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Waldumbau

Vom Brot-Baum zum Tot-Baum?

FBG Augsburg
Michael Ammich
am Montag, 30.12.2019 - 09:35

Bei der Jahresversammlung der FBG Augsburg-West ging es um die Zukunft der Fichte.

Fischach/Lks. Augsburg - Die Fichte war einmal eine verlässliche Säule der Waldwirtschaft, bevor sie aufgrund von Trockenkalamitäten im Zuge des Klimawandels in vielen bayerischen Regionen zum Totalausfall wurde. Auf der Jahresversammlung der FBG Augsburg-West stellte Randolf Schirmer vom Bayerischen Amt für Waldgenetik forstlich nutzbare Baumarten vor, die mit der Erderwärmung besser zurechtkommen als die Fichte.

„Der Klimawandel hat den Wald wieder ins Bewusstein der Gesellschaft gerückt“, eröffnete FBG-Vorsitzender Bruno Baumeister die Versammlung in Fischach. Die Auswirkungen seien nicht nur für die Waldbesitzer sichtbar: gehäufte Sturm­ereignisse, lange Trockenzeiten und vom Käfer geschädigte Fichtenbestände. Habe sich die in Deutschland angefallene Schadholzmenge 2014 noch bei 14 Mio. fm bewegt, so stieg sie heuer bis zum September auf 73 Mio. fm an. Das ist weit mehr als der langjährige Durchschnittseinschlag. Die großen Mengen drücken auf den Preis. „Holz ist nur noch so viel wert, wie ein Säger dafür zahlen will“, klagte Baumeister.

Inzwischen leidet nicht nur die Fichte unter dem Klimawandel, auch der Buche machen die zunehmenden Temperaturen und Trockenzeiten schwer zu schaffen. Allerdings sei dies in Schwaben weniger stark zu spüren als in anderen Regionen Bayerns. „Die Käferschäden waren in unserem Gebiet überschaubar, die Niederschläge gerade noch ausreichend“, so Baumeister.

Es gibt genug geeignete heimische Baumarten

Die für Mitteleuropa gemeldeten Schadholzmengen hätten ein „historisches Ausmaß“ erreicht, bestätigte Hubert Messmer vom AELF Augsburg, forstlicher Berater der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Schwaben. Umso wichtiger seien die rund 70 heimischen Baumarten, die dem Klimawandel trotzen können und sich für den Aufbau von stabilen Mischwäldern eignen. „Unsere Waldbesitzer sind also nicht auf ausländische Arten angewiesen“, betonte Messmer. Außerdem stehen für die kommenden vier Jahre 100 Mio. € Fördermittel aus der staatlichen Waldumbauoffensive 2030 zur Verfügung. Um die forstpolitischen Ziele noch schneller und besser umsetzen zu können, baut Messmer auch auf die geplante Kooperationsvereinbarung zwischen der FBG Augsburg-West und dem AELF Augsburg. Die Vereinbarung sei bereits unterschriftsreif.

Umsatzrückgang um 750 000 Euro

FBG-Geschäftsführer Philipp Hanner erläuterte den Mitgliedern die Zahlen aus dem Wirtschaftsjahr 2018/19. Vermarktet wurden insgesamt 38 433 fm Holz, die sich folgendermaßen aufteilen: 37 614 fm Fichte, 384 fm Kiefer, 133 fm Lärche, 38 fm Douglasie, 47 fm Tanne, 46 fm Buche, 39 fm Eiche und 132 fm sonstiges Laubholz. Damit blieb die Absatzmenge deutlich hinter dem Vorjahresergebnis zurück, was sich in einem Umsatz von nurmehr 2,743 Mio. € niederschlug. Das sind rund 750 000 € weniger als 2017/18.

Randolf Schirmer vom Bayerischen Amt für Waldgenetik in Teisendorf stellte den Waldbesitzern einige Baumarten vor, die Fichte, Kiefer und Buche in Trockengebieten ersetzen könnten. Zudem sind Ulme, Esche und Ahorn zunehmend Angriffen von Schadorganismen ausgesetzt. Wenn solche heimischen Baumarten ausfallen, versuchen Forstexperten geeigente Herkünfte für Eiche, Kiefer, Buche oder Tanne zu ermitteln und mit ihnen die weniger klimatolerante Genetik der heimischen Gewächse zu ersetzen. Sie sehen sich dabei nach Gegenden um, in denen bereits heute ein Klima herrscht, das die Entwicklung in Bayern vorwegnimmt. Ein anderer Weg aus der Klimafalle kann der Ersatz gefährdeter Baumarten durch seltene heimische Baumarten wie Elsbeere, Speierling oder Flatter­ulme sein, die in der Forstwirtschaft bislang ein Schattendasein führten.

Vorrang für Baumarten bewährter Herkunft

Als letzter – und gewagtester – Schritt bleibt die Einführung von nicht-heimischen Baumarten. Hier ging Schirmer insbesondere auf die aus dem Balkan stammende Baumhasel ein. Sie ist frost- und trockenresistent, hat eine hohe Mischungsfähigkeit und ist schnellwüchsig. Trockentoleranter als die heimische Buche ist die Orientbuche. Sie kommt in Bulgarien, Griechenland, Iran und im Kaukasus vor, wird bis zu 40 m hoch und ist raschwüchsig. Höhere Temperaturen vertragen auch die Roteiche, Douglasie, Küstentanne, Schwarzkiefer, Waldkiefer und verschiedene Zedernarten.

Laut Schirmer kann es sehr schwierig sein, an geeignetes Saatgut von solchen ausländischen Baumarten zu gelangen. Außerdem gilt es zwischen anbauwürdig und anbaufähig zu unterscheiden. Anbauwürdig ist eine Baumart, die sich durch Wüchsigkeit, Trockenheits- und Frosttoleranz sowie eine geringe Anfälligkeit gegen Schadorganismen auszeichnet. Inwieweit das tatsächlich der Fall ist, kann nur durch Praxisanbauversuche abgeklärt werden. Vom vorschnellen Anbau von Alternativbaumarten auf größeren Flächen riet Schirmer ab. Mit Blick auf ihre hohe Angepasstheit gibt er bewährten Herkünften heimischer Baumarten den Vorzug.