Eins mit Stern für die Waldbesitzer

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Patrizia Schallert
am Freitag, 16.11.2018 - 09:02

Viel Lob gab es bei der 50-Jahr-Feier der Forstbetriebsgemeinschaft Neu-Ulm in Pfaffenhofen.

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Müsste ich den bayerischen Waldbesitzern ein Zeugnis ausstellen, würde ich ihnen eine Eins mit Stern bescheinigen“, gratulierte Ministerialrat Robert Morigl der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG)Neu-Ulm auf ihrer 50-Jahr-Feier in Pfaffenhofen. Deren Mitglieder seien weit davon entfernt, ihre Wälder zu plündern. „Es sind nicht nur die Waldeigentümer, die von ihrem forstlichen Besitz profitieren, Nutznießer ihres Wirkens ist vor allem die Gesellschaft“, bekräftigte der Leiter des Referats Holzwirtschaft, Forstvermögen und Forsttechnik am bayerischen Landwirtschaftsministerium.

Gründung war zukunftsweisend

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FBG-Vorsitzender Josef Mack eröffnete die gut besuchte Jubiläumsfeier mit einem nachdenklichen Satz. „50 Jahre sind eine lange Zeit für einen Zusammenschluss, für einen Baum ist das aber mehr oder weniger nur die Halbzeit.“ Die Gründungsmitglieder hätten im September 1968 einen zukunftsweisenden Entschluss gefasst. Die Organisation, die 2017 einen Jahresumsatz von mehr als 3 Mio. € erzielte, habe sich im Lauf der Jahre notwendigen Veränderungen nicht verweigert, so Vorsitzender Josef Mack. Das sei auch bis heute erforderlich, nachdem der Klimawandel immer größere Anforderungen an die Waldbesitzer stellt. „Die Ressource Wald ist seit Menschengedenken unersetzbar. Eine multifunktionale, nachhaltige Waldbewirtschaftung erzeugt den höchsten Gemeinnutzen. Sie ist eine Voraussetzung, dass unsere Wälder gegen künftige Herausforderungen gewappnet sind.“
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„Der Wald ist nicht nur ein wichtiger Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktor, sondern ein unverzichtbarer Lebensraum für Mensch und Tier, ein Sauerstoffproduzent, Klimaregulator und Kohlenstoffspeicher“, betonte Landrat Thorsten Freudenberger in seinem Grußwort. Mit Blick auf den Klimawandel gab er den Waldbesitzern einen Rat: „Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz lassen sich nicht mit hängenden Köpfen und einer depressiven Weltuntergangsstimmung bewältigen. Wir brauchen den Glauben, dass wir in der Lage sind, Dinge zum Guten zu wenden. Wir können im Kleinen viel dazu beitragen, im Großen etwas zu bewegen.“
Pfaffenhofens Bürgermeister Josef Walz stimmte seinem Vorredner zu. „Der Wald ist einer der wenigen Naturräume, die wir noch haben, und er trägt entscheidend zu unserer Lebensqualität bei.“ Damit er seinen Nutzen entfalten könne, benötige er jedoch die Pflege von Menschenhand. Die Neu-Ulmer FBG habe in den vergangenen 50 Jahren viel zur sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Funktion des heimischen Waldes beigetragen. „Wir alle profitieren von einem intakten Naherholungsgebiet vor der eigenen Haustür und dem zukunftsfähigen Wirtschaftszweig Holz.“
Waldbesitzer setzen mit ihrer täglichen Arbeit im Forst die Leitidee der Bayerischen Forstpolitik „Schützen und Nützen“ um, sagte Axel Heiß, Leiter des AELF Krumbach. Mit der Unterzeichnung des Waldpakts 2018 wurde für die kommenden Jahre eine zentrale Weichenstellung für die Wald- und Forstwirtschaft angestoßen. „Die Herausforderungen der Zukunft wie der Klimawandel und die demografische Entwicklung können nur im engen Schulterschluss von Staat, Verbänden und Selbsthilfeeinrichtungen bewältigt werden“, zitierte Heiß einen Eckpunkt des Waldpakts. Deshalb seien die Fördermittel für die forstlichen Zusammenschlüsse Bayerns von 5 auf 10 Mio. € aufgestockt worden.

Gratulation auch vom Waldbotschafter

Zu seiner Festrede hatte Leitender Ministerialrat Robert Morigl den FBG-Mitgliedern eine kleine Überraschung mitgebracht. In einer kurzen Videobotschaft gratulierte Markus Wasmeier der Forstbetriebsgemeinschaft Neu-Ulm zu ihrem 50-jährigen Jubiläum. Der ehemalige Skiweltmeister und Olympiasieger wurde im vergangenen Jahr von Forstminister Helmut Brunner zum ersten „Waldbotschafter der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“ (SDW) ernannt. Die SDW ist ein anerkannter Naturschutzverband, der insbesondere Kindern den Wert nachhaltig bewirtschafteter Wälder näher bringen will.
Anschließend nahm Morigl die Festbesucher mit auf eine Reise durch die bayerische Forstwirtschaft. Der Freistaat ist ein Land der Automobilhersteller. Dementsprechend liegen diese an erster Stelle der volkswirtschaftlichen Produktivität. Bereits auf dem vierten Platz rangieren jedoch Forst und Holz mit einem jährlichen Gesamtumsatz von 37 Mrd. €, knapp 200 000 Beschäftigten und rund 700 000 Waldbesitzern, stellte der Ministerialrat fest. „Nehmen wir die Branchen Land- und Forstwirtschaft, die den ländlichen Raum prägen und den Menschen Wohlstand bescheren, zusammen, so beläuft sich deren Jahresumsatz auf 68 Milliarden Euro.“ Auch wenn diese beiden Branchen nicht so wahrgenommen werden, seien sie im Freistaat doch eine politische und wirtschaftliche Macht, die dem Land ein Gesicht gebe.

Weltweit steigt
der Holzbedarf

In den vergangenen 30 Jahren sei der globale Holzbedarf um 300 Mio. m³ gestiegen. „Demnach erzeugen die Waldbesitzer ein Produkt, nach dem die Welt schreit“, unterstrich Morigl. Europaweit stehen in Deutschland mit 3,4 Mrd. m³ die höchsten Rundholzvorräte. Bayern und Baden-Württemberg verfügen über 66 % der gesamten Holzvorräte der Bundesrepublik. „Unser Bundesland nimmt forstwirtschaftlich eine Spitzenposition in Europa ein.“
Doch wie gehen die bayerischen Waldbesitzer mit ihrem Reichtum um, leben sie über ihre Verhältnisse? In den vergangenen 30 Jahren haben sie nur zweimal genutzt, was der Wald hergibt, und zwar 2006 nach dem Orkan Kyrill und im Käferjahr danach. Ansonsten seien die Bayern deutlich unter ihren Möglichkeiten geblieben. „Bayerische Waldbesitzer sind also in Summe mehr als weit davon entfernt, ihre Forste zu plündern“, bekräftigte Morigl. „Keiner soll sagen, dass sie nicht vernünftig mit dem umgehen, was seit Generationen in Familienbesitz ist und sie an ihre Kinder- und Kindeskinder weitergeben.“ Für diese Aussage erhielt der Ministerialrat kräftigen Applaus.
Des Weiteren ging Morigl auf die Holzverwertung in Deutschland ein und stellte fest, dass seit 2009 ebenso viel Holz verbrannt wie stofflich genutzt wird. „Ich bin ein großer Freund der Holzenergie, aber wir müssen uns fragen, ob wir uns das auf Dauer leisten können.“ Gleichwohl zeigen die Ergebnisse der Bundeswaldinventur III gute Ergebnisse: Die höchsten bayerischen Durchschnittsvorräte befinden sich im Kleinprivatwald, die Laubholzflächen nehmen zu und die Mischbestände dominieren. Außerdem ist der Zuwachs im Privatwald deutlich höher als die Nutzung und die Baumbestände werden älter.
Mit täglich 40 neuen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern, von denen immer weniger aus bäuerlichen Strukturen stammen, verändere sich auch die Sichtweise und Einstellung zum eigenen Wald. Der finanzielle Aspekt trete in den Hintergrund und mit ihm auch die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit forstlicher Maßnahmen. „Diese werden oft nicht mehr erkannt.“

Mehr Konkurrenz
zu erwarten

Ebenso gewandelt habe sich die Holzindustrie, die sich beispielsweise vom traditionellen Bauholz immer mehr verabschiede. Für die Zukunft sieht Morigl eine Zunahme kapitalkräftiger Großkonzerne und Holdings, die auf dem europäischen Markt agieren werden und den Verdrängungswettbewerb voranschreiten lassen. „Ebenso treten die energetische und die stoffliche Verwertung vermehrt in Konkurrenz.“ Das sei ein Segen für die Waldbesitzer. „Damit wird der Preis für ein Produkt gesichert, von dem wir vor 20 Jahren nicht wussten, wie wir es loswerden sollen.“
Die Rundholzpreise seien jedoch durch Windwürfe und Käferbefall „den Bach hinuntergegangen“. Allein in Deutschland, Österreich und Tschechien waren von diesen Kalamitäten 2017 und 2018 rund 50 Mio. fm betroffen. „Das wird im kommenden Jahr keinesfalls besser, darauf müssen sich die bayerischen Waldbesitzer einstellen“, sagte der Ministerialrat. Profiteur dieser Entwicklung sei einmal mehr die Sägeindustrie.
Sorgen bereitet Morigl der Klimawandel. Wer ihn immer noch leugne, habe die vergangenen sechs Monate wohl am Nordpol verbracht. Mit Blick auf die zunehmenden Sturm-, Dürre- und Hitzeereignisse legte er den FBG-Mitgliedern den Waldumbau ans Herz. „Ich bin zwar ein bekennender Fichtenfreund, aber stabile Wälder sind ein sanftes Ruhekissen.“
Neben den Folgen des Klimawandels drohe den Waldbesitzern mit den Ansprüchen der Gesellschaft weiteres Ungemach. Viele Menschen seien auf dem Trip: „Ich habe eine Meinung, aber keine Ahnung.“ Der Wald werde vermehrt als „Allgemeingut“ wahrgenommen und Nichtfachleute beeinflussten zunehmend politisches Handeln. „Das postfaktische Zeitalter hat auch im Wald begonnen.“
Umso wichtiger sei die Waldumbauoffensive 2030, die ein Ministerratsbeschluss vom September 2017 auf den Weg gebracht hat. Die bayerische Staatsregierung will hier bis 2030 insgesamt 200 Mio. € und 200 zusätzliche Planstellen bereitstellen. Mit einem Zitat des großen Genossenschaftlers Friedrich Wilhelm Raiffeisen gab Morigl den Waldbesitzern abschließend eine Botschaft mit auf den Weg. „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das schaffen viele.“ In einem Meer von wirtschaftlichen Zwängen und gesellschaftlichen Ansprüchen seien forstliche Zusammenschlüsse unverzichtbar. „Deshalb pflegt sie und steht hinter ihnen!“ Patrizia Schallert