Marktlage

Mit Bullenmast Geld verdienen

Herz-Fuetterungsautomat
Brigitte Früh
am Montag, 24.06.2019 - 07:35

Der Betrieb Herz in Niederrieden-Weiler mästet schon seit 1980 Bullen. Alleiniger Vermarktungspartner ist mittlerweile die Erzeugergemeinschaft Schlachtvieh Allgäu w.V. Jetzt hat die Familie in einen neuen Bullenmaststall investiert.

Herz-Familie

Ganz aufhören oder weitermachen, dann aber gescheit. Vor dieser Entscheidung stand die Familie Herz. Der bestehende Bullenmaststall war in die Jahre gekommen, somit stand eine größere Investition ins Haus. Josef Herz jun. (28) entschied sich schließlich für die Landwirtschaft und eine Zukunft im elterlichen Betrieb. Dieser wurde durch den Bau einer Biogasanlage und eines neuen, mit moderner Technik ausgestatteten Bullenmaststalles fit für die Zukunft gemacht.

Herz-Einstreuautomatik
Ausschlaggebend für die Entscheidung war nach den Worten des Hofnachfolgers ein Bericht im Landwirtschaftlichen Wochenblatt, in dem die Kombination von Bullenmast und Biogas dargestellt wurde. Das Konzept hat ihn überzeugt. Gemeinsam mit seinen Eltern Josef und Johanna Herz (beide 63) gründete der junge Landwirt, der 2014 in Triesdorf den Abschluss als Agraringenieur gemacht hat, eine GbR und nahm die Planung „auf der grünen Wiese“ in Angriff.

Die Bullenmast gibt es hier seit fast 40 Jahren

Herz-Anwesen
Die Bullenmast gibt es auf dem Betrieb Herz in Niederrieden-Weiler nun schon seit fast 40 Jahren. Bereits 1980 gab Josef Herz sen. die Milchviehhaltung mit 35 Milchkühen auf und stellte auf Bullenmast um. „Der bestehende Anbindestall war für Mensch und Tier nicht mehr tragbar, ein neuer Milchviehstall hätte eine enorme Investition bedeutet“, schildert Herz sen. seine damaligen Beweggründe. Der Anbindestall wurde für die Bullen umgebaut: 80 Mastplätze und 25 bis 30 Kälberplätze entstanden. Anfangs gingen die Bullen noch an Viehhändler, aber nach und nach entwickelte sich die Erzeugergemeinschaft (EG) Schlachtvieh Allgäu zum alleinigen Vermarktungspartner. „Es ist eine regionale Vermarktungsorganisation, die Wege zum Schlachthof in Buchloe sind kurz und die Zusammenarbeit funktioniert gut“, äußern sich Herz sen. und jun. zufrieden mit dieser Konstellation.
Herz-Stall-außen
Rund 35 Jahre später war die Ausgangslage beinahe wie eine Generation zuvor. Der Bullenmaststall, von der Substanz her ja noch der ehemalige Anbindestall, genügte nicht mehr den modernen Anforderungen an Tierhaltung, Arbeitswirtschaft und Produktivität. Nach dem Studium in Triesdorf und anschließend sechs Monaten Auslandsaufenthalt in Australien entschied sich Josef Herz jun. für die Landwirtschaft und stieg in den Betrieb seiner Eltern ein. 2015 wurde die Biogasanlage mit 75 kW geplant und im Juli 2018 in Betrieb genommen. „Diese Größenordnung ist das Einzige, was sich noch rechnet“, so Herz jun., „und eine ideale Ergänzung zur Bullenmast.“ Die Anlage wird zu 100 % mit Mist betrieben. Der Strom wird eingespeist und die Wärme für den Stall und das Haus des Hofnachfolgers genutzt. Das schon für die Einstreu gehäckselte Stroh verringert den Aufwand beim Rühren, so kann Strom gespart werden. Außerdem saugt kurzes Stroh besser und es bildet sich keine Schwimmdecke, zählt Josef Herz einige Vorteile auf. Insgesamt ist die Familie mit der Anlage „sehr zufrieden“.
Herz-Tretmist-Bucht-Schieber
Nach einer intensiven Planungsphase und vielen Betriebsbesichtigungen nahm die Familie im Mai 2017 den Bau des Bullenmaststalles in Angriff. Bereits im November konnte er bezogen werden. Der Stall – eine freitragende Stahlhalle mit 40er-Sandwichdach – ist 96 m lang und 23,5 m breit und auf 440 Plätze ausgelegt. Rechts und links vom Futtertisch werden die Bullen auf Tretmist in Gruppenbuchten gehalten. Den heruntergetretenen Mist räumt am Fressgang ein Schieber ab. Eine Box ist 12 m breit und 10 m tief und bietet 30 Tieren Platz. Derzeit sind drei verschiedene Altersgruppen im Stall. Für die Belüftung sorgen große Hubfenster an den Längsseiten und der offene First. Wasser gibt es in runden Edelstahltrögen.
Herz-Futterkueche
Bemerkenswert ist die technische Ausstattung. Neben der Schieberentmistung gibt es eine automatische Fütterung und einen Einstreuautomaten. Der Fütterungsroboter fährt entlang einer Schiene über dem Futtertisch und in Verlängerung der Futterachse in die Futterküche. Je nach programmierter Ration holt er dort die Futterkomponenten, mischt sie, teilt die Ration gruppenweise zu und schiebt Futter nach – das Ganze dreimal täglich. Derzeit gibt es vier verschiedene Gruppen bei der Fütterung, sodass täglich 12 Mischungen jeweils frisch hergestellt werden. Für den Trioliet Fütterungsautomaten musste Herz 120 000 € brutto berappen. „Wir brauchen nur eine Grundfutterkomponente, sodass hierfür ein Bunker reicht, sonst wär’s teurer“, erläutert Herz. Der Maisbunker in der Futterküche fasst 8 t und wird einmal täglich befüllt. Bei diesem Fütterungssystem reicht ein schmaler Futtertisch – bei Herz sind es 2,70 m – was Baukosten in Höhe von circa 30 000 € brutto einsparte.
Herz-Stall-innen
Eine Besonderheit ist die automatisierte Einstreu. Informationen dazu haben sich Herz sen. und jun. unter anderem in der Schweiz geholt. Zunächst werden die Strohballen in einem Behälter aufgelöst und in der Strohmühle gehäckselt. Dazu kommen derzeit Dinkelspelzen, dann wird das Gemisch entstaubt. Ein Rohrkettenförderer transportiert die Einstreu durch ein etwa auf Traufhöhe innen rund um den Stall verlaufendes Rohr zu den Buchten weiter. Aus Öffnungen im Rohr wird die Einstreu über den Boxen dosiert abgeworfen. Die Bullen verteilen das Material durch Tritt in der Box weiter. Das System funktioniere sehr gut, lautet die erfreuliche Bilanz der Betriebsleiter.

Komplett über die Rentenbank finanziert

Herz-Steuerung
Die Baumaßnahmen hat Familie Herz komplett über die Rentenbank zu einem Zinssatz von 1,36 % mit 20 Jahren Laufzeit finanziert. Insgesamt, das heißt für Stall inklusive Technik, Fahrsilo und Güllebehälter, haben sie 1,1 Mio. € brutto investiert, was 2500 € brutto pro Stallplatz entspricht.
Familie Herz ist bestrebt, bei der Bullenmast einen Jahresrhythmus einzuhalten. „Wir wollen nach Möglichkeit im Winter vermarkten, weil da die Preise besser sind.“ Angestrebt werden hohe Tageszunahmen, die mit dem eingesetzten Fleckvieh zu erreichen seien, erläutern Vater und Sohn. Die Tiere werden mit gut 5 Monaten und 200 bis 250 kg Gewicht als Fresser aus bayerischen Fressererzeugungsbetrieben und über die Schlachtvieh-EG zugekauft. Nach 365 bis 370 Tagen Mast werden sie mit ca. 750 kg Lebend- bzw. knapp 430 kg Schlachtgewicht an die EG verkauft. Seit Inbetriebnahme des neuen Stalles hat Familie Herz einen Durchgang komplett vermarktet. Die Tageszunahmen von 1400 g (laut LKV-Auswertung) sind überdurchschnittlich. Die Verlustrate von 2 % war noch zu hoch, was Herz auf den extrem stärkereichen Mais in diesem Zeitraum zurückführt.
Der Betrieb Herz baut auf 90 ha Ackerfläche Silomais (44 ha), Winterweizen (40 ha) und Wintergerste (6 ha) an und nimmt an einigen Kulap-Maßnahmen teil: 2,5 ha Gewässerrandstreifen, 0,3 ha Blühflächen an Waldrändern sowie Zwischenfrüchte vor Reihenkultur in Mulchsaat. Brigitte Früh

Betriebsspiegel

  • GbR mit Josef Herz sen., Ehefrau Johanna Herz und Josef Herz jun. in Niederrieden-Weiler
  • 90 ha Ackerbau, davon 44 ha Silomais, 40 ha Winterweizen und 6 ha Wintergerste
  • Betriebszweige: 75-kW-Biogasanlage, Bullenmast seit 1980, jetzt mit 440 Plätzen
  • Regionale Rindfleischerzeugung mit der EG Schlachtvieh Allgäu w.V. als Partner
  • Tretmiststall mit Schieberentmistung, automatischer Fütterung und automatischer Einstreu
  • Biogasanlage zu 100 % mit Rindermist
  • Finanzierung des Stalles ohne Förderung über die Rentenbank
  • Baukosten: 2500 € brutto pro Stallplatz. BF

Futterration

(Anteile i. d. TM)

  • 65 % Silomais
  • 15 bis 24 % Rapsschrot, je nach Alter und Eiweißbedarf
  • 2 % Sojaöl
  • der Rest, also 8 bis 18 %, Getreideschrot
  • Mineralfutter