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Bio-Königin

Enorm breit aufgestellter Biobetrieb

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Patrizia Schallert
am Montag, 01.08.2022 - 07:01

Die bayerische „Bio-Königin“ besucht den Naturlandhof Wiedemann in Krumbach

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Krumbach/Lks. Günzburg „Das ist ein etwas anderer Betrieb“, stellte die Öko-Beauftragte des BBV Schwaben Doris Kreitner fest, als sie gemeinsam mit der bayerischen Bio-Königin Annalena Brams den Naturlandhof von Michael Wiedemann in Krumbach besichtigte. Beide zeigten sich von der Vielfalt der Früchte angetan, die der Biobetrieb anbaut.

Außerdem bereiten die Wiedemanns Speisegetreide, Ölsaaten und Saatgut aus eigener Vermehrung auf, sie erzeugen Druschgewürze und Energiepflanzen. Als Demonstrationsbetrieb für Erosions- und Gewässerschutz stellen sie ihre Erfahrungen Berufskollegen zur Verfügung. Zu guter Letzt engagieren sich Michael Wiedemann und sein gleichnamiger Sohn als Mitgliedsbetrieb in den Projekten „Schule fürs Leben“ und „Alltagskompetenz“.

Wie der Betrieb Wiedemann zeigt in Bayern eine wachsende Zahl von Bio-Betrieben, wie bunt das Spektrum der bäuerlichen Kulturen sein kann. Vater und Sohn Wiedemann bauen auf ihren 195 ha Nutzfläche beispielsweise Dinkel, Winterweizen und Emmer an, Winter- und Sommergerste, Hafer, Körnermais, Ackerbohnen, Raps, Sonnenblumen, Sojabohnen, Kleegras, Gelbsenf, Hanf, Silphie und Kümmel. Daneben bewirtschaften sie Wiesen und Weiden und haben Blühflächen angelegt.

Beim Raps beklagt der Biolandwirt die nur mehr geringe Preisspanne zwischen Bio und konventioneller Ware. „Das ist ärgerlich, zumal der konventionelle Hektarertrag bei bis zu 45 Doppelzentner liegt und wir von unserem Bio-Raps nur rund 20 Doppelzentner dreschen konnten. Trotzdem haben wir heuer zehn Hektar angebaut, um zumindest einen Lastzug vollzubringen.“ Die kleinen Mengen in der Bioproduktion seien mit Blick auf die Abholung nämlich oft ein Problem.

Kleiner Bioboom im Landkreis

„Im Landkreis Günzburg gab es in den vergangenen Jahren einen kleinen Bio-Boom, viele Betriebe aller Produktionsrichtungen haben auf den ökologischen Landbau umgestellt“, sagte Kreisobmann Stephan Bissinger. Derzeit werden im Landkreis 93 Höfe nach den Bio-Richtlinien bewirtschaftet. Das sind rund 8 % aller Betriebe.

„In Krumbach haben von den fünf verbliebenen Betrieben inzwischen drei auf Bio umgestellt“, bestätigte Wiedemann. Mit seinem Sohn bewirtschaftet er seit vier Jahren auch den zuvor noch konventionellen Teil des Saatgutvermehrungsbetriebs nach ökologischen Richtlinien. Da in zwei Jahren der Generationenwechsel ansteht, entschieden sich die beiden für die Investition in eine neue Saatgutaufbereitungsanlage. Damit sie sich rechnet, müsse die Anlage nicht nur während der Frühjahrs- und Herbstsaison laufen, sondern das ganze Jahr. Gewährleistet wird das durch verschiedene Kooperationen.

Marke „Von Hier“

Für die Marke „Von Hier“ der Feneberg-Lebensmittelkette bereitet der Betrieb Speisegetreide und Ölsaaten auf. Zusätzlich wird Dinkel für Anbaubetriebe von Feneberg geschält und gereinigt, Hanf für den Export nach Kanada angebaut. In Kooperation mit Naturland erfolgt die Aufbereitung von Speisesoja aus eigener Produktion und von Bioberufskollegen. „Die Feinreinigung für die Lebensmittelindustrie führen wir mit hochsensibler Technik durch und garantieren eine 99,8-prozentige Reinheit“, versicherte der Biobauer.

„Es ist allerdings mehr als erschütternd, wie viele Verunreinigungen, die nicht aus der Landwirtschaft stammen, der Farbausleser mit der hochauflösenden Kamera findet.“ Die Gesellschaft habe offensichtlich nach wie vor nicht begriffen, welchen Schaden sie mit der achtlosen Entsorgung von Müll auf Äckern und Wiesen anrichtet. Weil durch die komplette Umstellung auf Bio freie Lagerkapazitäten am Betrieb vorhanden sind, werden seit 2018 Erntepartien von Berufskollegen eingelagert. „Je nach Kultur kommen wir im Vergleich zum früheren konventionellen Anbau nämlich nur mehr auf 40 bis 60 Prozent Ertrag.“

Die Biokönigin war begeistert von der Vielfalt auf dem Betrieb. Vor allem für Bio-Betriebe sei es eine große Herausforderung, mit den Auswirkungen des Klimawandels umzugehen. Die Vilsbiburgerin bedauert zudem, dass Verbraucher sich nicht noch mehr für den Kauf von regionalen Bio-Lebensmitteln entscheiden.

Zahlen und Fakten zum Ökolandbau

2021 lag der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche an der gesamten Nutzfläche in Bayern bei 12 %, in Schwaben bei 14,6 %. Bayernweit bewirtschaften 10 098 Bio-Betriebe 378 642 ha, in Schwaben sind es 2108 Bio-Betriebe mit 75 214 ha Fläche.

Im ersten Quartal 2022 sank der Umsatz mit Frischeprodukten laut Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) insgesamt um 6,5 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei Bio-Frischeprodukten war der Umsatzrückgang mit 4,4 % etwas geringer. Angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten versuche der Verbraucher beim Lebensmitteleinkauf generell zu sparen. Es sei allerdings kein Trend zugunsten oder zulasten von Bio erkennbar, sondern unterschiedlich je nach Produktgruppe, Einkaufsstätte und Preisentwicklung.

Gestiegen waren die Einkaufsmengen privater, deutscher Haushalte bei Speiseöl (14,1 %), Fleisch- und Wurstwaren (12,4 %) und pflanzlichen Drinks (11,2 %). Ein deutlicher Rückgang war bei Biokartoffeln (16,6 %) und beim Obst (13,3 %) zu verzeichnen. Insgesamt schrumpfe Bio allerdings weniger als der Gesamtmarkt.