Nachhaltigkeit

Einsatz von Palmöl bleibt umstritten

Palmöl
Anja Kersten
am Donnerstag, 01.04.2021 - 11:03

Der BBV Landsberg/Kaufbeuren informierte über die Produktion von Palmöl. Vieles wird dabei kritisch beurteilt.

Es steckt hauptsächlich in Lebensmittelerzeugnissen, darunter sogar in Kindernahrung, aber auch in Putzmitteln und im Biosprit: Palmöl. Denn Palmöl ist allgegenwärtig und „ein geiles Öl“, wie Petra Düring, Geschäftsführerin vom BBV Bildungswerk im Bezirk Oberbayern, bei einer Online-Veranstaltung vom BBV Landsberg/Kaufbeuren einen Wissenschaftler zitierte. Im Gegensatz zu Sonnenblumen- oder Rapsöl ist es bei Zimmertemperatur fest und muss deshalb nicht gehärtet werden. Es ist geschmacksneutral, lange haltbar und industriell gut verwendbar.

Durch Mischung mit anderen Ölen lässt sich eine streichfähige Margarine herstellen, erklärte die Referentin die Eigenschaften von Palmöl. Der Ertrag pro Hektar ist im Vergleich zu Rapsöl und Sonnenblumenöl sehr viel höher. Eine ausgewachsene Ölpalme produziert etwa 15 mal im Jahr Fruchtbüschel von rund 20 kg. Aus dem Fruchtfleisch der Früchte wird das Palmöl gewonnen, aus den Kernen der Früchte das Palmkernöl. Ölpalmen sind Dauerkulturen, die nach 3 Jahren die ersten Früchte produzieren bis nach etwa 20 Jahren der Ertrag zurückgeht. Nicht zuletzt ist Palmöl billig. Es wird deshalb in der Industrie gern und viel eingesetzt, vor allem in der Lebensmittelindustrie, wie Petra Düring anhand von Statistiken zeigte.

Bedrohte Tierarten verlieren Lebensraum

Weltweit wird mehr als 70 % des erzeugten Palmöls in Nahrungsmittel eingesetzt, etwa 5 % in Energie und nur 1,2 % in Futtermittel. In Deutschland ist der Palmölverbrauch zur Energiegewinnung dagegen mehr als doppelt so hoch, wie in Lebensmitteln.

Doch Palmöl steht in der Kritik und nicht zu Unrecht, wie Petra Döring ausführte. Hauptanbaulänger für Ölpalmen sind Indonesien und Malaysia. Laut Weltbank stehen in Indonesien bis zu 70 % der Indonesischen Palmölplantagen auf ehemals bewaldeten Tropenflächen. Und die Produktion steigt stetig. Tropenwald wird abgeholzt und abgebrannt. Damit verlieren auch bedrohte Arten ihren Lebensraum.

Palmöl Energiegewinnung

Die Böden werden durch unkontrollierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die in der EU niemals ihre Zulassung bekommen würde, wie Petra Düring betonte, belastet und müssen von Arbeitern oft ohne Schutzausrüstung ausgebracht werden. Denn die Palmölplantage gehören zum größten Teil Großkonzerne, nur 20 % werden von Kleinbauern bewirtschaftet.

Auch Kinderarbeit und Zwangsarbeit, zitierte Petra Düring Amnesty international, werden von den Großkonzernen eingesetzt. WWF hat deshalb bereits schon 2004 einen runden Tisch „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ (RSPO), bestehend aus Palmöl-Anbauer, Händler, Konsumgüterhersteller, Banken sowie Nichtregierungsorganisationen, ins Leben gerufen, um Mindeststandards für Palmöl zu definieren. Momentan werden 20 % des weltweiten Palmöls nach diesem Standard hergestellt.

Immer wieder gibt es aber Kritik, so die Referentin, dass auch dort weiterhin gefährliche Pflanzenschutzmittel verwendet werden, Monokulturen angebaut oder die Rechte der Bevölkerung missachtet werden. Deshalb wurden die Standards 2018 nochmals verschärft, unter anderem sollen es keine Brandrodungen für neue Ölpalme-Plantagen geben.

 

Doch auch hier haben die Unternehmer Wege gefunden, die Ölpalmen-Plantage auszuweiten, wie Petra Düring ausführte. Sie bauen die Ölpalmen einfach auf Feldern an, in denen früher Nahrungspflanzen angebaut wurde.

Deshalb setzt sich das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP), bei dem auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft dabei ist, zum Ziel, den Anteil von nachhaltig erzeugtem Palmöl zu erhöhen und Standards zu verbessern. Anliegen ist es, dass nur nachhaltig zertifiziertes Palmöl nach Deutschland kommt.

Doch selbst wenn nur noch zertifiziertes Palmöl nach Deutschland kommen sollte, ändert das nichts an der Tatsache, dass Palmöl gesundheitlich bedenklich ist. Das liegt zum einen an seiner hohen Menge an gesättigten Fettsäuren. Zum anderen entstehen bei der Erhitzung im Vergleich zu anderen Pflanzenölen erhöhte Mengen an Fettschadstoffen, darunter ein Stoff, der möglicherweise krebserregend ist. Erwachsene würden diese Grenzwerte nicht erreichen, Kinder aber könnten die Menge schnell überschreiten, auch weil Palmöl in vielen Lebensmitteln enthalten sei. Auf der Zutatenliste findet man es unter Palmöl oder auch Palm.

Palmölhaltige Produkte aus den Regalen verbannt

Die Gesundheitswarnungen zu Palmöl haben in anderen Ländern, zum Beispiel Italien, große Diskussionen ausgelöst. Der größte italienische Einzelhandelskonzern Coop hat palmölhaltige Lebensmittel aus seinen Eigenmarken verbannt.

Lebensmittel mit Palmöl

In der Schweiz verdrängt Palmöl Rapsöl. Rapsöl ist die wichtigste Schweizer Ölpflanze. 2018 erklärten die Schweizer Futtermittelhersteller, dass sämtliches Palmöl durch Rapsöl ersetzt wurde. In Österreich verbieten verschiedene Molkereien zum Beispiel Salzburgmilch seit 2017 und Berglandmilch seit 2018 den Einsatz von palmölhaltigen Futtermitteln bzw. Milchaustauschern.

Denn die Leidtragenden von der zunehmenden Nutzung von Palmöl sind die europäischen Rapserzeuger. Die Herstellung von Rapseiweißfutter ist in Deutschland oft auch an die Biodieselherstellung gekoppelt. Das bedeutet im Umkehrschluss, erklärte die Referentin, dass 60 % der verwendeten Rapsschrotmenge in der Tierernährung durch Importe, zum Beispiel Sojaöl, ersetzt werden muss und die Abhängigkeit von im Ausland erzeugte Futtermittel steigen würde.