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Elektromobilität

Doppelt Energie tanken am Ferienhof

Anja Kersten
am Freitag, 22.04.2022 - 12:59

Am Biobergbauernhof von Franz Kinker im Ostallgäu können Gäste ihren eigenen Akku ebenso voll laden wie den ihres Autos.

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Vor drei Jahren hat Franz Kinker eine Tesla-Ladestation auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb im Ostallgäu installiert, berichtete der Landwirt bei einem „LfL-Info-Talk Ländlicher Tourismus“ zum Thema „E-Mobilität auf Bauernhöfen“. Die Ladestation kann zwar auch von anderen PKW-Modellen genutzt werden, Hausgäste mit einem Tesla aber können umsonst tanken.

Die Ladestation habe Tesla damals kostenlos geliefert, nur die Installationskosten von etwa 1000 € musste der Betrieb tragen.

Die Investition habe er damals getätigt, weil er damit als Ferienhof als Übernachtungsquartier im Navigationssystem aller Tesla-Fahrzeuge angezeigt wird, wie der im Netz gerne präsente Landwirt erzählte.

„Die Zahl der Tesla-Fahrer, die bei uns übernachtet haben, hielt sich aber in Grenzen“, gab er zu, auch weil die klassischen Tesla-Fahrer eher Ehepaare sind, als Familien mit Kindern, die üblicherweise auf seinem Ferienbauernhof übernachten.

Strom vom Dach

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Den Strom für die Ladestation gewinnt der Landwirt über eine 2021 installierte 30-kwP-PV-Anlage. Sollte die Energie nicht ausreichen, werde der Strom aus dem Netz bezogen, der zu 100 % Ökostrom der MR-Landenergie sei.

Derzeit werde der Stromverbrauch für das Aufladen nicht gezählt. „Da verlassen wir uns auf die Ehrlichkeit der Gäste“, sagt Franz Kinker. Die Abrechnung erfolge über die Schätzung der Hausgäste und zu einem Preis von 30 Cent je Kilowatt. Geplant sei jetzt aber einen Stromzähler zu installieren, auch weil der Landwirt für weitere Ladestationen sowohl für E-Autos als auch für E-Bikes einen Antrag gestellt hat.

Ladestation wird zum Kriterium

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Kinker ist überzeugt, dass in Zukunft immer mehr Gäste nach Urlaubshöfen mit Ladestationen suchen und will dafür bereits jetzt die Weichen stellen.

Dass eine Ladestation künftig ein entscheidender Punkt bei der Wahl des Ferienorts ist, sieht auch Peter Grett von der Touremo GbR: „Der Trend zu E-Mobilität wird sich, befeuert durch die Energiekrise und steigende Treibstoffkosten, fortsetzen.“

In fünf Jahren sollten rund 10 % aller Fahrzeuge elektrisch sein, in zehn Jahren 20 %, zitierte auch Dr. Peter Weißmann von der Bayern innovativ GmbH die Zielsetzung der Bundesregierung.

Doch es gebe noch weitere Gründe, seinen Gästen diesen Service anzubieten. E-Ladestationen seien ein sichtbares Zeichen des Nachhaltigkeitsanspruches des Betriebes, so Peter Grett. Weil E-Fahrzeuge keinen Lärm machen und keine Abgase ausstoßen, würden sie die lokale Umwelt- und Urlaubsqualität verbessern, zeigte er weitere Vorteile auf.

Dies sollte man dann allerdings ganz nach dem Motto „Tu Gutes und rede darüber“ auch gegenüber den Urlaubern kommunizieren, zum Beispiel auf der eigenen Webseite.

Ferienbetriebe können noch bis Ende April einen Antrag für eine finanzielle Förderung für Ladestationen stellen unter www.stmwi.bayern.de/service/foerderprogramme/sonderprogramm-tourismus