Imkerei

Beuten, Wachs und Futter im Fokus

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Lorenz Märtl
am Montag, 22.02.2021 - 17:17

Die Zahl der Bioland-Imker hat sich seit 2013 fast verdoppelt. Für den Einstieg gab es nun bei der Biolandwoche praktische Tipps.

Es besteht großes Interesse am Einstieg in die Bioland-Imkerei: Über ein Drittel der Teilnehmer an der gleichnamigen Online-Veranstaltung im Rahmen der diesjährigen Bioland-Woche will durchstarten. Die Zahl der Bioland-Imker hat sich seit 2013 fast verdoppelt und beträgt aktuell 514. Der Schwerpunkt ist Bayern und Baden-Württemberg. Über die Hälfte betreibt die Bioland-Imkerei im kleinen Rahmen mit bis zu 29 Völkern, ein Viertel macht es im Nebenerwerb (30 bis 70 Völker) und 18 % (93) hauptberuflich. Sie betreuen ca. drei Viertel der rund 40 000 Völker im Bioland-Verband.

Was Neueinsteiger und Umsteller alles beachten müssen verdeutlichten der Landesvorsitzende von Bioland Baden-Württemberg, Wolfgang Markowis, Imker seit 1999 und Bioland-Imker-Fachberater, Imkermeister Hans Rosen.

 

An erster Stelle steht der Kontrollvertrag

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Die Imkerei unter den Vorgaben von Bioland zeichne sich besonders dadurch aus, dass es keine wie auch immer bedenklichen Tierarzneimittelrückstände gibt, durch ein sauberes Wachs, die Beachtung der Lebensdynamik der Bienen, die Nutzung nachhaltiger Materialien, die Arbeit unter dem ökologischen Gedanken und eine unabhängige, konsequente Kontrolle, die sicherstellt, dass die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung sowie die zusätzlichen Vorgaben von Bioland eingehalten werden.

Wer Bioland-Imker werden will muss drei Punkte im Fokus haben: Beuten, Wachs und Futter. Wichtigster Schritt vor jeglichen Aktivitäten ist der Abschluss des Kontrollvertrags. Mit dem Bioland-Berater wird nach Aufnahme des bisherigen Bestandes ein Umstellungsplan erstellt. Generell dauert dieser Zeitraum mindestens ein Jahr, wobei Stichtag der Vertragsabschluss ist. Wer gleich nach Abschluss des Kontrollvertrages mit Bioland-zertifizierten Völker startet, spart sich die Umstellungszeit.

Vorhandene Beuten können bis zum natürlichen Verschleiß weiter genutzt werden, wenn sie weder Kunststoff noch andere nicht-ökologische Materialien enthalten, nicht mit pestizidhaltigen Farben behandelt und bisher keine bedenklichen Medikamente eingesetzt wurden. Besteht ein Anstrich, dann muss dieser „richtlinienkonform“ aus Naturfarben bestehen, biozidfrei und ohne chemische Trockner sein.

Was Wabenbau und das Wachs betrifft, muss das gesamte konventionelle Wachs entfernt werden. Bereits vor Vertragsbeginn eingesetztes Bio- oder Bioland-Wachs wird nicht anerkannt. Die Methode des Wachsaustauschs ist abhängig von der Ausgangsbelastung. Ist diese unklar, sollte auf jeden Fall eine Wachsanalyse durchgeführt werden. Bei sehr geringer Belastung ist ein wabenweiser Wechsel möglich, bei belastetem Wachs ist nur das Kunstschwarmverfahren empfehlenswert. Zur Umstellung ist der Zukauf von Bioland-Wachs erlaubt, das entweder bei einem zertifizierten Umarbeiter oder über die Bioland-Imkerbörse erhältlich ist.

Kunstschwarmverfahren oder Zukauf?

Für den Naturwabenbau sollte man den Bienen Bauhilfen wie Anfangstreifen, abwechselnd mit Mittelwänden, geben. So könne man für eine ständige Erneuerung des eigenen Wachses sorgen. Wobei aber zu berücksichtigen sei, dass Bienen – um Wachs zu schwitzen und Waben auszubauen – ausreichend Futter brauchen. Gerade bei (Kunst-)Schwärmen oder Ablegern sei bis etwa Mitte/Ende Juli ein stetiger Futterstrom wichtig.

Bio-Bienen-Futter

Die Umstellung kann entweder durch das Kunstschwarmverfahren im Frühjahr (April) oder Spätsommer (Juli) oder den Verkauf der eigenen Völker und Zukauf von Bioland-Völkern nach Abschluss des Kontrollvertrags im Frühjahr erfolgen. Letzteres hat vor allem den Vorteil, dass es keine Umstellzeit und keinen Wachsaustausch braucht, schon im ersten Jahr Bioland-Honig erzeugt wird, eine normale Völkerführung mit effizienter Varroa-Behandlung sowie Völkervermehrung und der Aufbau des eigenen Wachskreislaufs erfolgen können.

Entscheidet man sich für das Kunstschwarmverfahren bleiben nach einer Modellrechnung pro Volk auf der Habenseite im Umstellungsjahr 29 €, während es beim Zukauf bereits im ersten Jahr 144 € sind. Für die Fütterung dürfen ab Vertragsabschluss ausschließlich Bioland-Futtermittel eingesetzt werden.

Den Standort sorgsam wählen

Sorgsam wählen sollte man den Standort für die Bienenvölker, „denn Bienen fliegen überall hin.“ Bio-Bienen müssen daher auf ökologisch bewirtschafteten Flächen stehen und auch bei Wanderungen sollte man die Standorte so wählen, „dass es den Bienen gut geht“. Wichtig sei auch eine Wasserstelle in der Nähe.

Für Neueinsteiger stellt sich die Frage nach der Bienenrasse. Nachdem es die „heimische deutsche Biene“ nicht mehr gibt, sollte man auf die Erfahrungen etablierter Imker zurückgreifen und „regional gut etablierte Völker“ mit gültigem Gesundheitszeugnis anschaffen. Auch bei den Bienen stehe das Thema Tierwohl mit im Fokus. Für die Varroabehandlung und Völkergesundheit dürfen nur zugelassene Tierarzneimittel und Methoden angewandt werden.
Was den Preis des Honigs, den man auf vielfältigste Art und Weise vermarkten kann, angeht, sollte man mutig sein und alle Kosten im Blick haben. Das Produkt sollte keinesfalls unter Wert verkaufen werden. „Honige, die bio und regional sind, kommen beim Verbraucher an.“

Die Ansprechpartner

  • Grund und Umstellungsberatung: Bayern: Hans-Peter Metz, Tel.: (0821)34680-164, Mail hans-peter.metzt@bioland.de
  • Baden-Württemberg: Birgit Eßlinger, Tel.: 0711/550939-47, Mail: birgit.esslinger@bioland.de