Obstbau

Brenner müssen ihre Produkte selbst empfehlen

Brennerei
Anette Gerhold
am Donnerstag, 20.02.2020 - 08:15

Saisoneröffnung des Kleinbrennereiverbands Lindau in Nonnenhorn.

Nonnenhorn/Lks. Lindau - Zur 5. Brennereisaisoneröffnung bei Conni und Thomas Gierer in Nonnenhorn konnte Jürgen Spieler, Vorsitzender des Lindauer Kleinbrennerverbands, ein durchaus interessiertes Publikum begrüßen. Der Start in die Brennsaison war ein eindrückliches Erlebnis, besonders für Gäste mit fachlichem Hintergrund.

Spieler dankte Ehrengast Landrat Elmar Stegmann für seine Unterstützung der Brenner. Der Land­rat würdigte die Eröffnungen der Brennereisaison als schöne Tradition, zumal den Gästen auch viel Information rund um die Edelbrände geboten und nur Produkte der jüngsten Prämierungen ausgeschenkt werden. „Sie alle sind ein ganz besonderes Aushängeschild für unseren Landkreis“, lobte er die Brenner, „Sie stehen für regionale Produkte und regionale Qualität und haben ein gutes Image bei den Verbrauchern.“ Das sei umso wichtiger, als das Thema Genuss in den letzten Jahren zunehmend Bedeutung beim Tourismus im Kreis Lindau gewonnen hat.

Mixgetränke aus Edelbränden gibt es kaum

Beim Obsthof & Brennerei Gierer lag das Augenmerk dieses Mal besonders auf Cocktails mit Edelbränden. Für die ausgebildete Edelbrandsommelière und Brennerin ist das persönlich eine ganz spannende Sache. Ebenso spannend war es für die Gäste, ihr bei der frischen Zubereitung zuzuschauen. Ob ein Himbeer-Mojito mit Himbeergeist (in Abwandlung der kubanischen Spezialität) oder Hokus-Pokus-Mespilus aus ihrem Lieblingsbrand Mispelbrand, Willi-Sprizz mit Williamsbrand oder ein klassischer Gin Tonic mit eigenem Gin, am wichtigsten ist für die Brennerin die einfache Zubereitung. Dafür verzichtet sie lieber auf zu viel Schnick-Schnack und verwendet Produkte, die jeder zu Hause hat oder die leicht zu bekommen sind. Beispielsweise bei den Brennern.

Leider werden in den Bars des Lindauer Verbandsgebiets noch keine Edelbrände zum Mixen eingesetzt, nur Wodka, Rum oder Whisky internationaler Provenienz. Die Kleinbrenner müssten ihre Produkte schon selbst zum Ausprobieren empfehlen, damit sie dort Eingang finden, so Conni Gierer. Dagegen werden Gierers hochprozentige Produkte am eigenen Hof und in zwei gastronomischen Betrieben gerne ausgeschenkt, weil das etwas Besonderes mit einem anderen Geschmack und nicht so verbreitet ist.

Gierer hofft, dass die alkoholischen Erzeugnisse der Kleinbrenner mit zunehmender Bedeutung der Regionalität mehr gefragt werden. Dazu braucht es aber auch entsprechendes Marketing, weil vielen Edelbränden und bäuerlichen Brennereien noch das Image des Altbackenen anhafte. Mit ihren Cocktails aus eigenen Edelbränden, der Verkostung der prämierten Brände samt Käsespätzle für das leibliche Wohl haben der Betrieb sowie der Verband den Besuchern das Gegenteil bewiesen.