Produktabsatz

Direktvermarktung - auf Kurs zu klarem Ziel

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Patrizia Schallert
am Montag, 23.09.2019 - 10:57

Der Betrieb Deisenhofer setzt auf den Ausbau seiner Direktvermarktung.

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Der Verbraucher wendet sich zunehmend von den unpersönlichen Einheitswaren im Supermarkt ab und sucht die Nähe zum Erzeuger. Gefragt sind gesunde und frische Nahrungsmittel, deren Produktion und Herkunft sich nachvollziehen lassen. Dass dieser Trend eine Chance für die bäuerlichen Familien mit sich bringt, hat auch Josef Deisenhofer erkannt. Der Zusamaltheimer Landwirt will die Wirtschaftlichkeit seines Betriebs verbessern und die Direktvermarktung von Fleisch und Kartoffeln intensivieren. Einen Anfang machte er mit dem Einstieg in die Fressererzeugung, dem Ab-Hof-Verkauf von Kartoffeln und dem Aufstellen von zwei Kartoffelboxen.

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Kaum hatte der 31-jährige Landwirtschaftsmeister heuer im Juli den Hof von seinen Eltern übernommen, werkelte er schon an einer Entwicklungsstrategie. Nach und nach will er den Milchviehbetrieb mit 40 Kühen in Anbindehaltung auf die Fressererzeugung umstellen. Die ersten 40 Fresser sind schon in einem ehemaligen Stadel eingezogen, der zum Stall umgebaut wurde. Dabei legte Deisenhofer ein besonderes Augenmerk auf die gute Lüftung. Viel Eigenleistung schonte die Geldbörse.

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„In spätestens zwei Jahren soll die Milchviehherde den Hof verlassen und dann werden wir den Anbindestall ebenfalls komplett umbauen“, sagt Deisenhofer. Der nebenberufliche Maschinenring-Betriebshelfer hat aber noch weitere Ziele im Blick. Wo der Carport steht, will er ein Gebäude für eine Werkstatt errichten. In der ehemaligen Werkstatt ist ein Kartoffellager geplant. Außerdem stehen ein Kühlhaus, ein Zerlegeraum und Kooperationen mit Berufskollegen auf der To-do-Liste des Junglandwirts. „Alles auf einmal geht halt nicht.“ Eines sei ihm jedoch klar. „Wenn der Ausbau der Direktvermarktung ein Erfolg werden soll, muss auch das Ambiente rund um den Hof passen und etwas hermachen. Da reicht nicht nur ein gutes Produkt, der Kunde kauft auch mit den Augen ein.“

Konventioneller Anbau
ist auch gut

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Obwohl die Verbraucher immer öfter nach Bio-Lebensmitteln greifen, ist der ökologische Landbau für Josef Deisenhofer keine Option. „Ich respektiere meine Berufskollegen, die ökologisch wirtschaften, aber für mich und meinen Betrieb ist das kein Thema.“ Der Landwirtschaftmeister will seine Kunden überzeugen, dass die Aussage „Bio ist gut, konventionell ist schlecht“ nicht zutrifft. Auch ein konventionell wirtschaftender Betrieb könne durch den gezielten und sinnvollen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zum Umweltschutz beitragen. „Und artgerechte Tierhaltung ist auch ohne Bio-Zertifikat möglich.“
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Deshalb hat Deisenhofer die Weidehaltung für seine Mastrinder im Blick. „Ich hoffe, diese Idee lässt sich umsetzen, denn die Tiere müssen zu den Weiden transportiert werden, da wir keine arrondierten Flächen haben.“ Derzeit mästet der Landwirt nur drei bis vier Rinder jährlich. Ihr Fleisch verkauft er auf Vorbestellung ab Hof. Später soll dann nur noch ein Teil der Fresser an die EG Franken-Schwaben abgegeben werden. „Wir möchten die Wertschöpfung erhöhen, die Kälber selber mästen und das Rindfleisch ab Hof vermarkten.“ Dafür angedacht seien jene Tiere, die langsamer wachsen. Der EG will er homogene Gruppen andienen.
Derzeit erfolgt der Verkauf der Fresser noch über die EG. Die Kälber werden mit rund sieben Wochen eingestallt. Während der ersten 35 Tage erfolgt die transpondergesteuerte Fütterung mit Milch über einen Kälbertränkeautomat. Anschließend wird ihnen eine Mischung aus zugekauftem Sojaschrot als Kraftfutter, hofeigener Maissilage, Stroh und ein wenig Heu vorgelegt. Die Ration stellt Deisenhofer selbst zusammen, eine Fütterungsberatung durch den LKV hat er bislang nicht in Anspruch genommen.
Derzeit stellt Deisenhofer die weiblichen Rinder noch für die Milchproduktion nach. Nicht für die Fresseraufzucht geeignete männliche Tiere mästet er selbst oder verkauft sie an die EG Franken-Schwaben, von der er auch die aktuell im Stall stehenden Kälber für die Fresseraufzucht bezieht. Nach rund drei Monaten, wenn die Tiere ein Lebendgewicht von 200 bis 220 kg erreicht haben, werden sie wiederum über die EG an Mastbetriebe vermarktet.

Heuer erstmals auch Weidegänse

Als weiteres Betriebsstandbein hat die Familie für Martini und Weihnachten heuer erstmals 45 Weidegänse angeschafft. Bis das Federkleid der Küken vollständig ausgebildet war, wurden sie im Hof untergebracht. Jetzt tummeln sich die Gänse auf einer nahegelegenen Weide, wo sie die Nacht in einem eingestreuten, mit einer Rohrtränke bestückten Großraumkälberiglu verbringen. Für ein optimales Mastergebnis werden zusätzlich zum frischen Gras gekochte Kartoffeln, Haferschrot, Körnermais und Weizen vorgelegt. Die Schlachtung erfolgt bei einem Berufskollegen. Von dort liefert Deisenhofer die vorbestellten Weidegänse direkt an seine Kunden. „Sobald wir unser eigenes Kühlhaus haben, soll die Abholung ab Hof erfolgen.“
Bereits drei Jahre vor der Betriebsübernahme hat der Junglandwirt den ersten Schritt zur Direktvermarktung eingeleitet und ein halbes Hektar Speisekartoffeln angebaut. Heuer hat der die Fläche auf 1 ha erweitert und zusätzlich auf 3 ha Stärkekartoffeln für die Südstärke in Schrobenhausen angebaut. Weil der Kartoffelverkauf gut läuft, will Deisenhofer nächstes Jahr die Kartoffelanbauflächen verdoppeln. „Wenn wir das Milchvieh verkauft haben, möchte ich die Maisproduktion zugunsten der Kartoffeln zurückfahren.“
Bei den Speisekartoffeln hat sich Deisenhofer für die frühe, mehligkochende Sorte „Gunda“ entschieden. Mit „Alexandra“ bedient er das Segment der sehr frühen, festkochenden Kartoffeln. Die mittelfrühe, festkochende Sorte „Bernina“ liefert wiederum gute Knollenerträge und ist sehr lagerfähig. Mit den „Bamberger Hörnchen“ hat der Landwirt eine alte Sorte angebaut. Mit ihr als Alleinstellungsmerkmal des Betriebs will er die Kunden anlocken. Auch wenn die „Bamberger Hörnchen“ händisch geerntet werden müssen – mit ihnen hat Deisenhofer offenbar den Geschmack der Kunden getroffen, wie die Verkaufszahlen belegen.

Kartoffelbox: Diebstahl ein Problem

Weil dem Betrieb ein Hofladen noch fehlt, werden die Kartoffeln auch im Hofladen der Familie Deisenhofer in Gottmannshofen angeboten. Außerdem hat sich der Landwirtschaftsmeister für das Aufstellen von zwei Kartoffelboxen zur Selbstbedienung entschieden. Ihnen können die Kunden mit Kartoffeln gefüllte Netze mit 2,5 oder 5 kg entnehmen und das Geld in eine Kasse legen. Während bei der Box in Altenmünster auf dem Grundstück eines Berufskollegen „alles super“ läuft, hatte Deisenhofer mit der anderen Box in Wertingen am Rand einer Autowaschanlage seine liebe Not. „Ständig wurden die Kartoffeln geklaut. Je mehr in der Box waren, umso mehr haben gefehlt und das Geld natürlich auch.“ Ärgerlich war das vor allem, weil es sich um die Frühkartoffelsorte „Alexandra“ gehandelt hat, deren Anbau recht arbeitsintensiv sei. „Weil diese Kartoffeln eine dünne Schale haben, können wir sie nicht mit dem Roder ernten, sondern müssen sie von Hand klauben.“ Schließlich wurde es dem Landwirt zu bunt. Er hat die Box abgebaut und in Laugna wieder aufgestellt. Ganz glücklich sei er mit dem Standort noch nicht, aber vielleicht finde sich ja noch ein besserer.

  • Der Betrieb Deisenhofer setzt auf die Direktvermarktung von Fleisch und Kartoffeln.
  • Langfristig wird von Milch- auf Fressererzeugung umgestellt.
  • Der Maisanbau soll zugunsten von Kartoffeln zurückgefahren werden.
  • Heuer werden erstmals Weidegänse gehalten.

Betriebsspiegel

  • Familie: Josef (31, Landwirtschaftsmeister), Josef senior (55, LW-Meister), Andrea (55, Hauswirtschaftsleiterin).
  • Flächen: 12 ha Grünland, 50 ha Ackerflächen mit Anbau von Weizen, Gerste, Mais, Raps und Kartoffeln, 3 ha Mischwald.
  • Vieh: 40 Fleckviehmilchkühe, 40 Fleckviehfresser, 45 Weidegänse.
  • Milch: durchschnittliche Jahresleistung 8000 kg, Lieferung an die Molkerei Gropper.
  • Vermarktung: Direktvermarktung der Kartoffeln ab Hof und in zwei Kartoffelboxen in Laugna und Altenmünster, Weidegänse und Rindfleisch auf Vorbestellung.
  • Besonderheiten: Sukzessiver Umstieg von der Milchproduktion auf Fresseraufzucht, Ausbau der Direktvermarktung von Kartoffeln, Rindfleisch und Weidegänsen.