Insekten

Bienenpflanze: Welche wird am stärksten beflogen?

Patrizia Schallert
am Donnerstag, 07.11.2019 - 07:34

Mit Klaus Körber hatte der Dillinger BBV-Kreisverband einen Referenten eingeladen, der aus jahrzehntelanger Erfahrung weiß, welche Blumen, Gehölze und Bäume dem Klimawandel trotzen und ein wahrer Segen für Bienen und andere Insekten sind.

Klaus Körber

Gottmannshofen/Lks. - Dillingen Politik und Gesellschaft betrachten die Landwirtschaft als einen der Hauptverursacher des Klimawandels. Dabei wird vergessen, dass die bäuerlichen Familien zu den Hauptbetroffenen der Erderwärmung gehören. Auf der Herbsttagung der Dillinger Ortsbäuerinnen stellte Klaus Körber von der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim Kultur- und Gartenpflanzen vor, die auch höheren Temperaturen und längeren Trockenphasen trotzen können und darüber hinaus eine wertvolle Nahrungsquelle für Bienen und Insekten darstellen.

Eröffnet wurde die Versammlung in Gottmannshofen von Kreisbäuerin Annett Jung. Sie sprach die Widrigkeiten an, die die bäuerlichen Familien durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Kauf nehmen müssten. Die Landwirtschaft werde an den Pranger gestellt, obwohl sie der praktische Teil der Lösung sei. „Von Forderungen und Anfeindungen kann niemand herunterbeißen. Wir sind es, die die Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgen und dafür tagtäglich unsere Felder bewirtschaften und in den Stall gehen.“ Es gebe genug Möglichkeiten, wie jeder Einzelne zur Artenvielfalt beitragen kann.

Die Welt ein bisschen zum Positiven verändern

Mit Klaus Körber hatte der Dillinger BBV-Kreisverband einen Referenten eingeladen, der aus jahrzehntelanger Erfahrung weiß, welche Blumen, Gehölze und Bäume dem Klimawandel trotzen und ein wahrer Segen für Bienen und andere Insekten sind. „Retten kann die Welt keiner mehr, aber ich möchte sie ein bisschen zum Positiven verändern“, sagte der Leiter des Versuchsbetriebs Obstbau und Baumschule an der LWG in Veitshöchheim. Beim Artenschutz sei jeder gefordert. „Wenn alle etwas tun, ist das weit besser, als mit dem Finger auf andere zu zeigen.“ So werden in Veitshöchheim auf 10 ha vor allem Versuche für Gärtner gemacht, weil es auch in Deutschland zunehmend trockener und heißer wird. Körber liegt besonders das Thema „Klimabäume“ am Herzen, die allerdings kaum mehr heimischen Ursprungs sind. „Für mich ist es unerheblich, ob die Baumarten heimisch sind oder nicht. Was nützt es, wenn sie autochthon sind, aber wegen der Hitze, Trockenheit und Schädlingskalamitäten der Reihe nach eingehen.“

Noch vor 30 Jahren seien einfach nur schöne Blumen und Sträucher gepflanzt worden. „Heute müssen wir darauf achten, dass überhaupt noch etwas wächst.“ Deshalb pflanzen Körber und sein Team auf den Versuchsflächen seit vier Jahren mehr als 400 verschiedene Baumarten aus der ganzen Welt an. „Wir testen ihre Klimastabilität nicht für die Menschen heute, sondern für die kommenden Generationen.“ Künftig werden Pflanzen benötigt, die mehr mitbringen als Schönheit, beispielsweise dickere Blätter, die mehr Wasser speichern können. Ein weißer Anstrich der Baumstämme fährt die Temperatur der Bäume um durchschnittlich fünf Grad herunter. Körber ist überzeugt, dass in Zukunft die Bewässerung neu gepflanzter Bäume über viele Jahre hinweg notwendig wird.

Bienen fliegen auch nicht heimische Pflanzen an

Ortsbäuerinnen Dillingen

Weiter sei es eine Irrmeinung, dass nur heimische Pflanzen, Gehölze und Bäume von Bienen und Co beflogen werden. „Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Insekten auch die nicht ursprünglich aus Deutschland stammenden Gewächse akzeptieren.“ Die Biene nehme in der Hierarchie der Nutztiere nach Rind und Schwein den dritten Platz ein und zwar nicht aufgrund ihrer Honigproduktion, sondern aufgrund ihrer Bestäubungsleistung. „Bienen gibt es seit 120 Mio Jahren und wir sind gut beraten, ihren Fortbestand zu sichern“, mahnte Körber. Deshalb hatte der Experte den Bäuerinnen eine zweiseitige Liste mitgebracht, auf der er nach bestem Wissen und Gewissen ein „Bienentrachtfließband“ erstellt hat. „Wir müssen für die Insekten vom Frühjahr bis zum Spätherbst durchgehend Nahrungsquellen bereithalten.“ 

Pflanzen, die vor den Obstbäumen, also schon im März blühen, sind die Baum-Hasel (Corylus colurna) oder der Schneeball (Viburnum), der bereits Mitte Februar die Bienen mit seinem guten Duft anlockt. Die gelbe Farbe des winterblühenden Jasmin wird ebenfalls sehr gut beflogen. Die Winterduft-Heckenkirsche (Lonicera purpusii) hat eine lange Blütezeit und ist bei Hummeln äußerst beliebt. „Wenn im Garten nichts wächst, diese Pflanze wächst immer.“ Weiter empfahl Körber das Anpflanzen von Weiden, die sehr gute Pollen- und Nektarlieferanten sind. „Hier möchte ich allerdings einen Appell an alle Gärtner und Hobbygärtner richten, nämlich die Kopfweiden nicht zurückzuschneiden, solange sie blühen.“ Die Trauerweide (Salix babylonica) sei eine der schönsten Frühjahrsblüher, die viel Schatten bietet. „Wir sind gut beraten, wenn wir künftig schnell wachsende und schattenspendende Gehölze pflanzen.“

Dem Trend zu kleinen Bäumen in Siedlungsgebieten spielen die Kornellkirsche, Blut- und Goldjohannesbeere zu. Sie sind mehr als nützlich für die Insektenwelt. Die Vogelkirsche (Prunus avium) ist ein Zukunftsbaum für Waldränder und ein hervorragendes Bienengehölz, weil sie recht früh blüht. Der Spitzahorn (Acer platanoides) ist ein wichtiger Baum in der freien Landschaft. „Es gibt zahlreiche verschiedene Ahornsorten, aber der Feldahorn (Acer campestre) ist der Gewinner im Klimawandel, weil er sehr hitze- und trockenheitsbeständig ist.“ Der Bergahorn (Acer pseudoplatanus) hingegen sei in Franken bereits dem Tod geweiht.

Kastanie ist ein guter Bienenbaum

Ein guter Bienenbaum, den auch Hummeln nicht verschmähen, ist die Kastanie (Castanea). Während Körber im Flieder noch keine Bienen beobachten konnte, wird der Goldregen (Laburnum) gut beflogen. „Wir werden künftig ganz andere Gärten bekommen und irgendwann wird es verboten sein, Gärten zu gießen“, prognostizierte der Experte. Die Berberitze ist eine Bienentrachtpflanze, die gut mit der Trockenheit zurecht kommt. Die im Mai blühendenden Gehölze wie Kirschlorbeer, Weiß- und Apfeldorn werden ebenso fleißig beflogen. Ein wichtiger Bienenbaum für Imker ist die im Mai/Juni blühende Akazie (Acacia). „Ganz verrückt sind die Bienen auf alle Cotoneaster-Arten, eine Kernobst-Pflanzengattung aus der Familie der Rosengewächse. Auch die Vögel lieben diese Sträucher wegen ihrer Früchte.“

Gehölze, die zeitgleich mit der Robinie bis zur Linde, also ab der zweiten Maihälfte blühen, sind der Feuerdorn, portugiesische Lorbeer oder die duftende Kletterhortensie. „Letztere ist ein wahrer Insektenmagnet.“ Rosen, Katzenminze, Steppensalbei oder Lavendel gehören laut Körber in jeden Garten. Top-Bienenrosen sind beispielsweise die Sorten „Westzeit“, „Westerland“, „Marie Curie“ oder „Summer of Love“. Auch die Bergminze (Calamintha nepeta) ist ein Traum für Insekten und eignet sich für kleine Flächen. Ein Muss für jeden Garten sei das Patagonische Eisenkraut (Verbena bonariensis). Es blüht ab Juli und manchmal bis Heiligabend.

Ein aromatischer Hitzekünstler ist die Blauraute (Perovsika atriplicifolia). „Sie kommt mit ganz wenig Wasser zurecht und ist eine hervorragende Bienenweide.“ Die Bartblume (Caryopteris clandonensis) sorgt im August für reinste Bienenorgien. Zu gut beflogenen Gehölzen, die nach den Linden von Juli bis September blühen, zählen der Kletterwein, die Strauchkastanie, der Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch (Heptacodium miconioides) oder der Efeu. Letzterer ist ein Profiteur vom Klimawandel, weil ihm weder Hitze noch Trockenheit etwas anhaben.

Misteln sind eine Bedrohung für Bäume

„Eine Bedrohung für die Bäume, besonders in Streuobstwiesen, ist die Mistel“, warnte Körber. Sie sei auf dem Vormarsch und habe enorm zugenommen. „Ganz gleich, was der Naturschutz sagt: Wehret den Anfängen.“ Hervorragende Bienentrachtbäume für Baugebiete sind Sommer-, Winter- und Silberlinden. „Beim Japanischen Schnurbaum (Sophora japonica) geht bei den Immen die Post ab. Der Tausendblütenstrauch (Tetradium daniellii) wiederum ist der Bienenbaum schlechthin, benötigt allerdings einen geschützten Standort. Die Henrys Linde (Tila henryana) ist die spätest-blühende Bienentracht mit starkem Duft. „Die Bienen besuchen sogar die abgefallenen Blüten am Boden“, weiß Körber. Das Infoblatt zum „Bienentrachtfließband“ kann unter „klaus.koerber@lwg.bayern.de“ angefordert werden.

In einem weiteren Vortrag ermahnte BBV-Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer die Ortsbäuerinnen, die Nachlass- und Vorsorgeplanung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Für alle, die sich mit diesem Thema immer noch nicht beschäftigt haben, werden wir demnächst ein Tagesseminar zusammenstellen.“ Jeder sollte an den Ernstfall denken und seine Angelegenheiten frühzeitig ordnen. „Die Erfahrung zeigt: Wo es nicht gemacht wurde, wird es hart.“
Kreisobmann Klaus Beyrer lobte das beispielhafte Engagement der Ortsbäuerinnen und ihrer Stellvertreterinnen im Verbraucherdialog. Noch mehr gefordert sei jedoch die Politik. Sie müsse für die heimische Landwirtwirtschaft Rahmenbedingungen schaffen, die den bäuerlichen Familien ein wirtschaftliches Arbeiten ermöglichen. „Das gilt nicht nur für den Markt vor der Haustüre, sondern für den Weltmarkt.“ Weiter stellte der Kreisobmann klar: „Dass die bayerische Kulturlandschaft so gut dasteht, ist ein Verdienst der heimischen Landwirtschaft und nicht des Bibers oder eines 16-jährigen, schulschwänzenden Rotzlöffels, der durch die Lande tingelt und die Menschen belügt.“