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Bildungswerk

Bildung geht uns alle an

Stärkung am Morgen: Die Augsburger Ortsbäuerinnen starten ihre Versammlungen stets mit einem reichhaltigen Frühstück. Kreisbäuerin Andrea Mayr, ihre Stellvertreterin Iris Foag und Ehrenkreisbäuerin Anni Fries (v. r.) eröffneten das Buffet.
Patrizia Schallert
am Dienstag, 18.10.2022 - 13:19

„Bildung geht uns alle an, auch die Männer.“ Mit Verve ermunterten Kreisbäuerin Andrea Mayr und BBV-Kreisgeschäftsführerin Doris Kreitner die Augsburger Ortsbäuerinnen auf ihrer Herbstversammlung in Wörleschwang die Ärmel nach der Corona-Pandemie wieder hochzukrempeln.

Wörleschwang/Lks. Augsburg - Das jährliche Mindestziel des Bildungswerks von 800 Veranstaltungen sei durch die Pandemie arg ins Wanken geraten. „Damit unser Verband die Fördergelder des Ministeriums nicht verliert, müssen wir in der Bildungsarbeit wieder in die Gänge kommen“, mahnte Kreitner.

Der BBV verfügt über ein staatlich gefördertes Bildungswerk, das nicht anders funktioniert als eine Volkshochschule, sei aber bei weitem nicht so bekannt“, erklärte Kreitner. Alle Ehren- und Hauptamtlichen des BBV seien also auch Bildungsbeauftragte.

Angebote des Bildungswerkes

Im Rahmen des Bildungswerks gebe es viele Möglichkeiten, die ein Ortsverband, mehrere Ortsverbände gemeinsam oder ein Kreisverband anbieten können. Darunter befinden sich beispielsweise:

  • Seminare und Workshops,
  • Kochvorführungen, Kochkurse,
  • Gesundheitskurse,
  • Kreativkurse,
  • Betriebserkundungen oder mehrtägige Lehrfahrten,
  • Lesungen und Filmvorführungen.

Online-Angebote seien für Ortsverbände nur schwer zu stemmen, hier könne sich die Geschäftsstelle mit ihrem Videokonferenz-System einbringen, erklärte Kreitner.

Das Ideenspektrum des Bildungswerks ist vielfältig und umfasst Themen aus den Bereichen

  • Politik und Gesellschaft,
  • Kunst und Kultur,
  • Gesundheit und Hauswirtschaft,
  • Umwelt und Ökologie,
  • erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe,
  • Arbeitswelt und berufliche Fragen,
  • Lebens- und Erziehungsfragen.

Unter „www.bbv-bildungswerk.de/ehrenamt“ findet sich ein großer Themenkatalog mit qualifizierten Referentinnen und Referenten. Eine andere Möglichkeit, Veranstaltungen zu finden, ist der aktuelle Terminkalender unter „www.bildung-beratung-bayern.de“, in dem alle bayernweiten Präsenz- und Onlineveranstaltungen eingetragen sind. Auch die BBV-Geschäftsstelle stehe den Ortsverbänden für Anfragen zur Verfügung.

Werbung erforderlich

„Die Veranstaltung muss im Vorfeld öffentlich beworben werden und ist für jedermann zugänglich, also nicht nur für BBV-Mitglieder und Personen aus der Land- und Forstwirtschaft“, erklärte Kreitner. Für jeden Teilnehmer müsse ein Lern- oder Bildungsziel gewährleistet sein.

Die Anzahl der Teilnehmer werde dokumentiert und die Veranstaltung statistisch erfasst. Die Referentenkosten (Honorar und Fahrtkosten) werden auf die Teilnehmer umgelegt. Kostenlose Referenten bekommen maximal zwei Getränke, einen BBV-Honig oder eine Packung Nudeln, die vom Geflügelhof Mayr eigens für den Verband hergestellt werden, wie Kreitner sagte. Weil jede Veranstaltung mit einem Aufwand verbunden ist, werde mit einer Teilnahmegebühr von 3 €/Person geplant, auch wenn für den Referenten keine Kosten entstehen. Allerdings werde es weiterhin kostenfreie Angebote geben müssen. Die Anmeldung und Bezahlung erfolgten vor Ort oder online unter „www.bildung-beratung-bayern.de“.

Männer müssen mit ins Boot

Kreitner legte den Ortsbäuerinnen ans Herz, die Obmänner, die ebenso Veranstaltungen organisieren könnten, mit ins Boot zu holen. Es gehe schließlich nicht immer nur um Frauenthemen und „Wie mache ich die Haare schön“. Erbrecht, Testament, Vorsorgevollmacht oder die Nutzung von Altgebäuden gingen schließlich auch die Männer an. Kreitner empfahl zudem, die Menschen aus dem Dorf anzusprechen, beispielsweise mit einer Feldbegehung. „Es ist Eure Aufgabe, also auch die der Obmänner, die Bevölkerung über landwirtschaftliche Themen aufzuklären.“

Abschließend griff Kreisbäuerin Andrea Mayr ein Thema auf, das ihr unter den Nägeln brennt: die Projektwoche zur Alltagskompetenz und Lebensökonomie „Schule fürs Leben“. Momentan habe sie das Gefühl, hier allein auf weiter Flur zu kämpfen. Dabei sei es doch so wichtig, an die Schulen zu gehen, den Kindern Wissen über gesunde Ernährung zu vermitteln und ihnen zu erklären wie moderne Landwirtschaft funktioniert. Viele Schulen wüssten immer noch nicht, wo sie sich hinwenden können. Deshalb sei es notwendig, die Werbetrommel zu rühren und auf die Lehrkräfte oder Schulleitung zuzugehen. Mayrs Appell an die Ortsbäuerinnen und deren Stellvertreterinnen schien zu fruchten, wie sich aus zahlreichen Wortmeldungen und konstruktiven Vorschlägen erkennen ließ.

Neue Geschäftsführerin

Die neue Geschäftsführerin der Augsburger BBV-Kreisgeschäftsstelle ist im BBV Schwaben kein unbekanntes Gesicht. Doris Kreitner stand den landwirtschaftlichen Betrieben in den Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg bereits von 2008 bis 2017 als kompetente Fachberaterin für die Bereiche Bauleitplanung, Mehrfachanträge und Nährstoffvergleich zur Seite und war in der Sozialberatung tätig. Dafür ließ sich die 47-Jährige auch zur Mediatorin ausbilden.

Von 2017 bis August 2022 beschäftigte sich die gebürtige Oberbayerin in der Geschäftsführung des Bildungswerks Schwaben hauptsächlich mit Umweltthemen. Neben der Betreuung von Erzeugergemeinschaften in den Bereichen Getreide, Raps und Milch fungierte sie als Öko-Beauftragte für Schwaben. Letzteres Wirkungsfeld will sie auch weiterhin ausüben. Nach ihrer Ausbildung zur Gärtnerin, Fachrichtung Baumschule, und einem landwirtschaftlichen Auslandspraktikum in Irland (Milchvieh und Schafe) schloss Kreitner ihr Studium an der FH Weihenstephan mit Schwerpunkt Tierische Erzeugung als Agraringenieurin ab.