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Ammoniumdepot

Cultan: Neue Wege in der Düngung

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Isabella Kubeth de Placido
am Dienstag, 11.08.2020 - 09:08

Beim Cultan-Verfahren wird die Kulturpflanze ammoniumbetont durch ein Düngerdepot im Boden mit Stickstoff versorgt.

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Düngen einmal anders. Auf dem diesjährigen Feldtag des Maschinen- und Betriebshilfering Lindau haben gut 80 Landwirte aus dem ganzen Landkreis Lindau die Cultan-Düngung kennengelernt: eine in der Region bisher noch eher selten angewandte Düngevariante, bei der die kontrollierte Ammoniumdüngung direkt an der Wurzel der Pflanze erfolgt. Der Begriff beruht auf den Anfangsbuchstaben der Bezeichnung controlled uptake long term ammonium nutrition. Gastgeber waren drei Betriebe aus Isny, die seit geraumer Zeit diese alternative Düngetechnik anwenden und anbieten.

Die Düngeverordnung mit ihren immer neuen Regelungen macht ein Umdenken bei den Landwirten und damit das Beschreiten neuer Wege notwendig. Davon ist Adrian Dillmann überzeugt. Deshalb hat der Geschäftsführer des Maschinenrings Lindau den diesjährigen Feldtag dem Thema „Cultan-Düngung“ gewidmet und die Mitglieder nach Isny eingeladen.

„Entwicklerstube“ der alternativen Düngung

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Abgesehen davon, dass Dillmann diese Düngevariante für „die Lösung“ hält, ist Isny quasi die Entwicklerstube dieser alternativen Düngemethode in der Region. Immerhin haben sich hier jene drei Betriebe zusammengetan, die sich seit Jahren intensiv mit dem Thema beschäftigt und in der Praxis angewandt haben, um mehrere Vorteile miteinander zu verbinden.

Zum einen begegnet die Landwirtschaft mit dieser Düngevariante nicht nur der aktuellen Düngeverordnung, wonach nur noch 170 kg Stickstoff aus organischem Dünger auf einem Hektar Fläche ausgebracht werden darf. Zum anderen erfüllt sie die zukünftige Aufgabe, nach der die Ausbringung von Gülle bodennah sein muss, um Ausgasungen des Stickstoffs in die Luft zu vermindern. Zudem wird Ammonium-Stickstoff an Bodenpartikel gebunden und ist damit wenig von Auswaschung betroffen. Erst über die Nitrifikation, also über die Umwandlung in Nitrat, setzt dann dieser Effekt ein.

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Auf dem Feldtag sollten die rund 80 teilnehmenden Landwirte noch weitere Vorteile der Cultan-Düngung erfahren. Ein Feldtag übrigens, bei dem nicht so sehr die Maschinen im Mittelpunkt standen, dafür aber umso mehr die Information.

Nicht umsonst hatte Dillmann mit dem Landwirt Klaus Halder, der Maier GbR und dem Lohnunternehmen Bernd Böck drei Experten auf dem Gebiet der Cultan-Düngung eingeladen. Während Halder seit drei Jahren für Gregor und Clemens Maier die Cultan-Düngung mit Ammoniumsulfatlösung (ASL) in Kombination mit Gülle auf seinen Flächen anwendet und die Versuche dokumentiert, stellen die Brüder Maier in ihrer Biogasanlage ASL-Dünger her. Zusammen mit Halder und den Maiers bildet Böck wiederum eine Maschinengemeinschaft, die die teuren Cultan-Geräte besitzt und fährt.

Gülle vorne rein und ASL-Lösung hinten raus

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Allen Dreien ist gemein, dass sie zusammen an der Lösung jenes Problems arbeiten, das die Viehwirtschaft jetzt schon betrifft und auch in Zukunft weiterhin umtreiben wird. „Wir produzieren auf dem Hof Dünger, den wir eigentlich wegfahren müssten. Das gilt es zu verhindern“, brachte es Böck auf den Punkt und übergab das Wort an Klaus Halder.

Auf seiner Wiese am Ortsrand von Isny hatte der Landwirt einige der Maschinen aufgestellt, die er braucht, um die Cultan-Düngung vorzunehmen. Darunter befand sich auch eine Maschine „Marke Eigenbau“, die er mit einem ehemaligen Milchtank aus Edelstahl und einer speziellen Spritztechnik ausgestattet hat. Sie macht es ihm möglich, Gülle und ASL-Lösung getrennt voneinander auszubringen. „Die Gülle läuft vorne rein und die ASL-Düngelösung läuft hinten raus.“ Diese Methode sei notwendig, um der Gesetzeslage zu entsprechen, wie Halder erklärte.

Diverse Versuche mit unterschiedlichen Düngern

Weiter berichtete er seinen Kollegen über diverse Versuche mit unterschiedlichen Düngern und Ausbringtechniken. Bisher hat Halder jedoch die besten Erfahrungen mit der Gülle-ASL-Düngung gemacht. „Die Erträge passen wirklich super und von den Kosten her ist diese Düngung einigermaßen erschwinglich“, sagte er. „Für meinen Betrieb ist es das optimale System.“ Als weiteren Vorteil dieser Düngemethode sah er die gesellschaftliche Akzeptanz, sei doch die Geruchsbelästigung weitaus geringer als bisher.

Noch mehr Technik und diese obendrein in voller Aktion bekamen die Teilnehmer zehn Kilometer weiter, auf dem Heslerhof der Maier GbR in Sommersbach zu sehen. Auf einer großen Wiesenfläche fuhr eine handelsübliche Cultan-Maschine, die genau das vorführte, was Adrian Dillmann anfangs angekündigt hatte: „Cultan ist kontrollierte Ammoniumdüngung, bei der es um Depotdüngung geht und darum, nicht der Pflanze etwas ins Maul zu düngen. Statt dessen muss es sich die Pflanze holen.“

Auf Depot und für zwei Schnitte gedüngt

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Mit Hilfe eines 12 m langen Injektors werden Gülle und Dünger nämlich in den Boden an die Wurzeln, injiziert. „Damit ist gewährleistet, dass der Dünger immer an der Pflanze ist“, erklärte Bernd Böck. Ein weiterer Vorteil sei, dass auf Depot und damit für zwei Schnitte gedüngt wird. Die Technik ist digital. Jeder Schlepper, an dem die Spritzmaschine hängt, muss mit einem Tablet ausgestattet sein und der Anhänger mit einem Sensor. Dadurch ist nicht nur eine punktgenaue und exakte Düngung möglich, sondern auch eine Aussage, wieviel Kilo Stickstoff in den Boden ausgebracht wurden. Zudem erkennen die Sensoren, wo schon einmal gedüngt wurde, und verhindern eine Doppeldüngung.

Bei einem Preis von 190.000 € allein für den Injektor wurde den Landwirten schnell klar, dass sich diese Art der Düngung nur im Verbund oder mit Hilfe von Lohnunternehmen praktizieren lässt und vordergründig nicht ganz billig ist. „Aber wir haben noch nie so viele Erträge weggefahren wie in den den letzten Jahren“, bestätigt Clemens Maier. Als weitere Vorteile der ASL-Düngung zählt er weniger Rost auf dem Gras auf, weniger Mäuse in der Wiese und hohe Eiweißgehalte im Grünland.

ASL aus eigener Gülle gewonnen

Ein weiterer interessanter Aspekt des ASL-Düngers ist, dass er aus Gülle gewonnen wird und damit aus jenem Stoff, den die Landwirte im Überfluss haben und der ihnen deshalb zum Problem geworden ist. Wie, das erfuhren die Teilnehmer von Clemens Maier, der zusammen mit seinem Bruder seit 1999 eine Biogasanlage betreibt und als „Biogastechnik Süd“ verschiedene Produkte entwickelt hat. So bereitet eine spezielle Verdampfungsanlage die Gärreste der Biogasanlage soweit auf, dass ein nutzfähiger, konzentrierter Dünger entsteht.

Und damit schließt sich der Kreis, wie sich aus dem Bericht von Stefan Fuchs aus Eglofs schließen lässt. Der junge Landwirt erklärte, dass er mit der Aufbereitung der eigenen Gülle zu ASL sowie der Düngung seiner Flächen mit ASL bereits auf dem besten Wege ist zum Selbstversorger. So erreicht er sein Ziel, in Zukunft seine 120 Kühe aus der eigenen Fläche voll umfänglich zu versorgen.