Waldbau

Biotopbäume: Alt, krumm, aber oho!

VNP Wald_Alte Buche_Klaus Schreiber
AELF Kaufbeuren
am Dienstag, 21.04.2020 - 11:44

Vertragsnaturschutz Wald: 2019 wurden im Ostallgäu 63 Maßnahmen neu gefördert.

Halblech Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kaufbeuren und die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts Ostallgäu haben im Jahr 2019 63 neue Maßnahmen im Rahmen des bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms Wald (VNPWald) mit insgesamt rund 260 000 € gefördert.

Astig und krumm

Waldbesitzer Josef Häringer und Forstrevierleiter Jörg Großer streifen durch einen alten Bergmischwald auf der Suche nach sogenannten „Biotopbäumen“. Objekt der Begierde sind nicht besonders gerade und astfreie Stämme, sondern alte, knorrige, bemooste und hohle Bäume, ja sogar angefault und abgestorben dürfen sie sein. „Das könnte einer sein!“ ruft Großer.

Gemeinsam begutachten sie eine alte Buche mit zum Teil aufgeplatzter Rinde und mehreren Faulstellen am Stamm. Der Förster startet sein Aufnahmegerät mit Satelli-ten-Antenne und markiert den Standort des neuen Biotopbaums mit der Nummer 577. In-teressiert fragt Josef Häringer: „Und was macht diesen Baum im Gegensatz zu anderen so besonders?“ Großer deutet auf die abgeplatzte Rinde und erklärt: „Diese Spalten dienen zum Beispiel Fledermäusen als Sommerquartier und an den angefaulten Stellen können Spechte Nisthöhlen anlegen.“

Häringer und Großer finden im steilen Gelände noch zahl-reiche weitere alten Buchen und eine mächtige Weißtanne mit einem Durchmesser von einem Meter, die als Biotopbäume gefördert werden können. Der Waldbesitzer erhält für jeden aufgenommenen Biotopbaum, den er weitere zwölf Jahre stehen lässt, eine Einmal-förderung von 125 bis 195 €, je nach Durchmesser und Baumart.

Belassen von Totholz

Neben dem Erhalt von Biotopbäumen fördern das AELF Kaufbeuren und die untere Naturschutzbehörde im Vertragsnaturschutzprogramm Wald unter anderem auch das Belassen von Totholz, den vollständigen Nutzungsverzicht in alten Berg- und Schluchtwäldern und das Schaffen lichter Waldstrukturen für besonders schützenswerte Arten wie dem Auer-huhn. Insgesamt konnten im Jahr 2019 an 26 Waldbesitzer für 63 neue Maßnahmen rund 260 000 € Fördermittel ausgezahlt werden.

Thomas Hennemann, der Gebietsbetreuer für den Ostallgäuer Alpenrand, ist über den gro-ßen Anklang des Vertragsnaturschutzprogramms erfreut: „Der Schutz alter Wälder mit ei-nem hohem Anteil an Totholz und Biotopbäumen ist einen wesentlichen Beitrag zum Er-höhung der Biodiversität im Ostallgäu.“ Forstdirektor Simon Östreicher vom AELF Kauf-beuren kann dem nur zustimmen und ergänzt: „Die Waldbesitzer erbringen damit auf ihrer Fläche eine wichtige Naturschutzleistung für uns alle. Es ist nur folgerichtig, dass sie für den Verzicht der Nutzung einzelner Bäume oder gar ganzer Waldbestände einen finanziel-len Ausgleich vom Freistaat Bayern erhalten.“

Erste Ansprechpartner für das Vertragsnaturschutzprogramm Wald im Ostallgäu sind die Forstrevierleiter des AELF (www.aelf-kf.bayern.de) sowie die Fachkräfte der Unteren Na-turschutzbehörde und die Gebietsbetreuung Ostallgäuer Alpenvorland. Weitere Informati-onen finden Sie unter www.waldbesitzer-portal.bayern.de im Angebot „Förderung“.