Imkern

Das Bienenjahr geht zu Ende

Biene
Brigitte Früh
Brigitte Früh
am Freitag, 30.07.2021 - 13:32

Im Juli ist es Zeit zum Abschleudern und zur Varroabehandlung. Danach geht es um die Vorbereitung auf den Winter.

Das Bienenjahr neigt sich jetzt dem Ende zu. Für den Imker und seine fleißigen Helferinnen endet es nämlich nicht kalendarisch im Dezember, sondern bereits nach dem letzten Schleudern im Jahr, dem Abschleudern. In unserer Region ist das in der Regel Mitte bis Ende Juli der Fall. Alles, was danach zu tun ist, dient der Vorbereitung auf den Winter und die nächste Saison und zielt in erster Linie darauf ab, die Bienenvölker gesund zu erhalten und mit ausreichend Wintervorrat zu versorgen.

Bienen-Varroa-Verdunster

Wird die Varroamilbe nicht bekämpft, kann sie sich ungezügelt vermehren und ein Bienenvolk massiv schwächen und zugrunde richten. Eine Ausrottung des Schädlings ist nach derzeitigem Wissensstand leider nicht möglich, weil mit keiner Bekämpfungsmaßnahme alle Milben beseitigt werden können und weil Bienen die Eigenschaft haben, geschwächte Völker auszuräubern. Dabei tragen sie nicht nur geraubtes Futter, sondern „huckepack“ auch die Milben in ihr eigenes Volk. Eigentlich gut betreute und behandelte Völker haben dann plötzlich wieder eine hohe Milbenlast.

Nach dem Abschleudern steht die Bekämpfung des Bienenschädlings Nummer eins, der Varroamilbe, im Fokus. Der Schädling, der vor rund 40 Jahren aus Asien eingeschleppt wurde, saugt an den Organen und dem Bienenblut und schädigt so die Vitalität der Immen. Darüber hinaus übertragen die Milben Bienenkrankheiten. Die Varroamilbe ist in der westlichen Welt omnipräsent, das heißt, es gibt praktisch kein Bienenvolk, in dem der Schädling nicht vorhanden ist.

Ausrottung nicht möglich

Ziel aller imkerlicher Maßnahmen zur Bekämpfung der Varroamilbe ist es, den Milbenbefall möglichst gering zu halten, so dass er unterhalb der Schadschwelle liegt. Das setzt voraus, dass der Imker das ganze Jahr über den Milbenbefallsgrad in seinen Völkern im Auge behält und regelmäßig kontrolliert. Zum Beispiel, indem er den natürlichen Milbentotenfall auf einem unter der Beute eingeschobenen Bodenschieber auszählt und daraus auf den Befallsgrad schließt.

Bienen-Varroa-Verdunster-aufsetzen

Für die Varroabehandlung gibt es eine Vielzahl an Verfahren, die zu verschiedenen Zeitpunkten angewendet werden können. Vor und während der Honigsaison, also ab Januar bis zum Abschleudern im Juli, dürfen keine synthetischen oder chemischen Behandlungsmittel zum Einsatz kommen, um Rückstände im Honig auszuschließen. Sollte eine solche Behandlung aus Gründen des Tierwohls unumgänglich sein, darf von diesem Volk kein Honig gewonnen werden.

Doch gerade während der Trachtzeit pflegen die Bienen viel Brut, in der sich die Milben vermehren. Die Milbenlast steigt deshalb im Verlauf der Saison mit zunehmender Brut steil an und kann im Juli die Schadschwelle überschreiten, vor allem wenn die Ausgangsmilbenlast schon hoch war. Dann hilft nur noch schnell abschleudern und sofort behandeln.

Um den Anstieg des Milbenbefalls während der Tracht- und Brutzeit einzugrenzen, stehen medikamentenfreie Verfahren zur Verfügung, etwa die mehrfache Entnahme von Drohnenbrut, in der sich die Varroamilbe bevorzugt vermehrt. Weitere biotechnische Verfahren, die mit mehr oder weniger Zeit- und Materialaufwand verbunden sind, basieren darauf, durch die Entnahme der verdeckelten Brut die Milbenlast zu verringern, verbliebene Milben mit einer Bannwabe zu fangen oder eine künstliche Brutpause zu erzeugen und dadurch die Milbenvermehrung zu verhindern.

Ameisensäure verdunstet

Die gängigste Methode, die unmittelbar nach dem Abschleudern für Völker mit Brut zum Einsatz kommt, ist das Verdunsten von 60-%iger Ameisensäure ad us. vet. Dafür gibt es spezielle Applikatoren, etwa den Nassenheider professional Verdunster. Dieser wird je nach Volks- und Beutengröße mit der richtigen Menge Säure und der passenden Dochtgröße bestückt und auf die Oberträger des Volkes gesetzt. Über einen Zeitraum von sieben bis zehn Tagen verdunstet die Ameisensäure.
Bienen-Varroa-Oelwindel

Die richtige Dosierung vorausgesetzt, wird der Ameisensäuredampf in der Stockluft von den Bienen vertragen, tötet aber die auf den Bienen aufsitzenden Milben und die Milben in den verdeckelten Brutzellen. Die Behandlung wird vier bis fünf Wochen später nach dem Einfüttern wiederholt, falls der Milbenbefall noch zu hoch ist. Nach der Sommerbehandlung sind die Bienen in der Lage, gesunde Winterbienen zu erbrüten.

Für diese Behandlung muss auch das Wetter passen: Im Behandlungszeitraum sollten die Temperaturen zwischen 20 und maximal 30 Grad liegen. Ist es wärmer, ist die Verdunstung zu hoch und der Applikator sollte an den heißen Tagen entnommen werden. Viele Imker nutzen zur Einschätzung der kommenden Witterungsverhältnisse und des Behandlungserfolges die Plattform „Varroawetter“ der Bieneninstitute (www.varroawetter.de).

Im Winter, nach einem Kälteeinbruch, hören die Bienen meist zu brüten auf. In der Folge sitzen alle verbliebenen Milben auf den Bienen, die sich bei Kälte in der Wintertraube zusammendrängen. Dann kann durch Aufträufeln einer Oxalsäuredihydratlösung in die Wabengassen dem Großteil der Milben der Garaus gemacht werden, so dass die Völker mit möglichst geringer Milbenlast in die neue Saison starten. Diese Restentmilbung muss bis spätestens Ende Dezember abgeschlossen sein.

Der im deutschsprachigen Bereich übliche Einsatz von organischen Säuren (Ameisen-, Oxalsäure) macht zwar mehr Arbeit, hinterlässt jedoch keinerlei Rückstände in den Bienenprodukten. Deshalb zählen die heimischen Bienenprodukte zu den saubersten weltweit.