Direktvermarktung

Eigene Landmetzgerei eröffnet

Anja Kersten
am Donnerstag, 14.10.2021 - 12:15

Ummenhofen ist ein sehr kleiner Ort im Ostallgäu – mit Metzgerei. Gefördert als Kleinstunternehmen im Rahmen der Dorferneuerung.

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Nichts weist darauf hin, dass es in dem kleinen Ort Ummenhofen, einem Ortsteil von Jengen im Landkreis Ostallgäu, eine Metzgerei gibt, zu der sogar Kunden aus den benachbarten Landkreisen kommen. Es gibt kein Schild. Selbst der Verkaufsraum in Holzständerbauweise, der neben dem Einfamilienhaus der Inhaber steht, sieht eher wie ein kleines Wohnhaus als ein Laden aus.

Doch Sandra und Andreas Huber haben dort erst im März letzten Jahres ihre Landmetzgerei eröffnet. Dort verkaufen sie das Fleisch der eigenen Angusrinder, die der Metzgermeister selbst schlachtet und die von ihm selbst hergestellte Wurst. Aufgrund der hohen Nachfrage werden auch Ochsen und Schweine von Bauern aus der Umgebung zugekauft und geschlachtet.

Zurzeit schlachten sie im Durchschnitt alle drei Wochen ein Rind. „Wir schlachten erst, wenn wir sehen, dass wir wieder was brauchen.“ Aus diesem Grund kommt es auch mal vor, dass bestimmte Fleischstücke aus sind. „Unsere Kunden wissen das und akzeptieren dies.“

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Andreas Huber schlachtet die Tiere im Schlachthof, im nur wenige Kilometer entfernten Ketterschwang. Kurze Transportwege sind ihm wichtig. Das Fleisch wird im Schlachthof einen Tag abgehängt. Danach reift das Fleisch bei 0 – 2 °C für drei Wochen in seinem eigenen Kühlhänger. Um beste Qualität zu erzeugen, wird der Anhänger einmal am Tag gelüftet.

Bis vor einem Jahr war der Keller Verkaufsraum, in dem das Fleisch und die Wurst abgepackt verkauft wurden. Gerade noch rechtzeitig wurde der neue Laden eröffnet. Sonst wäre wegen Corona die Begrenzung auf eine bestimmte Anzahl von Kunden und die Abstandsregelung schwierig geworden. Gefördert wurde die kleine Verkaufsstätte als „Kleinstunternehmen zur Deckung des täglichen Bedarfs“ im Rahmen der Dorferneuerung.

Der Metzgermeister festigt mit dem Verkaufsraum nicht nur seine Unternehmertätigkeit, sondern fördert auch das Leben im Dorf, so der Grund für die Förderung. Neben Fleisch, Wurst und Wurstkonserven kann man auch Eier, Nudeln und Käse kaufen – natürlich alles aus der Region. Der Zeitpunkt der Eröffnung hätte nicht besser sein können, denn coronabedingt mussten die Leute selbst kochen.

„Wir haben überhaupt keine Werbung gemacht, nicht einmal ein Schild zu unserem Laden aufgestellt, dennoch kam die Kundschaft“, meint Sandra Huber. Auch jetzt hat die Nachfrage nicht nachgelassen, die Leute kaufen vielleicht weniger Fleisch, dafür achten sie auf Qualität, Herkunft und Regionalität, sagt sie angesprochen auf einen möglichen Trend zu geringerem Fleischverzehr.

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Das Wurstsortiment ist klein, aber dafür hausgemacht. „Das komplette Wurstsortiment wird von mir selbst hergestellt, deshalb ist es nicht so umfangreich wie in anderen Läden“, erläutert Andreas Huber.

Für den Verkauf ist neben Sandra Huber auch Andreas‘ Schwägerin, Sabine Huber, zuständig. Die Tochter, Theresa, erledigt neben dem Verkauf, zusätzlich das Büro. Sandra Huber ist Metzgereifachverkäuferin. „Sie weiß einfach, wie man mit Fleisch und Wurst umgeht und kann Tipps zur Zubereitung geben. Das schätzen die Kunden“, sagt Andreas Huber.

Anbindestall zum Laufstall umgebaut

Wer wissen möchte, woher das Fleisch kommt und wie die Tiere gehalten werden, muss im Sommer nur ein paar hundert Meter weiter vom Laden zur Weide gehen. Dort grasen derzeit 13 Muttertiere, 13 Kälber und, nicht zu vergessen, Zuchtstier „Carlos“.

2015 hat Andreas zusammen mit seinem Bruder Thomas zwei Angusrinder gekauft und eine GbR gegründet. Der Betrieb hat circa 20 ha. Seine Eltern haben die Milchviehhaltung altersbedingt aufgegeben. „Darum konnten wir den alten Anbindestall in einen Laufstall mit Tiefstreu umbauen“, erklärt Huber.

Als Metzgermeister schätze er das gute Fleisch der Angusrinder: die feine Marmorierung, den kräftigen Geschmack und das fein faserige Fleisch. Er hat sich deshalb mit seinem Bruder für deutsche und Aberdeen Angus entscheiden, die genetisch hornlos, klein, gutmütig im Umgang sind, sowie ein ausgeprägtes Mutterkuhverhalten haben. Des Weiteren sind sie leicht zu halten, genügsam und haben kurze Zwischenkalbezeiten. Sie brauchen nur Gras, beziehungsweise Heu und Silage.

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Zum Beweis, wie friedlich die Tiere sind, stellt sich Andreas Huber gleich mal mitten auf die Weide und krault den Stier, der sich das nur allzu gern gefallen lässt. Er, sein Sohn Daniel, sein Bruder Thomas sowie sein Vater Hans, gehen regelmäßig auf die Weide.

Je nach Witterung bleiben die Mutterkühe und die Kälber von April bis Oktober auf der Wiese. Ein Unterstand schützt sie vor Regen und Wettereinflüssen. Im Herbst kommen die Angusrinder wieder in den Stall, die Kälber werden abgesetzt und nach Geschlecht getrennt, um die Mutterkühe in Ruhe auf die nächste Kalbung vorzubereiten.

Die Abkalbezeit liegt zwischen März und Mai. Die Kälber bleiben circa 2 bis 3 Wochen mit ihrer Mutter in einer separaten Box. „Dabei haben sie keinen Stress und wir können sie gut beobachten.“ Die Tiere werden auf Tiefstreu gehalten, das Stroh dafür wird selbst produziert. Bis zum Erlangen des Schlachtgewichts befinden sich die Bullen in einem Offen-Lauf-Stall.

Man merkt: alles passt zusammen, das Konzept geht auf. Dazu kommt die gute Zusammenarbeit innerhalb der Familie, die es möglich macht, den Betrieb so erfolgreich zu führen.

 

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