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Pflanzenschutz

Mit Böllern gegen Saatkrähen

Toni Ledermann
am Montag, 25.07.2022 - 11:30

Das AELF Kaufbeuren geht im Pflanzenschutz neue Wege.

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Buchloe/Lks. Ostallgäu Bekanntlich hat der Bayerische Landtag im Sommer 2019 im Zuge des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ die Halbierung des Einsatzes chemischer Pflanzenschutzmittel als anzustrebendes Ziel bis 2028 beschlossen. Und bereits im Jahr 2021 konnten die landwirtschaftlichen Betriebe erstmals im Rahmen der Antragstellung zu den Agrarumweltmaßnahmen einen Ausgleich in Höhe von 80 €/ha für bestimmte Ackerkulturen beantragen.

Verzicht auf Chemie

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Der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel werde so zum Baustein der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2023, erklärte Benedikt Kuhn vom AELF Kaufbeuren. Wie können Landwirte damit umgehen? Diese Frage war Thema einer Info-Veranstaltung des AELF im Raum Buchloe.

Kuhns Kollege Daniel Dörfler warf einen Blick zurück auf die Wettersituationen im vergangenen Jahr. Insgesamt waren es 123 l weniger Niederschlag im Jahr 2021 als im langjährigen Mittel. Wie darauf reagieren? Das war die Frage. Mit intensiver Bodenbearbeitung oder Mulchsaat? Im Mai kam dann der Regen und ließ den Mais wunderbar anwachsen.

Mancherorts sei aber viel Regen auf einmal gefallen, etwa am 5. Mai mit bis zu 44 l/m², die der Boden erst mal aufnehmen musste. Hinzu kamen enorm viele Sonnenstunden im Frühjahr, die sich auf 300 Stunden über dem Durchschnitt summierten. „Wenn dann keine Bodenbedeckung gemacht wird, beispielsweise mit Mulchsaat, würden die Böden schnell austrocknen“, gab Dörfler zu bedenken.

Ziel ist bedarfsgerechter Pflanzenschutz

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Kritisch sah ein Landwirt die zunehmenden Verbote, Pflanzenschutz zu betreiben: Wenn dies jedes Jahr zunehme, dann würden sich die Pflanzen an die Reduktionen gewöhnen, und bei wiederkehrendem Unkrautbefall setze sich dann doch wieder die chemische Keule durch, meinte er. „Ziel muss ein bedarfsgerechter Pflanzenschutzmitteleinsatz sein, so viel wie nötig, so wenig wie möglich“, bemerkte dazu Michael Kistler. Noch sei dies ja freiwillig –, aber ich habe die Befürchtung, wenn wir das Ziel nicht erreichen, dass es dann Pflicht wird“, meinte der Pflanzenbaufachmann und ergänzte: „Deshalb bin ich der Überzeugung, dass wir versuchen müssen, dies auf freiwilliger Basis zu erreichen, um möglichst nah an die geforderten 50 Prozent heranzukommen.“

Bauern arbeiten bei Versuchen mit

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Bei dem vorgestellten Versuch zur Pflanzenschutzreduktion des AELF Kaufbeuren dankten die Pflanzenbauberater den beteiligten Bauern für die verschiedenen Maßnahmen: So wurde beispielsweise bei der rein mechanischen Unkrautbekämpfung bei einer Streifenbreite von 12 Metern einmal blind gestriegelt. Es wurde im dritten Blattstadium einmal gestriegelt und beim 4/5. Blattstadium gehackt. Dies zur Gülleausbringung in der zweiten Juniwoche.

Bei allen Versuchsparzellen erfolgte die organische Düngung mit 25 m³ Rindergülle vor der Saat und 22 m³ Gärrest in den Bestand mit anschließendem Hacken. Die mineralische Düngung erfolgte durch Unterfußdüngung mit 1,75 dt/ha 19/20 (Mischung aus 18/46 und ASS).

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Bei der chemischen Unkrautbekämpfung erfolgte bei der Parzelle „Betriebsübliche Herbizidmaßnahme“ bei zwölf Metern die Bekämpfung mit MaisTer power und Aspect (1,5 Liter und 1,5 Liter). Bei der „rein mechanischen Unkrautbekämpfung“ erfolgte natürlich kein Chemieeinsatz und beim Feld „70 prozentige Aufwandsmenge der Pflanzenschutzmittel“ erfolgte wieder MaisTer power und Asspect, jedoch jeweils 1,05 und 1,05 Liter. Bei der „praxisüblichen Herbizidmaßnahme auf 12 Metern“ erfolgte die chemische Unkrautbekämpfung wie bei drei Metern. Natürlich kein Pflanzenschutz beim Feld ohne jegliche Maßnahme. Ergebnis: Mehr Verunkrautung, kleinere Maispflanzen.

Sowohl der Bioanbau als auch der konventionell angebaute Mais funktionieren

Zum Abschluss bilanzierte Kistler: Der Hintergrund dieser Aktion des AELF liegt auch darin, dass man sieht, dass sowohl der Bioanbau, als auch der konventionell angebaute Mais grundsätzlich „funktionieren“. Beim Bioanbau müsse jedem Landwirt klar sein, dass viel gehackt werden muss, was bekanntlich entsprechend zeitaufwendig ist.

Bei einem weiteren Maisfeld hatten die Organisatoren eine Kartoffel mitten im Acker vergraben und nun bei diesem Termin wieder hervor geholt. Der Hintergrund: Es sollte überprüft werden, ob sich der Drahtwurm im Feld befindet, was hier zum Glück nicht der Fall war.

Problem mit Saatkrähen im Raum Buchloe und Dillishausen

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Auch eine ganz andere Frage interessiert die Teilnehmer: Wie sieht es eigentlich aktuell aus mit den Saatkrähen im Raum Buchloe und Dillishausen? Daniel Dörfler erläuterte: „Wir sind im Frühjahr mit Buchloer Bauern zusammengekommen, um über das Thema der Saatkrähen zu sprechen und auch darüber zu beraten, welches Saatgut eingesetzt werden soll.“

Überraschend sei gewesen, dass sich die Rabenvögel auch nicht vom gebeizten Saatgut abhalten ließen. So sei beobachtet worden, dass Saatkrähen die gebeizte Außenschale aufpickten und nur den Kern nahmen, wie Dörfler berichtete. Er führte auch aus, dass im nächsten Jahr gar kein gebeiztes Saatgut mehr verwendet werden dürfe. Darauf solle man vorbereitet sein.

Verschiedene Bauern zeigten sich von der Krähenplage enorm betroffen, wie Dörfler weiter ausführte. Mancherorts seien kaum noch Maispflanzen auf den „befallenen“ Feldern gewesen. Mancher Landwirt vermutet, der Krähen-Befall hänge mit dem Aussaattermin zusammen – doch das konnte so nicht bestätigt werden. Ein anderer Landwirt sprach an, dass die schlauen Vögel wohl gerne auf gemähte Wiesen gehen – und dann, wenn dort nichts mehr zu holen sei, sich auf die daneben liegenden Maisfelder stürzen. Ein anderer berichtete, dass die Vögel ungebeiztes Saatgut nicht beachteten, während das Feld daneben mit normalem Mais „überfallen“ wurde. Abhilfe könnten sich die Landwirte derart vorstellen, wenn der Staat, wie beim Biber, für die Ausfälle beim Mais durch Saatkrähen finanziellen Ersatz leisten würde.