Erzeugergemeinschaft für Schlachtvieh Allgäu w. V. Kaufbeuren

Bio-Markt preislich entkoppelt

bild 3 schlachtvieh eg bild habel 2017
Christian Habel
am Montag, 30.11.2020 - 09:14

Die Schlachtvieh-EG Kaufbeuren behauptet sich in schwierigem Umfeld.

Bei den diesjährigen Gebietsversammlungen der Erzeugergemeinschaft für Schlachtvieh Allgäu w. V. Kaufbeuren wurden u. a. die Beiräte gewählt. Mehr als 1000 Mitglieder kamen im Winter zu den Veranstaltungen der Schlachtvieh-EG und sprachen den großenteils wiedergewählten Beiräten ihr Vertrauen für die nächsten fünf Jahre aus. Für das Unterallgäu (Böhen) musste ein neuer Beirat gefunden werden. Franz Knoll wurde als Nachfolger von Johann Gropper gewählt und komplettiert die Mannschaft, die die im Juli bestätigte Vorstandschaft (Karl Poppler und Kurt Schlagenhauf) und die Geschäftsführung bei den Entscheidungen rund um die Schlachtvieh-Erzeugergemeinschaft unterstützt.

Fast 60 000 Rinder und etwa 45 000 Schweine vermarktet

Die Stimmung bei der Schlachtvieh-EG könnte ganz gut sein, wenn nicht die Einschränkungen seitens Corona dem Schlachtvieh-Bereich weh tun würden. Die Mitgliederzahlen (Tab. 1) bei der EG gingen zwar leicht zurück, liegen aber weiterhin auf einem erfreulich hohen Niveau und zeigen, dass die Landwirte das Engagement der Schlachtvieh-EG rund um die Schlachtviehvermarktung schätzen. Während die Zahl der Rinderhalter im Lauf eines Jahres in Bayern und Deutschland um mehr als zwei Prozent zurückging (Tab. 4), kündigten im Lauf eines Jahres weniger als ein Prozent der Betriebe bei der Erzeugergemeinschaft.

Die Zahl der vermarkteten Rinder reduzierte sich im Zeitraum vom 1. 10. 2019 bis 30. 9. 2020 ebenfalls leicht – über die Erzeugergemeinschaft Allgäu w. V. Kaufbeuren und der ihr angeschlossenen GmbH wurden aber immerhin fast 60 000 Rinder und etwa 45 000 Schweine vermarktet (Tab. 2). Die Corona-Pandemie und damit einhergehende Ausgangsbeschränkungen bedeuteten bereits im Frühjahr massive Rückgänge an Schlachtviehzahlen. Auch im Herbst wiederholen sich die Probleme am Schlachtviehmarkt wegen des Lockdowns aufgrund steigender Corona-Zahlen in der Bevölkerung: die Nachfrage nach Verarbeitungsware, aber auch nach Edelteilen bricht wegen des fehlenden Außer-Haus-Verzehrs in der Gastronomie oder den Kantinen weg, infolgedessen sinken die Schlachtungen der weiblichen Gattungen und gleichzeitig gehen die Preise für Kühe und Färsen in den Keller. Nach einer zeitweisen Annäherung der Preise an das Vorjahresniveau in den Sommermonaten sind hier bald wieder die miserablen Werte vom April erreicht. Nicht nur der Rückgang bei den angedienten Tieren, sondern auch schlechte Preise für die Landwirte werden sich beim Umsatz von EG und GmbH im Jahr 2020 bemerkbar machen.

Bio-Ware ist gefragt

Noch dramatischer sind die Preiseinbrüche im Schweinebereich – bei Schweinen der Handelsklasse S wurden Anfang März mehr als 2 € pro kg Schlachtgewicht (SG) bezahlt. Zunächst ließen Schlachthofschließungen die Preise purzeln, erst recht am Boden liegt der Schweinemarkt wegen fehlender Exportmöglichkeiten nach dem Auftreten der ersten Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Die Preise in Bayern dümpeln bei der Hkl. S im Bereich von 1,30 € / kg SG, im schlechtesten Fall liegt der Preis hier unter einem € je kg Schlachtgewicht.
Interessant ist, dass die Preiseinbrüche von konventionell erzeugten Schweinen herrühren. Biofleisch von Schweinen und Rindern ist gefragt. Dies gilt auch für Rinder- und Schweine-Hackfleisch. Die Marktentwicklungen im Biobereich haben sich inzwischen komplett von denen im konventionellen Bereich gelöst. Öko-Schlachtschweine der Hkl. E sind seit einigen Jahren auf einem gleichbleibend hohen Preisniveau von etwa 3,80 € pro kg SG. Aber auch bei Bio-Rindern kann gegenüber konventionell erzeugter Ware mit guten Preisaufschlägen gerechnet werden.
Die Allgäu Schlachtvieh GmbH trägt in diesem Segment auch zur Stärkung der Marktpreise bei. Sie hat mit Bioland als Vertragspartner eine Kooperation begonnen. Tiere von Bioland-Betrieben werden alle 14 Tage abgenommen, die Bio-Fleisch GmbH in Augsburg beliefert den Lebensmitteleinzelhandel mit Ware u. a. von Betrieben der Erzeugergemeinschaft.

Fehlende Schlachtkapazitäten machen zu schaffen

Die abnehmende Hand hat mit weggebrochenen Schlachtkapazitäten zu kämpfen. In den Schlachtbetrieben sind Corona-Vorgaben einzuhalten: der Aufwand beim Schlachten und der Zerlegung hat sich wegen einem höheren Abstand der Mitarbeiter untereinander vergrößert. Das heißt, dass weitere Wege höhere Kosten nach sich ziehen. In den Schlachtbetrieben wird konsequent getestet, um Corona-Ausbrüche bei der Belegschaft zu vermeiden, die zu einem Aderlass beim Fachpersonal oder wiederum zeitweise Betriebsschließungen zur Folge hätten. Außerdem können schlachtreife Tiere in den ASP-Gebiet nicht termingerecht geschlachtet werden, was wiederum den Schweineproduzenten hart trifft, weil gute Qualität und der beste Preis hier ein sehr enges Geschäft sind. Generell könnte offenbar mehr verkauft werden, wenn Tiere auch zum Schlachten kommen könnten.
Auch die Preise für die Erzeuger könnten besser sein, wenn nicht die Exportmärkte u. a. wegen der Afrikanischen Schweinepest wegbrechen würden. Die Schlachtbetriebe haben Probleme, das „5. Viertel“ gewinnbringend abzusetzen. Viele Teile des Schlachtkörpers, die bei uns im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr auf den Teller kommen, hatten ihre Liebhaber z. B. in China. Aber auch Häute, die schließlich als Leder beispielsweise in der Autobranche gebraucht wurden, sind nur noch mit großen Preiszugeständnissen loszuwerden: Im Vergleich mit 2018 werden Rinderhäute aktuell mit etwa 80 % niedrigeren Preisen gehandelt. Dabei haben die Schlachthöfe wegen höherer Nebenkosten einen höheren Aufwand zu tragen. Ebenso müssen die Landwirte als Rohstofflieferant immer höhere Anforderungen erfüllen, die bei schwierigen Marktsituationen den Ruf nach finanzieller Unterstützung durch den Staat laut werden lassen. Der Lebensmitteleinzelhandel und auch die Metzgereien haben ihre Preise auf einem gleichbleibend hohen Niveau gehalten – ein „faires Handeln“ könnte bei einer großen Spanne zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis auch einen Topf füllen, der in Schieflage gekommenen Bauern oder Schlachtbetrieben eine Hilfe bieten würde.

Keine Versammlungen im Jahr 2021

Für das Jahr 2021 sind corona-bedingt keine Gebietsversammlungen vorgesehen. Planungen größerer Veranstaltungen sind z. Z. nicht möglich. Schwierig sind Prognosen für den Schlachtviehbereich für das kommende Jahr. Wenn sich nach der Corona-Pandemie mit ihren Beschränkungen eine Normalität im öffentlichen Leben abzeichnet, wird sich aber nicht nur der Schlachtvieh-Markterholen, sondern auch die Rindfleischpreise werden wieder schnell anziehen.
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