Waldschutz

Eichen gegen den Klimawandel

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Toni Ledermann
am Mittwoch, 08.09.2021 - 06:10

Der Klimawandel ist in Bayern angekommen. Dies spüren Waldarbeiter und Förster bereits seit Jahren, denn sie sind fast täglich in den von ihnen betreuten Wäldern unterwegs.

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Wettenhausen/Lks. Günzburg - Im Forst südwestlich von Wettenhausen zeigten die Verantwortlichen dieses Gebiets, dass dies nicht einfach so hingenommen, sondern gegengesteuert wird.

Auf Einladung von Forstbetriebsleiter Martin Eggert und seinem Team vom Forstbetrieb Weißenhorn waren Martin Neumeyer, der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Staatsforsten, und Landrat Dr. Hans Reichhart im Staatswalddistrikt „Roggenburg“ mit Martin Eggert, Revierförster Hubert Bonath, und den Forstwirten Armin Glinkemann und Sebastian Stehle unterwegs, um sich über den Umbau der Staatswälder zu informieren.

Feines Näschen für den Borkenkäfer

Ein alter Hase im Forst ist Bonath, der Revierförster dieses Waldstücks: Der 60-jährige hat ein feines Näschen für Bohrmehl, das die Borkenkäfer bei ihrer Arbeit produzieren. Er ist seit 2015 für den Staatswald um Ettenbeuren verantwortlich und stellte beim Thema Borkenkäferbefall fest: „Wenn Bäume im Wald vom Borkenkäfer befallen sind, rieche ich das oft, bevor ich den befallenen Baum sehe!“ Dies bestätigen seine Kollegen, während sie zu dem Waldstück führten, in dem Käfer und Sturm den Forst dem Boden gleich machten.

Eggert erläuterte: Hier seien jetzt im Frühjahr tausende junge Eichen im Rahmen des „30-Millionen-Bäume-Programms“ gepflanzt worden. Warum gerade Eichen? „Diese Baumart bildet intensives, tief reichendes Wurzelwerk, das sie in Trockenphasen mit Wasser aus tieferen Schichten des Bodens versorgt. Sie sorgen auch dafür, dass Eichen stabil stehen bleiben, wenn Stürme und Starkregen benachbarte Fichten umwerfen. Für uns ist die Eiche ein wichtiger Teil der Lösung in Zeiten des Klimawandels.“
Neumeyer unterstrich dies mit beeindruckenden Zahlen: „Mit unserem 30-Millionen-Bäume-Programm pflanzen die Bayerischen Staatsforsten bis Ende 2024 bayernweit jedes Jahr rund sechs Millionen junge, klimatolerante Bäume in den Staatswäldern.“ Und er ergänzte, dass das von der Staatsregierung aufgelegte Programm dabei hilft, den Waldumbau weiter zu forcieren.

Austausch zwischen Privat- undn Staatswald

Der Staatswald ist das eine – doch können die vielen privaten und oft kleinen Waldbesitzer von den Maßnahmen des Staats auch profitieren? Auf Nachfrage des „Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatts sagte Neumeyer: „Der Klimawandel macht bekanntlich keine Grenzen zwischen Privat-, Kommunal- und Staatswald. Also gibt es einen sehr engen Austausch zwischen dem Bayerischen Staatsforst, den Forstbetrieben, den Waldbesitzervereinigungen und den Kommunalwaldbesitzern sowie der Bayerischen Forstverwaltung.“

Auch Eggert bewertet die Arbeit der Staatsforsten positiv für die Waldbauern: „Wir arbeiten zwar für die Staatswälder, aber auch für die Waldbauern haben diese Neupflanzungen einen Nutzen, weil wir uns im Staatswald mit klimatoleranten Baumarten beschäftigen – und immer wieder Möglichkeiten zum Austausch vor Ort, mit den privaten Waldbesitzern und mit den Waldbesitzervereinigungen, bestehen.“
Landrat Dr. Reichhart verdeutlichte: „Unseren Wäldern kommt eine Schlüsselrolle zu, denn die Bäume binden große Mengen Kohlenstoffdioxid. Wir müssen hier vor Ort unserer Verantwortung gerecht werden und die Wälder, denen Trockenheit, Stürme und der Borkenkäfer zunehmend zusetzen, zu klimastabilen Wäldern umbauen.“
Eggert wies auch auf die Bedeutung der Naturverjüngung hin: „Den größten Teil des Nachwuchses im Wald erreichen wir damit. Wenn der Wildbestand sich in einer tragbaren Größenordnung bewegt, können Bäume sich erfolgreich natürlich ansamen und dann auch hochwachsen. Jeden jungen Baum per Hand zu pflanzen, wäre gar nicht leistbar. In unserem Forstbetrieb pflanzen wir jährlich mehr als 100 000 Bäumchen. Dazu kommen mehrere hunderttausend Pflanzen, die sich natürlich ansamen.“