Forstwirtschaft

Den Borkenkäfer in die Falle gelockt

Waldschutz
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Redaktion Wochenblatt
am Donnerstag, 01.07.2021 - 18:33

Seit Anfang Juni fliegen die Borkenkäfer an den warmen Tagen intensiv. Der Grundbestand an Borkenkäfern hat sich wohl deutlich erhöht.

Sonthofen/Lks. Ostallgäu Seit Anfang April werden wieder bayernweit an ca. 130 Standorten Fichtenborkenkäfer in Fallen gefangen. Bei den Sonthofener Staatsforsten sind im Sulzschneider Wald, Gunzesrieder Tal und im Großen Wald sogenannte Pheromonfallen installiert, um den Schwärmflug von Kupferstecher und Buchdrucker zu erfassen. „Das sind schwarze Fangkästen mit innen liegenden Lockstoffködern“, erläutert Revierförster Rainer Ruf. Die artspezifischen Pheromone locken in den einen Fallen den etwa 1,5 bis 3 mm kleinen Kupferstecher und in den anderen Fallen den etwa 5 bis 6 mm großen Buchdrucker an. In der Natur werden diese Pheromone von den vielen tausend Käfern ausgesendet, die geschwächte, gebrochene oder vom Wind geworfene Fichten befallen und so den Artgenossen den Weg zeigen.

210621_PM Borkenkäfer 5000 Käfer im Auffangbecher

Ruf ist für den Großen Wald zwischen Wertacher Hörnle und Grünten zuständig und leert wie seine Kollegen die Fallen in der Schwärmzeit wöchentlich. Dies ist normalerweise von Anfang April bis Ende September. Bis Anfang Mai lag im Großen Wald aber noch so viel Schnee, dass die Fallenstandorte nicht zugänglich waren. Da die Borkenkäfer überwiegend im Boden überwintern, können sie vor Schneeabgang auch nicht schwärmen. Sie brauchen auch mindestens 16 Grad Lufttemperatur, um aktiv zu werden.

„Die Fangergebnisse werden an die Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft und die örtlich zuständigen Ämter für Landwirtschaft und Forsten, bei uns in Immenstadt und Kaufbeuren, weitergeleitet. Die LWF wertet die Daten aus und veröffentlicht sie“, beschreibt Forstbetriebsleiter Jann Oetting den Prozess. Die Abteilung Waldschutz der LWF beschäftigt sich u.a. mit der Diagnose, Früherkennung und Prävention von Forstschädlingen. Zur Einschätzung einer Massenvermehrung der beiden forstlich wichtigen Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher wird seit 2004 in ganz Bayern ein Borkenkäfer-Monitoring durchgeführt. Die Bayerischen Staatsforsten unterstützen dieses Projekt neben dem betriebseigenen Monitoring, indem sie Waldflächen, Personal und Informationen zur Verfügung stellen. Die örtlich zuständigen Revierförster erheben die Daten. Interessierte Waldbesitzer können sich unter www.borkenkaefer.org informieren.

Bis Pfingsten waren die Fangzahlen an Borkenkäfern im Großen Wald aufgrund der kühlen Witterung sehr gering. Seit Anfang Juni fliegen die Borkenkäfer an den warmen Tagen intensiv. „Solch hohe Fangzahlen hatten wir in den letzten Jahren hier kaum. Durch die vielen Windwürfe im vergangenen Jahr hat sich der Grundbestand an Borkenkäfern trotz intensiver Aufarbeitung wohl deutlich erhöht“ erläutert Ruf.