Untersuchung

Einzigartiger Hotspot der Biologie

1_Bergmischwald
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Redaktion Wochenblatt
am Dienstag, 11.05.2021 - 08:05

Die Balderschwanger Wälder sind durch eine vorbildliche Bewirtschaftung geradezu ein Hotspot der Artenvielfalt. Das ZNAlp koordiniert die Aktivitäten.

Naturforscher unterschiedlicher Fachrichtungen untersuchten im vergangenen Jahr unter Leitung des Zentrum Naturerlebnis Alpin (ZNAlp) eine 20 Hektar große Fläche der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) bei Balderschwang. Die Aktion stand in Zusammenhang mit dem GEO-Tag der Natur, der bundesweit üblicherweise an einem Wochenende stattfindet. Bedingt durch die Corona-Situation war der Untersuchungszeitraum bis in den Herbst verlängert worden.

2_Leuchtnacht

Laut dem Biologen Henning Werth vom ZNAlp stellte sich schnell heraus, dass das Waldgebiet auf der Südseite des Siplinger Kopfes einen Hotspot der Artenvielfalt für Tiere und Pflanzen darstellt. Über 1000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten konnten in dem Hangwald festgestellt werden. Den beteiligten Organisationen und Experten wurden die Ergebnisse vorgestellt.

Besonders seltene Arten wie der Lilagold-Feuerfalter, der Weißrückenspecht oder die Alpenwachsblume fanden sich in den Ergebnislisten des Gebietes wieder. Staatsforsten-Betriebsleiter Jann Oetting und Revierleiter Hubert Heinl hatten das Waldstück ausgewählt. „Wir bewirtschaften den Allgäuer Staatswald auf ganzer Fläche naturnah. Deshalb war es im Grunde gleich, welche Fläche wir auswählen. Aber trotzdem freut es uns, dass die Forschungsergebnisse unterstreichen, was seit langem unsere Überzeugung ist: Die enge Verzahnung von Wald und Offenland, die wir erhalten und fördern, führt zu einem sehr hohen Artenreichtum und macht die Allgäuer Landschaft einzigartig“, sagte Oetting.

Bei der Untersuchung des Gebietes kamen besondere Erfassungsmethoden der Forscher zum Einsatz. So führte Insektenkundler Alfred Karle-Fendt mehrere so genannte Leuchtnächte durch, um nachtaktive Falter mit Hilfe einer Leuchtsäule anzulocken und zu bestimmen. Brigitte Kraft vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) erfasste mit so genannten Batcordern unterschiedliche Fledermausarten. Die Geräte können Fledermausrufe von anderen Schallquellen unterscheiden und zeichnen die Tonsequenzen auf. Jede Art hat dabei eigene Frequenzmerkmale, wodurch eine Bestimmung möglich ist.

Dass in den Hangschluchtwäldern rund um den Siplinger Kopf noch weitere Besonderheiten der Allgäuer Flora und Fauna schlummern, darüber sind sich Julia Wehnert vom Bund Naturschutz, Boris Mittermeier von der staatlichen Forstverwaltung und Biologin Ulrike Meisterhans einig, die gemeinsam die Pflanzenbestände erfassten. In allen Tier- und Pflanzenbereichen konnten Arten nachgewiesen werden, die auf der Roten Liste zu finden sind. Prof. Dr. Silke Werth von der LMU München vermutet sogar, eine in Bayern als ausgestorben geltende Flechte entdeckt zu haben. „Wenn sich der Verdacht bestätigt, wäre das natürlich das Sahnehäubchen der Untersuchungen!“, so Werth.

ZNAlp-Leiter Ethelbert Babl zieht ein rundum positives Fazit der Forschungsaktivitäten: „Durch die Zusammenarbeit zahlreicher Naturexperten konnten wir eine sehr hohe Artenvielfalt in diesem Waldgebiet feststellen. Auch 2021 werden wir zusammen mit unseren Partnern wieder ein Gebiet im Allgäu genauer unter die Lupe nehmen.“