung zu kommen, solle man sich ans Forstamt am AELF wenden. Es folge ein Treffen mit dem zuständigen Förster. Vor Ort werde beraten, welche Baumarten für den Standort geeignet und welche Zuschüsse möglich seien, so Ball. Die FBG beauftrage dann Baumschulen oder Dienstleister, die Pflanzung durchführen.

Kurz kam man auch auf die rasant gestiegenen Holzpreise zu sprechen. Ball sieht die Situation nüchtern: „Es stimmt. Sie sind überraschenderweise stark auf ein Niveau gestiegen, das wir schon einige Jahre nicht mehr hatten. Leider profitiert der Waldbesitzer noch nicht von den Preissteigerungen, die die Schnittholzerzeuger für ihre Produkte derzeit bekommen. Aktuell liegen wir beim Langholz bei 100 €/fm, bei Kurzholz/Fixlänge bei 90 €.“ Toni Ledermann