Planungen

Die Bio-Schaukäserei wird erweitert

MN-Leader Schaukäserei-PM-5.8.
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Redaktion Wochenblatt
am Montag, 13.09.2021 - 16:20

Die Kälbervermarktung ist auch im Ökobereich noch eine Herausforderung. Nun soll eine Erlebniswelt zu Bio-Fleisch-Spezialitäten entstehen.

Wiggensbach – Stundenlange Transporte, auf viel zu wenig Platz in überfüllten und heißen Viehtransporten. An die 80.000 Kälber werden jedes Jahr allein aus Bayern nach Spanien in dort ansässige Mastbetriebe exportiert, heißt es in einer Mitteilung der Regionalentwicklung Oberallgäu. Ein umstrittenes Vorgehen, das zwar für viele Betriebe wirtschaftlich notwendig, insbesondere für Biobetrieb aber in mehrfacher Hinsicht unbefriedigend sei.

Die Praxis zeige: Was in der regionalen Wertschöpfungskette Milch in weiten Teilen bereits zufriedenstellend funktioniert, ist in der Kälbervermarktung auch im Ökobereich noch eine große Herausforderung. Ein wesentlicher Stellhebel sei der Verbraucher. Um ihn zu sensibilisieren, plant die Bio-Schaukäserei Wiggensbach eine Erlebniswelt, welche die Zusammenhänge in der Wertschöpfungskette verdeutlichen soll.

Einblicke in die Produktion gewähren

Dem Verbraucher will die Bio-Schaukäserei Wiggensbach Einblick in den Produktionsprozess des Bio-Käses gewähren. Nun soll dieser laut Franz Berchtold, Geschäftsführer der Bio-Schaukäserei, noch intensiviert und auch das Thema Kälber- und Fleischvermarktung angegangen werden: „Die Strukturen, die wir bereits geschaffen haben, bieten eine optimale Basis für den Fleischbereich. Auch der Naturkosthandel hat auf so was gewartet.“
Im Detail sieht die Planung vor, das bestehende Gebäude zu erweitern. Im Förderprojekt wird in diesem Neubau, der nicht Teil der Förderung ist, eine Erlebniswelt für die Zusammenhänge zwischen Milch, Käse, Fleisch und Kälbern etabliert. Sie sollen die Mehrwerte und Besonderheiten der Bio-Fleisch-Spezialitäten und der Bioprodukte aus der Region erlebnisorientiert an Verbraucher und Wiederverkäufer vermitteln. Dazu wird neben einem großen und modernen Verkaufsraum für Käse, Fleisch und Bio-Lebensmittel aus der Region, eine Erlebnis-Schauküche installiert.
In dieser finden Genussaktionen zu verschiedenen Themen statt, wie z.B. Schau-Koch-Seminare und Genussabende. Auch sollen Frischfleischprodukte und hochwertige Premium-Bio Convenience-Produkte, welche aus schlecht vermarktbaren Teilstücken von männlichen oder nicht zur Nachzucht geeigneten weiblichen Milchrindern hergestellt werden, angeboten werden.
Dabei wird auf Kälber, Färsen und Altkühe zurückgegriffen. „Es wird vom Tier alles verwendet. Der HeuGarta könnte eine komplett andere Art der Gastronomie werden“, so Alfred Fahr, Allgäuer Bio-Spitzenkoch und Gesellschafter der Weideschuss.Bio GmbH. Und Franz Berchtold, Geschäftsführer der Bio-Schaukäserei Wiggensbach, ergänzt: „Unser Weg soll ein Angebot an die Landwirte für Mutterkuhhaltung werden. So können die Kälber in der Region bleiben. Wir wollen eine neue Möglichkeit aufzeigen, die nachhaltig, ressourcenschonend und für die Landwirte finanziell lohnenswert ist.“
Veronika Hämmerle, die Leader-Koordinatorin am für das EU-Förderprogramm zuständigen AELF Kempten übergab den Leader-Förderbescheid über 200 000 Euro. Sie merkte an: „Es passt sehr gut zu Leader, dass hier eine Gesamtwertschöpfungskette geschaffen wird.“ Die Fördersumme ist mit eine der höchsten, die seit langer Zeit genehmigt wurde. Der Grundstein dafür wurde in der Regionalentwicklung Oberallgäu gelegt: „Das Projekt ,Erlebbarer Genuss im Oberallgäu – Bio-Genuss erleben‘ hat uns aufgrund seiner Tragweite im Entscheidungsgremium vollends überzeugt. Man braucht engagierte Leute mit Fachwissen um eine solch weitreichende Verzahnung zu erlangen“, betonte Christof Endreß, Vorsitzender der Regionalentwicklung Oberallgäu.

Bio-Wertschöpfungskette soll aufgebaut werden

Hauptziel des Projektes sei der Aufbau einer regionalen Bio-Wertschöpfungskette vom Kalb bis zum Verbraucher und eine intensive Sensibilisierung für die Zusammenhänge zwischen Milch/Käse und Kälbern/Fleisch. Erreicht werden soll dies durch eine schonende Schlachtung, eine hohe, regionale Bioqualität, eine schonende Verarbeitung sowie kurze Transportwege entlang der gesamten Wertschöpfungskette und eine detaillierte Vermittlung der Zusammenhänge an den Verbraucher. Dieser soll verstehen, wie sich die Preise und Produkte zusammensetzen und welche einzelnen Schritte erforderlich sind, um ein Nutztier von der Geburt bis auf den Teller zu bringen und zwar fair für alle Beteiligten.
Mit an Bord sind zwei regionale Partner: die Weideschuss.bio GmbH und die Öko-Modellregion Oberallgäu Kempten. Die Weideschuss.bio GmbH wurde Anfang 2020 von drei Landwirten und einem Bio-Spitzenkoch gegründet. Zielsetzung der GmbH ist es, für Bio-Milchviehkälber im Allgäu eine sinnvolle Vermarktung aufzubauen. „Wir brauchen im System Bio-Milch und Bio-Fleischerzeugung eine Veränderung und ein Umdenken. Dazu braucht es mutige Vordenker bei den Bauern und im Handel“, betont Beate Reisacher von der Öko-Modellregion Oberallgäu Kempten. Sehr wichtig seien aber auch die Kunden, unterstreicht Reisacher: „Sie müssen bereit sein, den Weg mit uns zu gehen.“