Behörden

Biotopkartierung - Bauern wurden nicht informiert

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Michael Ammich
am Donnerstag, 22.11.2018 - 10:49

Kopfschütteln gab es bei der Herbstversammlung der Augsburger Ortsobleute über die Biotopkartierung.

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Aus Versehen ein Biotop zerstört? Das kann schneller passieren, als der Landwirt denkt. Wurde nämlich schon vor Jahren bei einer Biotopkartierung beispielsweise ein Stück Grünland ohne Kenntnis seines Besitzers als Biotop eingestuft und später mit Drainagen trockengelegt, so handelt es sich um einen Verstoß gegen das Verschlechterungsverbot. Es ist gut möglich, dass der Eigentümer seine Wiese wieder vernässen muss, indem er die Drainagen öffnet, erklärte Hans-Christian Pfäffle von der Unteren Naturschutzbehörde auf der gemeinsamen Herbstversammlung der Augsburger Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner.

So war das ungläubige Kopfschütteln der Ortsobleute ein ständiger Begleiter des Vortrags, den der Naturschutzexperte aus dem Augsburger Landratsamt in Biburg hielt. 1985 und 1986 fand laut Pfäffle im Landkreis Augsburg die erste Biotopkartierung statt. 2006 folgte eine Aktualisierung im FFH-Gebiet Schmuttertal und 2010/2011 schließlich im gesamten Landkreis. 2013 wurden die Ergebnisse der Biotopkartierung im Internet bereitgestellt, die betroffenen Verbände, Behörden und die Presse informiert. Die betroffenen Grundstücksbesitzer seien jedoch nicht angeschrieben worden, räumte Pfäffle ein. Das Landesamt für Umwelt betrachte eine allgemeine öffentliche Information als ausreichend.

Bei der Kartierung wurden Feuchtgebiete, Gewässer, offene Mager- und Trockenstandorte, Gebüsche, Hecken, Feldgehölze und alte Streuobstbestände im Kreis Augsburg erfasst und dabei insgesamt 1280 Biotope auf 3116 Teilflächen mit 978 Pflanzen- und 165 Tierarten festgestellt. Die Gesamtfläche der Biotope beläuft sich auf 2462 ha, was 2,3 % der Landkreisfläche entspricht. Wälder bilden den Hauptanteil. Die Biotopkartierung sei nichts anderes als eine Bestandsaufnahme der natürlichen Umgebung mit ihren Tieren und Pflanzen, so Pfäffle. Die Feststellung eines Biotops sei keine Inschutznahme der Fläche. „Nicht die Kartierung macht eine Fläche zum Biotop, sondern die Natur selbst.“

Missverständnisse

Nach § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes sind Biotope geschützt und damit Handlungen verboten, die zu ihrer Zerstörung oder erheblichen Beeinträchtigung führen. Allerdings: Ist ein Biotop erst durch die Beteiligung an einer Fördermaßnahme über das Kulap oder Vertragsnaturschutzprogramm entstanden, so kann es innerhalb von 15 Jahren nach Beendigung der Vereinbarung wieder zurückverwandelt und intensiv genutzt werden. Viele Biotope im Kreis Augsburg wie Nasswiesen, Pfeifengraswiesen und artenreiches Extensivgrünland seien erst durch landwirtschaftliche Nutzung entstanden, sagte Pfäffle. Gleichwohl dürfen sie heute von den Landwirten nur noch eingeschränkt genutzt werden. „Aber nicht jedes kartierte Biotop ist auch ein gesetzlich geschütztes Biotop. Die Unwissenheit darüber führt häufig zu Missverständnissen zwischen besorgten Bürgern und Landwirten.“
Nachdem die einzelnen Grundbesitzer bei einer Biotopkartierung nicht über die Ergebnisse verständigt werden, müssen sie sich selbst kundig machen. Das geht am einfachsten im Internet über das FIN-Web des bayerischen Landesamts für Umwelt, wie Michaela Heinz von der Unteren Naturschutzbehörde erklärte. Auf der interaktiven Website ist zu sehen, ob und welche Biotope in einer Region vorhanden sind, die Biotope und die in ihnen nachgewiesenen Tier- und Pflanzenarten werden beschrieben und bisweilen auch Pflegemaßnahmen empfohlen.

Nicht drauflosspritzen

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Das zweite Thema der BBV-Tagung in Biburg war ebenfalls dem Naturschutz gewidmet. Johann Dennert, 40 Jahre lang aktiver Imker und Leiter der Versuchsabteilung an der staatlichen Versuchsstation Roggenstein bei Fürstenfeldbruck, sprach über die Vereinbarkeit von Pflanzenschutz und Bienenschutz. „Für viele Imker ist der Pflanzenschutz ein rotes Tuch“, sagte Dennert. Seine eigenen Erfahrungen zeigten jedoch, dass der Pflanzenschutz nach den Regeln der guten fachlichen Praxis durchaus mit dem Schutz der Bienen vereinbar sei. Bei seinen eigenen Bienenvölkern an der Versuchsstation Roggenstein habe er keine Anzeichen von Vergiftungen beobachten können, da hier die Vorgaben der guten fachlichen Praxis stets eingehalten wurden.

Einen Freibrief für den bedenkenlosen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stellte Dennert den Landwirten nicht aus, auch wenn das Deutsche Bienenmonitoring die Varroa-Milbe und durch sie übertragene Viren als Hauptursache von Bienenverlusten festgestellt hat. „Die Landwirte sollten sich beim Pflanzenschutz an den Schadschwellen orientieren und nicht blind drauflosspritzen.“ Beim Bienenmonitoring wurden im Bienenbrot mehr als 100 Wirkstoffe aus Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen. 97 % der Proben enthielten mindestens einen Wirkstoff. Die gefundenen Wirkstoffe werden Dennert zufolge vorwiegend im blühenden Raps eingesetzt. Besonders Neonikotinoide wie Thiacloprid können die Gehirnfunktion der Biene beeinträchtigen. Halte sich der Landwirt beim Pflanzenschutz strikt an die Vorgaben der guten fachlichen Praxis und der Bienenschutzverordnung, drohe den Bienen jedoch keine Gefahr, so Dennert.
Darüber hinaus könne der Landwirt den Bienen Gutes tun, wenn er seine insektenfreundlichen Zwischenfrüchte außerhalb der Flugzeiten pflügt und mulcht. Dennert ermunterte die Biogasbauern, anstelle von wenig insektenfreundlichem Mais auch einmal die Durchwachsene Silphie als Substrat anzubauen oder wenigstens Blühstreifen rund um die Maisfelder anzulegen. Findet auf den Anbauflächen ein reger Bienenflug statt, kann der Landwirt zudem mit erheblichen Mehrerträgen rechnen.
In Bayern kommen rund 520 der 580 in Deutschland nachgewiesenen Bienenarten vor. Davon sind 79 vom Aussterben bedroht, 61 stark gefährdet und weitere 59 gefährdet. Erfreulich ist dagegen, dass sich die Bienenzucht in Deutschland nach einer jahrelangen Durststrecke wieder im Aufwind befindet. Laut Dennert stieg seit 2012 die Zahl der Imker als auch der Bienenvölker deutlich an.

Gefahr aus der Tränke?

Kreisobmann Martin Mayr und BBV-Kreisgeschäftsführer Thomas Graupner machten die Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner auf ein Thema aufmerksam, das in ganz Bayern derzeit scheinbar nur im Landkreis Augsburg eine Rolle spiele. Hier nehme es das Gesundheitsamt mit den Vorschriften zur Trinkwasser-Installation in viehhaltenden Betrieben offenbar besonders genau. Demnach darf in der Vieh- und Landwirtschaft in bestimmten Fällen kein unmittelbarer Anschluss an die Trinkwasser-Installation erfolgen. Um eine Gefährdung der Menschen durch Bakterien und Viren zu vermeiden, ist eine Trennung von Trinkwasser-Installation und Trinkwassernetz erforderlich. Durch den Kontakt mit dem Maul der Tiere und damit auch mit Speichel, Kot- und Futterresten könnten der Tränkenippel und die vorgeschaltete Trinkwasser-Installation kontaminiert werden.
Viehtränken werden rechtlich der Flüssigkeitskategorie 5 zugeordnet, also der höchstmöglichen Gefährdungsstufe. „Sobald das Wasser in den Tränkebecken ankommt, wird es zu einem ganz gefährlichen Wasser“, bemerkte Graupner mit einem Schuss Ironie. Das Gesundheitsamt habe die Wasserversorger im Landkreis Augsburg angewiesen, solche Gefahrenquellen auf landwirtschaftlichen Betrieben zu identifizieren. Den Landwirten empfahl der BBV-Geschäftsführer, erst einmal abzuwarten, ob überhaupt jemand in dieser Sache auf sie zukommt. Sollte tatsächlich die Einrichtung eines Trennsystems in Form eines freien Auslaufs des Trinkwassers in die Tränke gefordert werden, könnten sich die Kosten schnell auf 2000 bis 3000 € belaufen. Michael Ammich