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Kooperation

Ehegelöbnis für die Waldzukunft

Kooperation
AELF Kempten
am Mittwoch, 27.11.2019 - 10:07

Die Forstlichen Zusammenschlüsse und das AELF Kempten unterzeichnen eine Kooperation.

Allgäu - Unter dem Motto „Gemeinsam die Zukunft der Wälder sichern“ haben das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten und drei Forstliche Zusammenschlüsse im südlichen Allgäu den Schulterschluss bei der künftigen Zusammenarbeit jetzt vertraglich untermauert. Mit im Boot der neuen Kooperationsvereinbarung sind neben der staatlichen Forstverwaltung in Form des Landwirtschaftsamtes Kempten die Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu (FBG), die Waldbesitzervereinigungen (WBV) Kempten und Westallgäu. Ziel ist es, die vor Ort tätigen Forstlichen Zusammenschlüsse noch besser fachlich zu unterstützen und zu befähigen, die Waldbesitzer für eine zukunftsweisende Bewirtschaftung der Wälder zu gewinnen, um den Waldumbau auf der Fläche voranzubringen.

Im Zuge der sogenannten Forstreform gewann auch die Förderung der Forstlichen Zusammenschlüsse in Bayern an Bedeutung. Deren Stärkung wurde  in den Jahren 2004 und 2013 im „Privatwaldpakt“ zum Ausdruck gebracht. Die Forstlichen Zusammenschlüsse übernahmen zum Teil bislang staatliche Zuständigkeiten, vorausgesetzt, sie setzten auf weitere Professionalisierung und  fachliche Beratung für die Privatwaldbesitzer. Jüngster Schritt in dieser Strategie ist der Waldpakt 2018, die Erklärung zur Stärkung der Bayerischen Forstwirtschaft und des ländlichen Raumes. Der etwas sperrige Titel beschreibt die Zielrichtung: Zukunft für Bayerns Wälder. Die Staatsregierung hat dafür auch weitere Mittel zugesichert.

Klimawandel bringt Riesenprobleme

„Das ist kein leichtes Spiel“, bringt es der Bereichsleiter am AELF Kempten, Dr. Ulrich Sauter, auf den Punkt. „Der Klimawandel kommt auf uns zu wie ein Omnibus“, beschreibt Sauter die Situation. Das bringe „Riesenprobleme“ für die Forstwirtschaft mit sich. Zum anderen mache der „Faktor Mensch“ die Sache nicht einfacher. Sprich: In Bayern gibt es rund 700 000 Waldbesitzer – die durchschnittliche Flächengröße beträgt rund zwei Hektar.

Und die demografische Entwicklung bringe ein weiteres Problem mit sich, meint Sauter: „Wald wird wenig gehandelt, sondern in der Regel vererbt.“ Immer mehr Menschen kämen zu Waldbesitz wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. Daraus folge schließlich, dass zunehmend Menschen mit Wald zu tun hätten, die vom Wald so gut wie nichts wüssten; noch weniger von der Waldarbeit und der Waldbewirtschaftung. Umso wichtiger seien daher Netzwerke und Partnerschaften mit kompetenten Organisationen und Dienstleistern der Branche Holz und Holz­wirtschaft, unterstreicht Sauter. Die Kooperation soll dies unterstützen. 
Den Forstlichen Zusammenschlüssen komme hier eine entscheidende Rolle zu, so Sauter weiter. Gerade weil es darum gehe, die Kleinwaldbesitzer ins Boot zu holen und letztlich für das staatliche Ziel „Zukunftsfähiger Wald“ zu gewinnen. „Ich bin froh über diese Zusammenschlüsse“, betont Sauter. Er sei auch froh über das „Ehegelöbnis“ in Form der unterzeichneten Kooperationsvereinbarung mit der FBG Oberallgäu und den beiden WBVs aus Kempten und dem Westallgäu. 

Gebündelte Kompetenz

„Alle Feinheiten der Forstwirtschaft sind bei uns vereinigt“, erläutert Johann Jordan, Erster Vorsitzender der FBG Oberallgäu. Mit rund 23 000 ha Fläche und gut 2900 Mitgliedern ist die FBG der größte Partner  im Bunde der Kooperationsvereinbarung. Aber auch hier, so Jordan zum „Knackpunkt der Geschichte“, seien noch wenige der kleinen Waldbesitzer im Boot; und die seien zugegebenermaßen schwierig „einzufangen“. Für die Praxis hinter der Vereinbarung wünscht sich Jordan, dass man das Papier nach der Unterzeichnung „in die Schubade legen und nie mehr anfassen“ müsse. Alle Beteiligten hätten ein „massives Interesse in der Geschichte voranzukommen“, so Jordan. 

Eine „gute Zusammenarbeit in der Praxis“ erkennt auch Peter Freytag, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Westallgäu. Hier zeigen sich ähnliche Strukturen: Von 4500 Waldbesitzern ist nur die Hälfte (rund 8000 ha) Mitglied der WBV Westallgäu. Die Gewinnung gerade der Kleinen gehe nur langsam voran, räumt Freytag ein. Mit 6000 ha Mitgliedsfläche in den Händen von 1700 Mitgliedern ist schließlich die Waldbesitzervereinigung Kempten der kleinste Partner, aber nicht minder schlagkräftig, wie Ignaz Einsiedler, der Erste Vorsitzende, ausführt. Die FBG und die WBV organisieren für ihre Mitglieder den Holzeinschlag und die Vermarktung – auch von kleineren Partien, die gebündelt werden müssen.

Bessere Unterstützung für Waldbesitzer

Die Kooperationsvereinbarung sieht einen weiteren Informationsaustausch genauso vor wie Abstimmung bei waldbaulichen Maßnahmen, Fortbildung der Waldbesitzer oder intensivere Netzwerksarbeit. Erklärtes Ziel ist die Unterstützung gerade der privaten Waldbesitzer, um   „die flächendeckende, nachhaltige und zukunftsweisende Bewirtschaftung aller Wälder sicherzustellen“, betont Robert Baldauf vom AELF, der die FBG und die WBV Westallgäu bereits seit längerem forstfachlich berät. Speziell denjenigen Waldbesitzern, die ihren Wald nicht selbst bewirtschaften können, wolle man mit der vereinbarte Kooperation noch bessere Unterstützung bieten.

Die letzte Entscheidung über den Umgang mit dem Privatbesitz Wald obliege nach wie vor dem Eigentümer, stellt Bereichsleiter Sauter fest. Der „Förster vom Amt“ könne zwar mit der Roten Karte kommen, etwa im Falle einer nicht sachgemäßer Bewirtschaftung einer Waldfläche, doch normalerweise führe die Beratung zu einer einvernehmlichen Lösung.