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Erfolg

Dritter Platz bei Jugend forscht

JugendForschtCedricSamuelIsa
Isabel de Placido
am Montag, 26.07.2021 - 07:27

Die beiden Lindenberger Abiturienten Samuel Fäßler und Cedric Steinert haben ein automatisches Messgerät fürs Heu entwickelt und damit die Jury überzeugt.

Samuel Fäßler und Cedric Steiert haben beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ den dritten Platz erreicht. Die beiden 18-jährigen frisch gebackenen Abiturienten haben ein Messprinzip entwickelt, mit dem Landwirte ganz einfach und unkompliziert die Temperatur im Heustock und in Heuballen überwachen können.
Ob eine brennende Scheune oder brennende Heuballen – beides sind Horrorszenarien für jeden Landwirt. Denn nicht selten bedeutet ein solcher Brand den Verlust von Haus und Hof. Zwar gilt Brandstiftung als Hauptgrund für den Ausbruch solcher Brände. Eine weitere Ursache ist die Selbstentzündung. Doch die lässt sich ganz gut durch eine regelmäßige Überwachung verhindern. In Bayern, wie in einigen anderen Bundesländern auch, ist deshalb ein solcher „vorbeugender Brandschutz“ seit wenigen Jahren sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Temperatur und Feuchtigkeit messen

Und genau hier setzen die beiden jungen Erfinder an. Sie haben ein System entwickelt, mit dem der Landwirt automatisch und ohne großen Aufwand Temperatur und Feuchtigkeit sowohl im Heustock, und damit in der Scheune, als auch in einzelnen Heuballen, messen kann. Normalerweise muss der Landwirt eine Lanze an mehreren verschiedenen Stellen in die einzelnen Heustöcke stechen und dann warten, bis die Temperatur angezeigt wird. Das ist sehr arbeitsintensiv.

„Und da kommt jetzt unsere Projektidee zum Einsatz“, sagt Samuel und zeigt auf das Modell, das die beiden im Hobbyraum der Familie Fäßler in Scheffau aufgebaut haben. Aus brusthoch aufgeschichteten Heuballen hängen allerlei Kabel. Daneben steht eine sauber gezimmerte Holzkiste mit diversen Knöpfen und Schaltern und einem technischen Konstrukt. Alles sei selbst gemacht, selbst gebaut und mit 3D-Druckern produziert, versichern die beiden. Nur die Software stamme aus dem Internet. Die Kiste sei, so erklärt Samuel, einem Heustock nachempfunden und ist, wie viele Scheunen heutzutage auch, unten, mit einem Gebläse zur Belüftung des Heus, und oben, mit einer Laufschiene für den Heukran, ausgestattet.
Während Samuel noch die manuelle Funktion der Knöpfe erklärt, die vom Notschalter zum Ausstellen der Maschine bis hin zum Rauchsensor für die Brandstiftungserkennung reichen, setzt Cedric die Maschine mittels eines Fingertippers auf seinem Tablet in Gang. Eine Lanze fährt leise summend über eine senkrecht verlaufende Achse nach unten und sticht, zumindest symbolisch, ins Heu. Wie Samuel erklärt, sitzt in deren Spitze ein Sensor, der Feuchtigkeit und Temperatur misst. Über eine waagrecht verlaufende Achse fährt die Lanze vor und zurück. Dabei geben Farbpunkte ein Raster vor für jene Stellen, an denen die Lanze ins Heu fährt. Die Laufschiene führt das Lanzenkonstrukt über die Kiste.

Ein Buzzer schlägt Alarm

Installiert in einer Scheune, hätte die Maschine binnen einer Viertelstunde den gesamten Heustock durchgemessen. Misst das Gerät eine zu hohe Feuchtigkeit, startet automatisch der Heulüfter, der sowieso in jeder Scheune vorhanden ist und mit dem Temperaturmesssystem der Jungs nur verbunden werden muss. Ist die Temperatur höher als sie sein darf, schlägt der Buzzer Alarm, die Warnleuchten blinken rot und der Landwirt wird sicherheitshalber auch noch per E-Mail benachrichtigt.

Und damit der Bauer im Fall der Fälle dann auch nicht die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen suchen muss, bekommt er sogar ganz genau angezeigt, wo es in dem großen Heuhaufen zu heiß ist. „So muss keiner mehr ewig mit der Lanze suchen gehen und die Feuerwehr kann sofort und punktgenau eingreifen“, erklärt Samuel. Im besten Fall tut die Feuerwehr dies mit einem Heuwehrgerät, im schlechtesten mit Wasser. Dann wäre zwar das Heu verloren, „aber dafür steht der Schuppen noch“, sagt Cedric, der für alles Digitale zuständig ist. Die automatische Überwachung könne, so erklärt er, sowohl manuell über ein Tablet gestartet werden, als auch automatisch und zu festgelegten Zeiten. Die Daten wiederum landen auf einer Webseite, werden dort gespeichert und können vom Landwirt von überall her eingesehen werden.
Den gleichen Sinn und Zweck, nur weitaus weniger aufwendig, erfüllt auch der zweite Teil ihrer Erfindung. Bei der Heuballentemperaturüberwachung ist es so, dass in jeden Heuballen ein Spieß mit einem Sensor eingesteckt wird, der über ein Kabel mit einer ESP-Platine verbunden ist. Auf diese Art und Weise können ab dem Zeitpunkt der Lagerung jeweils 18 Ballen angeschlossen und überwacht werden. „Hier steht die Flexibilität im Mittelpunkt. Das ist sehr wichtig, weil die Heuballen einzeln herausgenommen und eingebracht werden und nicht immer am selben Ort stehen, wie das Jahr zuvor“, schildert Samuel.

Die Freude am Erfinden

Zwei tolle Erfindungen, die den Landwirten sicherlich das Leben leichter machen würden. Das Erstaunliche dabei ist aber auch, dass weder Samuel noch Cedric aus der Landwirtschaft kommen. Nur über Verwandtschaft und Freunde seien sie mit der Thematik in Berührung gekommen. Aber eigentlich ist es die Lust und die Freude am Erfinden, die Begeisterung für Technik, die die beiden zu dieser Erfindung angetrieben hat. Wobei es nicht die erste und einzige ist. Bereits in früheren Jahren haben die beiden diverse „Projekte“, wie sie ihre Erfindungen nennen, bei „Jugend forscht“ eingereicht und auch schon gewonnen. Ein Roboter, der Crêpes macht, war dabei, ein winter- und geländetauglicher Rollstuhl ebenso wie ein autonomes Terrarium.

Ob sie mit dieser tollen Erfindung nun in die Produktion gehen? Nein, das eher nicht. „Das selber zu vermarkten ist eher unmöglich. Allein die Entwicklungskosten wären immens hoch. Es ist ein riesen Entwicklungsaufwand, der vorangetrieben werden müsste und das würden wir allein nicht schaffen“, meint Samuel und Cedric betont: „Das soll ja kein gebasteltes Projekt sein, sondern ein hundertprozentig solides.“ Nichtsdestotrotz haben die beiden einen Gewinn daraus gezogen. „Es ist immer ein Spaß, etwas sinnvolles zu entwickeln, was man brauchen kann“, versichert Samuel und erzählt, dass es allein schon eine Bereicherung sei, überhaupt an Wettbewerben teilzunehmen. Denn dort begegne man Gleichgesinnten, mit denen man sich austauschen könne. „Und man lernt Sachen, die man in der Schule nie zu sehen bekommt.“
Ihr gesamtes Wissen, das sie für ihre jeweiligen Projekte benötigen, haben sie sich immer selbst angeeignet. „Über Google, Youtube und die offiziellen Dokumentationen von den technischen Teilen und der Programmiersprache“, verrät Cedric für seinen Part. Kein Wunder also, dass die beiden studieren wollen. Das Abi haben sie am Lindenberger Gymnasium in diesem Jahr geschafft. Samuel hat schon einen dualen Studienplatz in Elektro- und Informationstechnik und Cedric einen ebensolchen in Informatik- und Gameengineering. Und das Preisgeld, das immerhin 1500 Euro beträgt, haben sie sich redlich geteilt. Was Samuel mit seiner Hälfte machen will, weiß er noch nicht. Cedric dagegen will sich davon auf jeden Fall einen „etwas teureren“ Laptop gönnen.