Waldförderung

Einmalig 100 Euro je Hektar

Interview: Susanne Lorenz-Munkler
am Dienstag, 19.01.2021 - 15:42

500 Millionen Euro stehen für Investitionen in Wald und Forst abrufbereit.

01bundeswaldprämie-Baldauf

Starksturmereignisse sowie Wassermangel und Borkenkäferbefall haben in den letzten Jahren zu großen Schäden in den deutschen und Allgäuer Wäldern geführt. Vor allem die anhaltende Trockenheit hat seit 2018 deutschlandweit so große Schäden hinterlassen, dass viele Wälder wiederaufgeforstet werden müssen.

Gleichzeitig gab es seit Herbst 2017 bei Nadelstamm- und Industrieholz einen deutlichen Rückgang der Holzpreise. Dazu kam Corona, das im Frühjahr die internationalen Warenströme stocken ließ und einen weiteren Preisverfall zur Folge hatte. Die Bundesregierung hat vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie im Juni dieses Jahres ein Investitionsprogramm für den Sektor Wald und Forst beschlossen. 500 Millionen Euro können jetzt direkt von den Wald-Besitzern selbst beantragt werden. Wir sprachen darüber mit Robert Baldauf, dem forstlichen Koordinator des AELF Kempten für die WBV Westallgäu und WBV Kempten sowie der FBG Oberallgäu.

Wochenblatt: Warum können die Gelder erst jetzt beantragt werden, wenn das Programm schon im Juni verabschiedet wurde?
Baldauf: Im Juni wurde beschlossen, dass es ein Hilfspaket für den Sektor Wald und Holz geben soll. Seit Mitte November ist die ausgestaltete Förderung über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) verfügbar.
Wochenblatt: Wer hat Anspruch auf Förderung?
Baldauf: Jeder Waldbesitzer, der mehr als einen Hektar Wald besitzt und dessen Wald PEFC oder FSC zertifiziert ist, kann Förderung beantragen. Das sind alle Waldbesitzer, wenn sie in einem forstlichen Zusammenschluss organisiert sind.
Wochenblatt: Wie hoch ist der Förderbetrag?
Baldauf: Wenn alle Bedingungen erfüllt sind: einmalig 100 Euro pro Hektar.
Wochenblatt: Was ist bei der Beantragung zu berücksichtigen?
Baldauf: Der Antrag muss online bei der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR) gestellt werden (www.bundeswaldprämie.de).
Im Antragsverfahren müssen Angaben aus dem Beitragsbescheid der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG/Berufsgenossenschaft), zur Mitgliedschaft im forstlichen Zusammenschluss (FBG oder WBV) beziehungsweise zur Zertifizierung sowie zu eventuell erhaltenen De-minimis-Beihilfen gemacht werden.
Es ist wichtig all diese Unterlagen zur Antragstellung bereit zu haben, damit man diese Angaben machen kann. Der Antrag kann nämlich aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zwischengespeichert werden.
Wochenblatt: Gibt es sonst noch etwas zu berücksichtigen?
Baldauf: Es sollte darauf geachtet werden, dass die Angaben mit denen auf dem „Anforderungsbogen Bundeswaldprämie“ der FBG oder WBV übereinstimmen. Außerdem darf der Antragsteller zum Beispiel sein De-minimis-Kontingent in Höhe von 200 000 € in den vergangenen drei Jahren nicht ausgeschöpft haben. Hierzu ist eine entsprechende Erklärung abzugeben. Dazu gehören zum Beispiel auch Förderungen, die aus dem Naturschutzfonds, dem AELF oder der Bergwaldoffensive geflossen sind. Anzugeben sind Datum des Bescheids, Aktenzeichen, Form der Beihilfe, Beihilfegeber und Beihilfewert in Euro.
Wochenblatt: Glauben Sie, dass viele Waldbesitzer diese Prämie beantragen werden?
Baldauf: Nun ja, wir haben im Allgäu rund 10 000 Waldbesitzer, die in forstlichen Zusammenschlüssen organisiert und somit PEFC zertifiziert sind. Ich denke, dass viele einen Antrag stellen.
Wochenblatt: Wo bekommt der Waldbesitzer den Antrag her und wohin schickt er diesen?
Baldauf: Die forstlichen Vereinigungen haben bereits einen „Anforderungsbogen Bundeswaldprämie“ an alle ihre Mitglieder verschickt. Diesen sollen die Mitglieder mit dem SVLFG-Bescheid abgleichen. Sollten die Daten nicht exakt übereinstimmen, gibt es die Möglichkeit, die korrekten Daten zu ergänzen. Der unterschriebene Anforderungsbogen muss bis zum 28. Februar zurück zur WBV oder FBG. Nach Eingang des Anforderungsbogens erhält der Wald-Besitzer von der WBV oder der FBG eine Bestätigung seiner Mitgliedschaft mit einem PEFC-Nachweis. Erst dann kann er den oben genannten Online-Antrag bei der FNR stellen.
Nicht organisierte Waldbesitzer müssen den PEFC oder FSC-Nachweis anderweitig besorgen. Es stehen 500 Millionen Euro zur Verfügung. Es können also fünf Millionen Hektar gefördert werden. Wir raten dennoch mit der Antragstellung nicht zu lange zu warten.
Wochenblatt: Ein kompliziertes Antragsverfahren. Wo gibt es gegebenenfalls Hilfe?
Baldauf: Die forstlichen Zusammenschlüsse unterstützen die Waldbesitzer gegen eine Servicegebühr.