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Blühflächen

Im Donau-Ries leben die Blühpatenschaften noch

Artenvielfalt und Biodiversität schafft man nur gemeinsam: (v. r.) Das Landwirtspaar Stefan und Birgit Wiedenmann mit Sohn, Kreisobmann Karlheinz Götz, Kreisbäuerin Nicole Binger, Landrat Stefan Rößle, MdL Wolfgang Fackler und die Blühpaten.
Brigitte Auer
am Freitag, 19.08.2022 - 07:00

Der BBV Donau-Ries vermittelt im vierten Jahr Blühpatenschaften.

Hoppingen / Lks. Donau-Ries Helmut Ross muss sich nicht mehr die Frage nach einem passenden Geschenk stellen. Er verschenkt Blühpatenschaften. Und erweitert damit den Kreis derer, die sich für den Artenschutz einsetzen. Beim Pressegespräch des BBV Donau-Ries auf der Blühpatenschaftsfläche der Familie Stefan und Birgit Wiedenmann in Hoppingen wurde deutlich: Blühpatenschaften erhalten nicht nur die Artenvielfalt, sondern schaffen es, dass Landwirte und Verbraucher nicht über-, sondern miteinander reden. Und gemeinsam handeln.

Beide Seiten gewinnen durch die Blühpatenschaften: Landwirte bestellen ihre Äcker für die Blühpaten, die selbst nicht Hand anlegen oder Fläche bereitstellen müssen, und erzielen damit über Kulap-Förderung und EU-Direktzahlungen hinaus Einkünfte. Gerade für konventionelle Landwirte ist das Blühflächenpatenprogramm zudem eine Möglichkeit, sich im Naturschutz zu engagieren.

Blühpatenschaften auf 23.300 ha in Bayern

Bayernweit wurden 2022 auf 23.300 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche Blühpflanzen kultiviert, 19.300 ha davon mehrjährig. Rund 43 000 Landwirte in Bayern (mehr als 40 %) bewirtschaften als Vertragspartner im Kulap Flächen extensiv, rund 20 000 Landwirte nehmen am Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) teil. Damit werden auf jedem dritten Hektar in Bayern Klima-, Boden- und Gewässerschutz umgesetzt.

Im Landkreis Donau-Ries vermittelt die Geschäftsstelle des BBV seit vier Jahren solche Blühpatenschaften. 2022 wurden auf einer Fläche von 47 071 m² Blühpflanzen angebaut. Die Blühpatenflächen sind über den ganzen Landkreis verteilt. Spender können sich auf der Website des BBV über eine Karte den Standort ihrer Patenschaft wählen. Die größte Spende leistete die Raiffeisen-Volksbank Ries Stiftung. Sie finanzierte 25 000 m² Blühflächen mit 5000 €.

Zahl der Patenschaften ist rückläufig

Nachdem das Programm im Zuge des Bürgervolksbegehrens „Rettet die Bienen“ 2019 mit 181 Paten im Landkreis gut Fahrt aufgenommen hatte, sinkt deren Zahl seither stetig und hat sich 2022 mit 89 Paten fast halbiert. Auch wenn sich dies dank höherer Spenden noch nicht in der Fläche auswirkt: Neue Paten sind gesucht. BBV-Kreisobmann Karlheinz Götz möchte Firmen und deren Mitarbeiter dafür gewinnen, in Blühflächen zu investieren.

Die neu gewählte Kreisbäuerin Nicole Binger – selbst ausgebildete Erzieherin und engagiert bei „Landfrauen machen Schule“ – setzt auf die Schulen. Götz ist es wichtig, dass die Blühflächen mit dem Fahrrad gut erreichbar sind, so dass die Paten Kontakt zu ihrer Fläche halten können. Diese konnten über die Vegetationsperiode hin zusehen, wie sich die Pflanzen prächtig entwickelten. Wie wichtig die Blühflächen sind, werde gerade jetzt deutlich: „Normalerweise säen wir auf den abgeernteten Getreideflächen jetzt Zwischenfrüchte aus. Das geht wegen der anhaltenden Trockenheit derzeit nicht.“

An den Standort angepasste Samenmischungen

Damit auch die Tiere von den Blühflächen gewinnen, braucht es geeignete Samenmischungen. Naturschutzverbände fordern einen hohen Anteil an autochthonem Saatgut, das an die heimischen Tierarten angepasst ist. Landwirt Wiedenmann hat sich für die Blühmischung „Nektar & Deckung“ entschieden, die mit ihren zehn Arten die Anforderungen für die EU-Greening-Maßnahme Honigpflanzen erfüllt. Enthalten sind Phacelia, Sonnenblume, Perserklee, Buchweizen, Sommerwicke, Serradella, Alexandrinerklee, Lupine, Dill und Felderbse.

Die Trockenheit der letzten Wochen haben die Pflanzen gut überstanden. Die Insekten auch: Steht man im Feld, dann summt und brummt es um einen herum. Nicht jedem, so Landrat Stefan Rößle, ist es möglich, ein eigenes Grundstück zu erwerben und anzulegen. Mit dem Blühpatenprogramm des BBV Donauwörth kann jeder Bürger seine eigene Blühfläche haben. „Und alle profitieren davon.“