Werbeaktion

Bunter Botschafter für Zuckerrüben

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Michael Ammich
am Donnerstag, 24.06.2021 - 12:27

Die Werbetour des BBV für „Essen aus Bayern“ startet in Baumgarten auf einem Zuckerrübenacker. Hier werden die süßen Rüben schon seit mehr als 60 Jahren angebaut.

Aislingen und Lauingen/Lks. Dillingen Zucker steht zwar bei Medizinern und Ernährungswissenschaftlern nicht gerade oben auf der Liste der gesunden Lebensmittel, aber wenn es schon Zucker sein soll, dann wenigstens aus Bayern. So fand der Auftakt der diesjährigen Schleppertour „Essen aus Bayern“ in Baumgarten auf einem Zuckerrübenacker des Dillinger Kreisobmanns Klaus Beyrer statt. Auf seinem Betrieb werden die süßen Rüben schon seit mehr als 60 Jahren angebaut. „Sie haben gute Eigenschaften für unsere Umwelt“, betonte Beyrer und verwies sowohl auf die enormen Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid, die von einem Rübenfeld gebunden werden, als auch auf den vielen Sauerstoff, den es produziert.

BBV-Bezirksgeschäftsführer Markus Müller freute sich, dass der Landmaschinenhersteller Deutz-Fahr auch heuer wieder einen bunt bemalten Schlepper für die Werbeaktion „Essen aus Bayern“ zur Verfügung stellte. Für BBV-Bezirkspräsident Alfred Enderle ist der bunte Schlepper ein idealer Botschafter für die Vielfalt der bayerischen Landwirtschaft und der von ihr erzeugten Lebensmittel. Die Coronakrise habe die Bedeutung einer regionalen Versorgung aufgezeigt, sagte Enderle. Regional bedeute auch kurze Transportwege und den Erhalt von Arbeitsplätzen – nicht nur in der Landwirtschaft, sondern in der gesamten heimatlichen Wirtschaft.

Ein unschlagbarer Vorteil

„Die Zuckerrübe gehört im Landkreis Dillingen zu den tragenden Früchten auf den Ackerbaubetrieben“, erklärte Kreisobmann Beyrer. Nach dem Auslaufen der EU-Zuckermarktordnung sei die Rübe jedoch vollständig dem Weltmarkt unterworfen und müsse sich gegen die Konkurrenz des Rohrzuckers behaupten. Dabei habe die heimische Rübe einen unschlagbaren Vorteil: Ihr Anbau sei weder mit Brandrodung noch mit der Ausbeutung von Landarbeitern und auch nicht mit Korruption verbunden, sondern geschehe nachhaltig unter den Regeln der guten fachlichen Praxis. Europaweit, so Beyrer, sei Deutschland im Zuckerrübenanbau hinter Frankreich die Nummer Zwei.

Der Kreisobmann hob die guten Eigenschaften der „Königin der Ackerfrüchte“ hervor. So lassen sich auf einem Hektar Rübenacker rund 90 t Zuckerrüben und 14,5 t Zucker erzeugen. Außerdem bindet dieser Hektar 35 t Kohlendioxid und setzt 26 t Sauerstoff frei – genug, damit 58 Menschen ein ganzes Jahr lang atmen können. Darüber hinaus eigne sich die Zuckerrübe auch für die Vergärung in Biogasanlagen und zur Herstellung von Bioethanol. Von Letzterem lassen sich auf einem Hektar Rüben rund 7000 l gewinnen. Zugleich entstehen dabei als Nebenprodukt große Mengen hochwertiges Eiweißfutter.
Im Kreis Dillingen werden auf einer Fläche von insgesamt 3000 ha Zuckerrüben angebaut, in der Zuckerfabrik in Rain jährlich rund 250 000 t Zucker produziert.
„Zucker findet sich in jedem Haushalt“, betonte Kreisbäuerin Annett Jung. „Er steht für Genuss, für Haltbarkeit bei der Konservierung von Früchten, wird für die Tierfütterung eingesetzt und liefert Substrat für Biogasanlagen und Energie durch die Ethanolproduktion.“ Jung bat die Bevölkerung schon jetzt um Verständnis, wenn ab Herbst wieder die großen Erntemaschinen, Verladegeräte und Rübentransport-Lkw auf den Straßen unterwegs sind. „Als Entschädigung dafür gibt es Zucker aus der Region.“

Vom Betrieb Beyrer fuhr der Essen-aus-Bayern-Schlepper weiter zum Biobetrieb von Michael Kleinle in Lauingen. Auch er produziert Zuckerrüben. Von den zwei Betrieben, die die Familie Kleinle bewirtschaftet, hat sie einen auf ökologischen Landbau umgestellt und dem Biokreis-Anbauverband angeschlossen. Auf drei der 45 ha Biofelder wachsen Zuckerrüben. Allerdings kämpft Kleinle mit einem Problem, das vielen Biorübenanbauern zu schaffen macht, nämlich mit der Gewinnung und Bezahlung von Arbeitskräften für das intensive händische Hacken. Dafür steht dem Landwirt ein „motivierter Trupp“ von rumänischen Feldarbeitern zur Verfügung.

„Ich habe bereits einen Antrag auf Förderung eines Hackroboters gestellt und der Antrag wurde auch sofort genehmigt“, sagte Kleinle. „Aber bis jetzt habe ich ihn nicht gekauft, weil ein solcher Roboter für das saubere Arbeiten ein ganz feines Saatbett benötigt“, das heißt einen ebenen Boden ohne Steine und Ernterückstände. Bei Zwischenfrüchten als Vorfrucht der Rübe und nach dem Mulchen wird der Einsatz eines Roboters also schwierig. Außerdem sei ein Hackroboter erst ab einer Einsatzfläche von rund zehn Hektar wirtschaftlich günstiger als der Lohn für Arbeitskräfte, die händisch hacken.

Biorüben sind anspruchsvoll

Der Anbau von Biorüben sei sehr anspruchsvoll, so Kleinle. In ihrer jungen Entwicklungsphase gelte es den Acker möglichst unkrautfrei zu halten: „Da muss man schon öfter mit der Handhacke durch die Reihen gehen als im konventionellen Rübenanbau.“ Heuer werde es besonders spannend, weil aufgrund der kühlen Frühjahrswitterung das Unkraut wächst, die Rübe aber nicht, erklärte der Landwirt. Außerdem gebe es für Biorüben weniger Möglichkeiten der Krankheitsbekämpfung.

Der konventionelle Landwirt erhalte derzeit rund 3 € für die Dezitonne Zuckerrüben, sein biologisch wirtschaftender Berufskollege dürfe sich über 10,50 € freuen, erläuterte Kleinle. Freilich beläuft sich der Hektarertrag bei Biorüben auf 10 bis 30 t weniger als bei konventionellen Rüben. Seit 25 Jahren betreibt die Familie Kleinle eine Direktvermarktung, seit einigen Jahren auch einen Hofladen. „Der Verbraucher will wissen, wo ein Produkt herkommt und wie es erzeugt wird und er will, dass es gut schmeckt.“ Diese Ansprüche haben die Konsumenten zu regionalen Erzeugnissen geführt, ist Kleinle überzeugt. Deshalb freut sich auch der Lauinger Biobauer über die Schlepperaktion des BBV. „Das ist eine gute Werbung für die Vielfalt unserer heimischen Landwirtschaft.“