Umzug

Bildungszentrum Roggenburg - pädagogischer Hotspot

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Michael Ammich
am Montag, 12.11.2018 - 09:10

Neue Räume für Walderlebniszentrum Roggenburg.

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Roggenburg/Lks. Neu-Ulm Raus aus der drangvollen Enge und rein in geräumige, helle Büros. Mit dem Umzug aus dem Bildungszentrum in die nahegelegenen Räume der ehemaligen Sparkasse haben die Mitarbeiter des Walderlebniszentrums (WEZ) Roggenburg endlich attraktive Arbeitsplätze gefunden. Bei der feierlichen Eröffnung des Büros sprachen der Krumbacher AELF-Chef Axel Heiß und Leitender Ministerialrat Friedrich Nebl vom großen Erfolg der bayerischen Waldpädagogik, die Mensch und Wald zusammenbringt.

Leitender Forstdirektor Axel Heiß bezeichnete das Walderlebniszentrum (WEZ) in Roggenburg zur Eröffnung der Einweihungsfeier als „Hotspot der Waldpadagogik“, die seit nunmehr 20 Jahren als Bildungsauftrag zum Aufgabenfeld der staatlichen Forstbehörden gehört. Bestandteil dieser Bildungsarbeit ist auch der Waldpavillon auf dem Klostergelände neben dem Bildungszentrum für Familie, Umwelt und Kultur. Die wechselnden Ausstellungen im Waldpavillon ziehen laut Heiß jährlich rund 10 000 Besucher an. „Das zeugt vom regen Interesse der Bevölkerung an forstlichen Themen und der kreativen Gestaltung der Ausstellungen.“

Bislang residierten die Mitarbeiter des WEZ in zwei Büroräumen, die das AELF Krumbach im Bildungszentrum angemietet hatte. Die ohnehin beengten Räume mussten sie sich auch noch mit dem Ausstellungsmaterial für den Pavillon teilen, sodass es über die Jahre hinweg zu immer größerer Platznot gekommen war. Da fiel es manchem Mitarbeiter schwer, seinen Kopf freizumachen für die vielfältigen Aufgaben der Waldpädagogik. Dazu gehören neben Führungen, Veranstaltungen und der Lehrerfortbildung auch ein- bis zweitägige Programme für Schulklassen mit mehreren Modulen wie der Waldpflege, der Holzverarbeitung und des aktiven Erlebens von Wald.

Lehrrevier von den Staatsforsten

Die Bayerischen Staatsforsten stellen dem WEZ ein Lehrrevier im Roggenburger Forst zur Verfügung, in dem die Mitarbeiter gemeinsam mit den Veranstaltungsteilnehmern nach Herzenslust agieren können. „Die Ansprüche an den Wald und seine Bewirtschafter steigen in allen Bereichen“, stellte der Forstdirektor fest. Ob Holznutzung, Natur- und Klimaschutz, Arbeitssicherheit oder Erholung, das WEZ will Verständnis wecken für die natürlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge im Wald und in seiner Nutzung.
Friedrich Nebl, Leiter des Referats Waldpädagogik am bayerischen Landwirtschaftsministerium, hob in seinem Grußwort die Waldpädagogik als wichtiges Arbeitsfeld der staatlichen Forstverwaltung hervor. In diesem Bereich nehmen laut Nebl jährlich rund 180 000 Personen, darunter 120 000 Schülerinnen und Schüler, an Veranstaltungen teil. Damit dürfte das Ziel erreicht sein, dass jeder Schüler einmal ein waldpädagogisches Angebot wahrgenommen hat. Alle zwölf Walderlebniszentren im Freistaat wollen in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die vielen Funktionen des Waldes und Verständnis für die Forstwirtschaft wecken, betonte Nebl.
Wie die Waldbesitzer müssten auch die Forstleute bei ihrer Arbeit mindestens 40 Jahre vorausdenken und die anstehenden Herausforderungen frühzeitig erkennen. So entwickle sich auch das WEZ in Roggenburg beständig weiter. Die Kooperation mit dem Bildungswerk nannte Nebl einen „echten Glücksfall“, bei dem die beiden Instutionen jeweils voneinander profitierten.

Kirchlicher Segen von Pater Löschinger

Dem Direktor des Bildungszentrums für Familie, Umwelt und Kultur, Pater Roman Löschinger, blieb es vorbehalten, den neuen Büroräumen des WEZ den kirchlichen Segen zu erteilen. „Die Büros sind ein wichtiger Meilenstein in der Zusammenarbeit von Bildungs- und Walderlebniszentrum“, betonte Pater Roman. Habe die Waldpädagogik in Roggenburg vor rund zwanzig Jahren noch eher „hemdsärmelig“ begonnen, so habe sie heute eine Bedeutung gewonnen, die sich gar nicht hoch genug schätzen lasse. Der Wald gehört zur Schöpfung und diese besser verstehen zu lernen, sei ein Auftrag des Walderlebniszentrums, schloss Pater Roman seine Ansprache.
Als Leiter der Einrichtung fesselte Albin Huber die Festgäste mit einem Origami-Vortrag, in dem er die Kunst des Papierfaltens zelebrierte. Der Forstamtmann zog ein Papier nach dem anderen hervor, das er unter interaktiver Beteiligung seiner Zuhörer zu Symbolen der Aufgaben und Arbeitsabläufe des WEZ entfaltete.
„Wir möchten, dass die Menschen den Wald verstehen, ihm helfen und ihn vertreten. Wenn wir es schaffen, unseren Veranstaltungsteilnehmern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, dann haben wir schon viel erreicht“, so Huber.

Das Lächeln, das sich den Besuchern der aktuellen Ausstellung im Waldpavillon ins Gesicht zaubert, dürfte den Landwirten allerdings auf den Lippen gefrieren. Sie widmet sich nämlich dem Thema „Wolf“ und zeigt sogar ein ausgestopftes Exemplar dieses Raubtiers, das das WEZ als Leihgabe vom Nürnberger Tiergarten erhalten hat. Auf Schautafeln und eine eigene Meinung zur Wiederansiedelung der Wölfe in Deutschland haben die Forstleute des WEZ verzichtet. Die Ausstellung beschränkt sich im Wesentlichen auf interaktive Informationen, anhand derer sich die Besucher ein eigenes Bild vom „Pro und Contra Wolf“ machen sollen.