Rinderhaltung

Bullenmast: Kosten gestiegen, Erlöse gesunken

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Michael Ammich
am Freitag, 06.03.2020 - 08:46

Die schwäbischen Bullenmäster kämpfen mit schwierigen Rahmenbedingungen.

Gottmannshofen/Lks. Dillingen Volksbegehren, Düngeverordnung, Blauzungenkrankheit, Afrikanische Schweinepest – was soll denn noch alles auf die Landwirtschaft niederprasseln, fragte sich der Vorsitzende des Rindermastrings, August Drexler bei der Jahresversammlung in Gottmannshofen. Doch bei allem Ärger und Verdruss über die bedrohlichen Rahmenbedingungen sollten die bäuerlichen Familien ihre Betriebszahlen nicht aus den Augen verlieren und vorhandene Schwachpunkte abstellen. Genau hierbei unterstütze der Rindermastring die schwäbischen Bullenmäster.

Rückläufiger Verdienst

Klaus Zimmerer, Leiter des Fachzentrums Rindermast am AELF Erding mit Dienstsitz am AELF Wertingen, ließ die Statistik sprechen. Im Wirtschaftsjahr 2018/19 nahmen 183 Ringbetriebe mit insgesamt 20 826 Mastbullen an der Leistungsprüfung teil. Der durchschnittliche Bullenbestand belief sich auf 113,8 Tiere je Betrieb. Das seien zwar stabile Verhältnisse, aber die Bereitschaft der Mäster zur Teilnahme an der Leistungsprüfung sei zurückgegangen.

Pro Mastplatz und Jahr sank der Deckungsbeitrag bei der Kälbermast gegenüber dem Vorjahr um 87 auf nurmehr 241 €, bei der Fressermast um 130 auf 176 € und in der Absetzermast um 126 auf 212 €. „Ein schwaches Jahr“, stellte Zimmerer ernüchtert fest. „Die Kosten sind gestiegen, die Erlöse gesunken.“
Dabei gaben sich viele Mäster alle Mühe, ihre Gewinne durch ein optimales Management zu halten. So stiegen bei der Mast an Kalb die täglichen Zunahmen im Mittel um 11 auf 1317 g und bei der Mast ab Fresser um 30 auf 1334 g. Erst ab einem Deckungsbeitrag von 387 € pro Platz und Jahr lasse sich in der Fressermast ein echter Unternehmergewinn erzielen, sagte Zimmerer.

Wird zu wenig verdient, bleibt nur der Ausstieg

Mit den aktuellen Deckungsbeiträgen, die sich weit unter dieser Marke bewegen, könne ein Mäster nicht lange weitermachen. Einige haben die Konsequenzen gezogen, was der Rückgang des bayerischen Bullenbestands um 4800 Tiere im Jahr 2019 belegt. Zum erfolgreichen Wirtschaften gehört ein Mindestpreis von 4 bis 4,10 €/kg Schlachtgewicht. Im vergangenen Jahr lag das Preismittel bei den U3-Jungbullen jedoch bei 3,76 €.

Die Auswertung der Ringdaten zeigt, dass das untere Viertel der Betriebe bei der Kälbermast mit einem durchschnittlichen Deckungsbeitrag pro Platz von 144 €, bei der Fressermast von 82 € und bei der Absetzermast von 105 € Vorlieb nehmen musste. Anders im oberen Viertel der Betriebe. Dort wurde in der Kälbermast ein Deckungsbeitrag von 320 €, in der Fressermast von 292 € und in der Absetzermast von 371 € erzielt.
Es ist durchaus nachvollziehbar, dass in der aktuellen wirtschaftlichen Lage kaum ein Rindermäster an einen Stallneubau denkt. Dazu kommt noch die Unsicherheit, wie denn nun ein Stall auszusehen hat, der die mitunter stark voneinander abweichenden Anforderungen der Politik, der Experten und der Tierschützer erfüllen soll. „Die Rindermäster brauchen eine verlässliche Leitlinie“, betonte Zimmerer. „Aber derzeit befinden sie sich im luftleeren Raum.“

Große Unkenntnis in der Bevölkerung

Die Menschen wissen mangels Kenntnis der modernen Landwirtschaft nicht, was ein Freihandelsabkommen für den Landwirt vor Ort bedeutet, leitete Isabella Timm-Guri ihren Vortrag ein. Das besonders von der Bundesregierung angepeilte Abkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay berge jede Menge Zündstoff. Es sei zwar bereits ausgehandelt, aber noch lange nicht beschlossen. Österreich habe sich bereits dagegen ausgesprochen, Frankreich und Irland sähen es sehr kritisch und Belgien habe ebenfalls seine Ablehnung signalisiert.

Keineswegs nur Peanuts

Kommt das Freihandelsabkommen wie geplant, dann würde den vier Mercosur-Staaten ein zusätzliches zollreduziertes Einfuhrkontingent von 99 000 t Rindfleisch gestattet. Im Gegenzug wollen die Mercosur-Staaten die Zölle auf Autos, Maschinen und Elektrogeräte aus der EU senken. Die Zusatzimportquote entspreche zwar lediglich 1,2 % des EU-weiten Rindfleischverbrauchs, aber schon jetzt stammen 80 % - das sind 200 000 t – des EU-Imports aus den Mercosur-Staaten. „Würden sich dazu weitere 99 000 t gesellen, wären das keineswegs Peanuts“, sagte Timm-Guri. Vor allem in Brasilien gebe es außerdem erhebliche Produktionsreserven.
Die BBV-Direktorin erinnerte an die Wettbewerbsverzerrungen, die sich aus den unterschiedlichen Produktionsstandards in der EU und den Mercosur-Staaten ergeben. Doch die geringeren Standards in diesen Ländern scheinen für die deutsche und europäische Politik plötzlich keine Rolle mehr zu spielen. Der Bauernverband jedenfalls fordere entweder die Nachbesserung oder die Ablehnung des Abkommens: „Nein zum Kuhhandel Agrarpolitik gegen Autos und Nein zur Doppelmoral bei den Produktionsstandards.“ Bei den deutschen Verbrauchern gilt Rindfleisch aus Brasilien und Argentinien offenbar als High-end-Produkt, stellte Timm-Guri fest. „Es kommt also darauf an, dass wir diese Herkünfte entzaubern.“

Großbritannien ist wichtiger Abnehmer

Sorgen bereite auch der Brexit, schließlich ist Großbritannien ein bedeutender Netto-Importeur von Agrarprodukten. So werden 30 % des britischen Rindfleischverbrauchs über Einfuhren abgedeckt, der Selbstversorgungsgrad auf der Insel liege bei nur 60 %. Zwar brauchen die Briten auch künftig Rindfleisch, doch liege hier Irland näher als der Kontinent.

Ob nach dem Brexit, wie geplant, bis Ende 2020 ein Handelsabkommen mit der EU zustandekommt, sei fraglich. Bei einem weichen Brexit sind Timm-Guri zufolge Störungen durch Kontrollen und Bürokratie zu erwarten. Bei einem harten Brexit könnte es jedoch zu Zöllen auf EU-Waren kommen, so dass sich die Importchancen von Drittländern erhöhen.
Als Geschäftsführer der EG Franken-Schwaben ging Burkhard Hock auf den Rindfleischmarkt ein. Seit 2018 geht die Produktion in der EU leicht zurück. Das entspricht dem sinkenden Verbrauch. Dieser lag 1995 EU-weit noch bei 20,0 kg, im vergangenen Jahr aber nur noch bei 14,8 kg pro Kopf. Nicht viel anders in Deutschland: Hier ging der Verbrauch im selben Zeitraum von 16,7 auf 15,3 kg zurück.

Konzentration in der deutschen Schlachtindustrie

Die Konzentration in der deutschen Schlachtindustrie mache die Preisverhandlungen nicht einfacher. So bewegte sich der Preis für das Kilogramm Schlachtgewicht bei den U3-Jungbullen Anfang Februar 2020 bei nurmehr 3,70 €. Möglicherweise bringt hier der kommende Sommer, wenn weniger Rinder auf den Markt kommen und die Schlachtgewichte sinken, eine kleine Trendwende. Der Weltmarktpreis beläuft sich derzeit auf rund 3 €/kg, auch in der EU herrscht ein starker Wettbewerb.

Die Ringmitglieder wählten einen neuen Ausschuss. In den Ausschuss berufen wurden Martin Dörle (Deubach), August Drexler (Steindorf), Josef Failer (Sielenbach), Armin Frank (Holzheim), Rainer Häußler (Binswangen) und Thomas Wiedemann (Harburg). Zum Vorsitzenden wählte der Ausschuss erneut August Drexler, zu seinem Stellvertreter Martin Dörle und als weiteres Vorstandsmitglied Josef Failer.