Milchmarkt

Biomolkerei sucht neue Lieferanten

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Susanne Lorenz-Munkler
am Dienstag, 17.11.2020 - 07:57

Seit 32 Jahren Bio: Die Allgäu Milch Käse eG Kimratshofen ist von 20 auf heute 400 Bio-Milchlieferanten mit 113 Mio kg/Jahr gewachsen.

Auf einen Blick

  • Genossenschaft mit 1013 Mitgliedern davon 400 Bio-Milchlieferanten,
  • Beginn der Biomilch-Verarbeitung: Bereits 1989,
  • Verarbeitete Biomilch-Menge aktuell: 113 Mio kg/Jahr,
  • Butter, Käse, Quark, Milch in Bio-Qualität,
  • Produkte in verschiedensten Größen erhältlich. Butter beispielsweise auch als 25 kg Block,
  • Produktnamen: Allmikäs oder Allgäuer Butter,
  • Eigene Käsemanufaktur zur Herstellung von Spezialitäten,
  • Absatz der Bio-Produkte jährlich steigend,

Biopioniere bereiteten den Boden

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Es begann im Jahr 1989: In der Region um Altusried gab es immer mehr Biobauern. „Schuld“ daran trugen wohl die Bio-Pioniere Walter Heim aus dem Argental und Josef Heinle aus Altusried. Mit ihrer naturverträglichen Wirtschaftsweise beeinflussten sie viele Landwirte. Da sich die Molkerei in Kimratshofen inmitten dieses „Bio-Eldorados“ befand.

Geschäftsführer ist Hubert Dennenmoser . Er leitet die Genossenschaftsmolkerei seit 1993. Zuvor war der Molkereimeister sieben Jahre Chef einer kleinen Biomolkerei und der Philosophie des biologischen Landbaues sehr verbunden. So begann man1989 mit der Produktion von biologischen Produkten. Als erste Molkerei im Allgäu wagte man sich da auf neues Terrain. Mit einem in 10 bis 12 kg großen Bio-Bauernkäse, der dann an den biologischen Großhandel verkauft wurde. Der Zuschlag für Biomilch betrug seinerzeit 1,3 Pfennig/kg.

Bereits im Jahre 1993 schloss sich die Allgäu Milch Käse eG mit der ÖMA Beer GmbH zusammen, um den Naturkostmarkt in Deutschland bedienen zu können. Auch im Export vertrieb man schon Bio-Produkte.Hauptabnehmer Länder sind Italien, Frankreich, Belgien und die Niederlande.

Überzeugt von Bio

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Heute ist die Allgäu Milch Käse eG in ihren Absatzkanälen breit aufgestellt. Auch im Biobereich. Dabei sind die Lieferanten von konventioneller und Biomilch im Vorstand und Aufsichtsrat bunt gemischt, wobei die konventionellen Lieferanten nach wie vor überwiegen. Es gibt eigene Biogruppen und -sprecher. Auf große Transparenz und aktive Kommunikation legt der 62-jährige Dennenmoser größten Wert. Er schätzt, dass die Nachfrage nach Biomilch Produkten weiter wächst und der Anteil in 20 Jahren bei 30 % liegen wird.

Das Bio-Käse-Geschmacks-Sortiment reicht heute von mild-nussig bis hin zu blumig-malzig mit dem gesamten Schnitt- und Hartkäseportfolio, vom Butter- bis zum Bergkäse. Ebenso werden verschiedene Buttersorten, wie Süßrahmbutter, Sauerrahmbutter sowie Quark und Heumilch in Bio-Qualität hergestellt. Vertrieben werden die Produkte unter dem Namen „Allmikäs“ oder unter „Allgäuer Butter“. Alle Produkte gibt es in verschiedenen Produktgrößen (wie z. B. Butter von 125 g bis hin 25 kg Blöcken). Durch den Einsatz von mikrobiellem Lab sind alle Produkte der Allgäu Milch Käse eG für Vegetarier geeignet.

Um den Bereich der Bio-Käsespezialitäten abzudecken, gründete man im Jahr 2013 die „Käsemanufaktur Allgäu GmbH“, die im Jahr 2019 komplett von der Allgäu Milch Käse eG übernommen wurde. „Mit diesen Käsespezialitäten wollen wir dem Käseliebhaber und Genießer höchste Qualität, besten Geschmack und feinsten Käsegenuss in Bio-Qualtät bieten“, betont Dennenmoser.

Biomilch hat ihren eigenem Preis

Bereits vor vielen Jahren sei ein eigener und stabiler Bio-Milchpreis für die Bio-Landwirte etabliert worden. Seit 31 Jahren habe die Allgäu Milch Käse eG eine offene Kalkulation, das heißt, der Bio-Landwirt partizipiert direkt am Mehrwert seiner Produkte.

Wichtig sei der Allgäu Milch Käse eG immer eine ganzheitliche Sichtweise gewesen. So wurden im Jahr 2003 eigene „Kimratshofener Bio-Richtlinien“ eingeführt. Diese orientieren sich an den Bioland-Richtlinien und verpflichten die Biolandwirte unter anderem zum Weidegang und schreiben die Verwendung von bestimmten Futtermitteln vor. Zusätzlich kontrolliert wird dies unter anderem auch von einer externen Beraterin.
Auch in Sachen Umwelt- und Ressourcenschutz sei die Allgäu Milch Käse eG vorbildlich, betont der Geschäftsführer. So sei der Wasserverbrauch durch den Einsatz von Filtrationsanlagen (Osmoseanlagen) um 40 % gesenkt worden. 2010 wurde ein eigenes Blockheizkraftwerk mit 1280 kW Leistung (680 kW thermisch, 600 kW Strom) gebaut. Dieses liefert etwa 45 % des Strom- und Wärmebedarfs der Molkerei. Nach einer weiteren Optimierung in 2015 beträgt der Gesamtwirkungsgrad des Blockheizkraftwerkes über 90 %.

800 kWp Solaranlage auf dem Dach

Zudem wurde im Jahr 2011 in Kimratshofen die komplette Dachfläche mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet, Gesamtleistung 800 kWp. Weiter wurde im Jahr 2017 die Dachfläche der neuen Lagerhalle (Quarkerei/Butterei) mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet, Gesamtleistung 350 kWp. Die übliche Sommerstromspitze werde dadurch gekappt und der Anteil der Eigenstromerzeugung steige auf 48 Prozent, ist Dennenmoser stolz.

Aktuell ist die Genossenschaft dabei die Wärmeschaukel zu optimieren und eine weitere zu errichten.
Bereits im Jahre 2015 hat die Allgäu Milch Käse eG das Umweltmanagement „EMAS“ (Eco Management and Audit Scheme) eingeführt und unterzieht sich einem jährlichen Audit.

Den Bauern Alternativen eröffnet

Die Genossenschaftsmolkerei hat den Landwirten durch den Aufbau der Biovermarktung schon früh Alternativen geboten und somit die Möglichkeit einer höheren Wertschöpfung geschaffen und die Biobewegung mit vorangetrieben.

Den 150 Mitarbeitern biete die Allgäu Milch Käse eG gute Sozialleistungen, überdurchschnittliche Aus- und Weiterbildung, moderne Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen sowie eine gute tarifliche Entlohnung.
Da Verbraucher bei ihrem Einkauf zunehmend auf regionale und nachhaltige Bio-Produkte setzen, sucht die Allgäu Milch Käse eG neue Bio-Milchlieferanten, gerne auch Umstellungsbetriebe.