Pflanzenbaustrategie

Entscheidungen zu Ende denken

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Externer Autor
am Donnerstag, 10.12.2020 - 07:28

Politische Vorgaben sollen auf den Prüfstand: LsV plante Aktionen mit Abgeordneten.

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Eigentlich wollte das Schwaben-Team des Netzwerks „Land schafft Verbindung“ (LsV) den Abgeordneten der Region Gelegenheit bieten, die Landwirtschaft durch das Jahr zu begleiten. „Mit unseren Aktionstagen wollten wir über die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern und die Zusammenhänge, die dahinter stehen, informieren“, erklärt Josephine Glogger-Hönle, Pressesprecherin des Schwaben- Teams. Politiker und Nicht-Landwirte sollten dabei an die Hand genommen werden. Wegen Corona konnten die Aktionen aber nicht wie geplant durchgeführt werden.

Die Entscheidungen in Brüssel, Berlin und München sind zunehmend praxisfremd. Dem wollten Josephine Glogger-Hönle, und ihr Vater Anton – er ist Neben- erwerbslandwirt in Attenhofen und Berater beim Erzeugerring für Pflanzenbau Südbayern mit Fakten entgegentreten. Die Argumentationsketten können aber auch anderen Landwirten helfen, im Dialog mit der Politik und den Verbrauchern Verständnis zu wecken. Dazu hier ein paar Beispiele.

Als Wintergetreide wird Winterweizen bereits im Herbst vor dem Erntejahr ausgesät. Dadurch hat er eine längere Vegetationszeit, die wiederum für höhere Erträge sorgt. Winterweizen ist wie der Roggen ein Brotgetreide, während Wintergerste und Triticale als Futter für das Nutzvieh angebaut werden.

Viel Unwissen bei den Anbauverfahren

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Viel Unwissen besteht auch im Zusammenhang mit den Anbauverfahren. Jedes Anbauverfahren hat seine Vor- und Nachteile, so Glogger-Hönle. Werde der Pflug zur Saatbettbereitung eingesetzt, lassen sich mit ihm das Unkraut und die Mäusepopulation auf den Feldern intensiv bekämpfen. Der Pflug könne notwendig sein, um Unkrautprobleme zu lösen. Weitere Vorteile der Pflugtechnik liegen auf der Hand: ein sauberes Saatbett und lediglich eine Bearbeitungsmaßnahme. Allerdings greifen der Pflug wie auch Hacke oder Striegel in die Bodenstruktur ein. Wie sehr, das vermag Glogger-Hönle nicht zu sagen, nachdem die Auswirkungen der mechanischen Bodeneingriffe wissenschaftlich noch nicht ausreichend erforscht seien.

Als weitere Verfahren der Bodenbearbeitung kommen die Mulchsaat und die Direktsaat infrage, bei denen jeweils nur der Oberboden beansprucht wird. Die beiden Verfahren fördern das Bodenleben und tragen zum Erosionsschutz bei. Aber auch die Mulch- und Direktsaat haben einen Nachteil: Das Unkraut kann zum Problem werden, der Befall der Kulturen durch Schädlinge wie Mäuse und Schnecken nimmt zu.

Je nach Verfahren gibt es Vor- und Nachteile

Lange schon leisten Zwischen- und Zweitfrüchte einen wichtigen Beitrag zum Erosionsschutz und Humusaufbau, so Glogger-Hönle weiter. Früher wie heute liefern Mischungen aus einem Weidelgras-Kleegrasgemenge eine zusätzliche Futtergrundlage. Die Zwischenfrüchte weisen eine große Vielfalt auf. Unter ihnen befinden sich viele unscheinbare Pflanzen, die den Boden umso mehr durchwurzeln, beispielsweise Kresse, Klee, Weidelgras- und Retticharten. Mit ihrem Wurzelwerk durchlüften sie den Ackerboden. Zu den Zweitfrüchten gehören auch Biogaskulturen wie Grünroggen, Triticale oder Roggengemenge.

Erträge und Pflanzenschutz gemeinsam betrachten

Im Frühjahr wird der Mais dort gesät, wo im Winter die Zwischenfrüchte standen. Durch die Mulchsaat kommt es zwar zu einer lückenlosen Bodenbedeckung. „Aber wie soll der Landwirt diese Flächen sauber halten?“, fragt Glogger-Hönle. „Kann ihm das ohne Glyphosat und andere Pflanzenschutzmittel gelingen?“ Bei aller Diskussion um den Pflanzenschutz vergessen viele Politiker und Verbraucher offenbar, dass es gar nicht so einfach ist, die für die Ernährungssicherheit benötigten Erträge auch ohne chemische Pflanzenschutzmittel zu gewährleisten.

Bei der Wahl des Zeitpunkts für die Getreidesaat gelte es Witterung, Temperaturen und Tageslichtmenge zu bedenken. So sorgt ein später Saattermin dafür, dass anschließend weniger Gräser bekämpft werden müssen. Hier haben es die Biobetriebe mangels chemischen Pflanzenschutzes schwerer als die konventionellen Betriebe. Deshalb säen Biobetriebe Gerste und Roggen früher aus, damit das Getreide das Unkraut unterdrücken kann. Die späte Novembersaat dient ebenfalls der passiven Unkraut- und Grasregulierung, bringt allerdings die Risiken der Ertragsreduzierung und Auswinterung mit sich.
Disteln und anderes Unkraut versucht der Biobauer durch die Bodenbearbeitung nach der Ernte auszuhungern. Allerdings entstehen dabei größere Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid und das Bodenleben wird gestört. Andererseits werden die Schädlinge dezimiert. „Die Bodenbearbeitung unmittelbar nach der Ernte ist also ein zweischneidiges Schwert“, sagt Glogger-Hönle. Auf jeden Fall muss der Biobauer gut auf seine Böden achten. Vor allem in Sonderkulturen hat er viel Handarbeit. „Wenn das Ziel von 30 Prozent Ökolandbau in Bayern erreicht werden soll, wird es wohl zu einem Mangel an Arbeitskräften kommen.“

Auch Grünland braucht Pflege

Nicht einmal das Grünland ist ein Selbstläufer in der Landwirtschaft, wie der Großteil der Bevölkerung denken mag. Zwar kommen auch im Grünland das gefürchtete, weil giftige Jakobskreuzkraut und andere Unkräuter auf, aber der Pflanzenschutz spielt dennoch eine untergeordnete Rolle. Meist bekämpft der Landwirt auf seinen Grünflächen nur Einzelpflanzen. Glogger-Hönle weist darauf hin, dass sich Grünland vom Menschen nur über den Magen von Wiederkäuern nutzen lässt. Sie wandeln das Gras in Milch um und erzeugen damit ein hochwertiges Lebensmittel.

Für die Ernährung ihrer Tiere benötigen die Biobauern viel Fläche und meist ist mit einem Biobetrieb eine Viehhaltung verknüpft. Entsprechend weniger Fläche bleibt für die Erzeugung von Lebensmitteln oder Energiepflanzen übrig. Ohne Zudüngen wird der flächendeckende Ökolandbau langfristig in eine Sackgasse führen, ist Glogger-Hönle überzeugt.

Brotgetreide muss Qualitätsanforderungen erfüllen

Für das Brotgetreide verlangen die Mühlen und Verarbeiter eine bestimmte Qualität, die wiederum eine bestimmte Düngung verlangt. Diese gestaltet sich für die Bauern jedoch immer schwieriger. Der bedarfsgerechten Düngung stehen oft genug die Sperrfristen im Weg. So lässt der Herbst dem Landwirt manchmal wenig Zeit zum überlegten Düngen.

Anton Glogger-Hönle ist in erster Linie als Berater für den konventionellen Landbau tätig und möchte „keinesfalls eine Bewertung der unterschiedlichen Bewirtschaftungsweisen abgeben“. Sein Ziel ist vielmehr, dass sich jeder Betriebsleiter Gedanken darüber macht, was er im Pflanzenbau mit Blick auf den Ertrag, den Klima- und Umweltschutz verbessern kann.

Abhängigkeiten

Das Schwaben-Team des LsV fordert die Politiker auf, die Coronakrise zum Anlass für ein Weiterdenken zu nehmen. Hier zeige sich jetzt, dass die Abhängigkeit von Importen zu Problemen führen kann. Geschehen müsse auch etwas im Bereich der erneuerbaren Energien. Nach 20 Jahren läuft für zahlreiche Biogasanlagen die staatliche Förderung aus. „Viele Betreiber hören auf, weil es für sie nicht mehr rentabel ist, für wenig Geld nur Strom zu erzeugen“, bedauert Anton Glogger-Hönle. Oft mache sich die Bevölkerung ein falsches Bild von den Biogaserzeugern. Diese bauen nämlich nicht nur Mais, sondern auch viele andere Kulturen an, darunter Zweitfrüchte wie Roggen oder Triticale, wodurch der Boden das ganze Jahr über begrünt und vor Erosion geschützt ist. Der Abschied vom Mais, so Glogger-Hönle, würde zu einer Marktverzerrung führen.