Schwaben

Corona drückt die Preise

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Michael Ammich
am Montag, 05.10.2020 - 11:47

Ohne Landwirtschaft kein Essen, ohne bayerische Bauern keine regionale Versorgung. Darauf macht der „Essen aus Bayern“-Schlepper aufmerksam. Zuletzt am Gemüsebaubetrieb der Familie Hopf in Gundelfingen.

Höchste Qualität will jeder, aber dafür zahlen wollen nur wenige. Damit sich das ändert und die Verbraucher den wahren Wert der heimischen Lebensmittel erkennen, hat der Bayerische Bauernverband eine Schlepper-Aktion gestartet. Nach und nach wird ein mit Motiven zum Thema „Essen aus Bayern“ bemalter Traktor in den schwäbischen Landkreisen auf ausgewählten Betrieben Station machen und für den Konsum regionaler Produkte werben. Im Kreis Dillingen hielt der bunte Schlepper auf dem Gemüsebaubetrieb der Familie Hopf in Gundelfingen.

Das Vertrauen der Verbraucher in die Landwirtschaft stärken

Nachdem Ludwig Kraus, Referent für Dienstleistungen und Beratung im Münchner BBV-Generalsekratariat, den Essen-aus-Bayern-Schlepper im Hof des Gemüsebaubetriebs Hopf abgestellt hatte, machte Klaus Beyrer den Sinn der Aktion deutlich. „Wir wollen das Vertrauen der Verbraucher in die Landwirtschaft stärken“, sagte der Kreisobmann. Wie die gesamte bayerische Landwirtschaft müsse sich auch die Familie Hopf im internationalen Wettbewerb behaupten. Dennoch dürfe im traditionellen Gemüsebaugebiet rund um Gundelfingen auch der regionale Markt nicht vernachlässigt werden.

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Qualität aus Bayern sei im Übrigen weit über die Landesgrenzen hinaus ein Begriff, betonte Beyrer. Und dieser Begriff sei untrennbar mit der Produktion nach der guten fachlichen Praxis verbunden. Allerdings gelte es dabei nicht nur den Umwelt- und Tierschutz zu bedenken, sondern auch das Einkommen, das die bäuerlichen Familien erwirtschaften müssen. Für sie ist es selbstverständlich, bei der Arbeit im Stall und auf dem Feld stets die Nachhaltigkeit im Blick zu haben, versicherte der Kreisobmann.

„Die Landmaschinenindustrie und die Landwirtschaft sitzen in einem Boot“, betonte auch Klaus Schöber, Vertriebsleiter bei Deutz-Fahr. „Dabei ist es wichtig, dass wir alle in dieselbe Richtung rudern.“ Eine gute Qualität aus Bayern laute das Ziel. Die Coronakrise habe gezeigt, wie schnell auch in der Landwirtschaft Lieferketten abreißen können. Umso mehr gelte es die bäuerliche Landwirtschaft in Bayern zu erhalten. Eine Voraussetzung dafür sei, so Schöber, dass die Verbraucher umdenken und wieder mehr Produkte aus der Region kaufen.

Es müsse gelingen, regionale Erzeugnisse in die Supermärkte der Region zu bringen, sagte Kreisbäuerin Annett Jung. Die Schlepper-Aktion solle für eine positive Außenwirkung sorgen. Jeder schwäbische BBV-Kreisverband habe sich dafür überlegt, welche Seite der Landwirtschaft er in das rechte Licht rücken will. Im Kreis Dillingen sei die Wahl auf einen typischen bäuerlichen Gemüsebau-Familienbetrieb gefallen.

Der Verbraucher entscheidet, woher das Gemüse kommt

Die Welle der Regionalität in den vergangenen Jahren habe den Gemüsebauern auch preislich sehr gut getan, bestätigte der Geschäftsführer der Gartenbauzentrale Main-Donau in Gundelfingen, Werner Hopf. Letztlich liege es jedoch weniger in der Hand der Verbraucher, woher das Gemüse in den Supermärkten kommt, sondern viel mehr in der Hand des Lebensmitteleinzelhandels. Dessen Kunden sollte wiederum bewusst sein, dass ein deutsches Produkt „mindestens so hochwertig ist wie ein Bioprodukt von irgendwoher“. Hier erkannte Kreisobmann Beyrer einen klaren Widerspruch im politischen Handeln: „Regionalität und immer weitere Freihandelsabkommen sind kaum miteinander vereinbar. Die Politik zielt vor allem darauf ab, dass Nahrungsmittel möglichst billig bleiben.“

Davon kann auch die Familie Hopf ein Lied singen. Gerade einmal durchschnittlich 15 ct erhält sie vom Großabnehmer für das Stück Kopfsalat. Im Winter liegt der Salat dann oft für 1,49 € im Supermarktregal.

30 Gemüsesorten auf 40 Hektar

Gärtnermeister Josef Hopf und seine Frau Claudia, eine Hauswirtschaftsmeisterin, bewirtschaften rund um Gundelfingen 70 ha Land. Auf 40 ha wachsen insgesamt 30 Gemüsesorten, auf 2,5 ha Kartoffeln, der Rest besteht aus Getreidekulturen. Der Großteil ihres Gemüses geht an eine Erzeugergemeinschaft an, die es an die Gartenbauzentrale Main-Donau vermarktet. Von dort wird wiederum der Lebensmitteleinzelhandel bedient. Besser als im Großhandel sind die Preise freilich im Hofladen, den Claudia und Josef Hopf zu einem modernen, ansprechenden Gemüsegeschäft ausgebaut haben.

Seit mehr als 50 Jahren vermarktet die Familie ihr Gemüse auch direkt ab Hof, zuletzt etwa zu einem Anteil von 10 %. „Das ist heute ein Cent-Geschäft“, bedauert Josef Hopf. Angemessene Preise kann er imgrunde nur über die Direktvermarktung erzielen. Seit der Coronakrise ist die Zahl der Kunden im Hofladen gewachsen, hat Claudia Hopf festgestellt. Insgesamt aber sorgte Corona dafür, dass die Preise aufgrund fehlender Abnehmer spürbar gesunken sind.

Immer mehr Hacke per Hand

Sorgen bereitet dem Betriebsleiter auch die immer geringere Zahl der Wirkstoffe, die den Gemüsebauern im Pflanzenschutz zur Verfügung stehen. „Das ist ein großes Problem, weil wir umso mehr auf das händische Hacken ausweichen müssen.“ Sechs polnische Saisonarbeitskräfte helfen hier mit. Das maschinelle Hacken der Gemüsekulturen kommt vielfach nicht infrage, weil jede Kultur ihre eigenen Reihenabstände hat. Außerdem werden einzelne Kulturen immer wieder nachgepflanzt, so dass sich auf den wenigen Quadratmetern der Einsatz der Maschinenhacke nicht lohnt. Oft bleibt nur das grobe Hacken mit dem Gänsefuß-Hackschar, dem dann noch das händische Hacken folgen muss.

Auch der Klimawandel hinterlässt auf den Gundelfinger Gemüsefeldern seine Spuren. In den zunehmenden Trocken- und Hitzephasen müssen die empfindlichen Gemüsepflanzen bewässert werden. „Wir bräuchten noch mehr Brunnen für die Beregnung“, erklärt Josef Hopf. Aber die Genehmigung neuer Brunnen wird immer schwieriger, ein Verfahren läuft derzeit. Andererseits ist die Beregnung auch ein erheblicher Kostenfaktor im Gemüsebau. Mehrere tausend Euro muss sein Betrieb dafür jährlich aufwenden, so Hopf. „Aber die Beregnung ist notwendig, wenn wir die Qualität unseres Gemüses halten wollen.“