Waldumbau

Bergwaldoffensive: Corona hat alle Pläne durchkreuzt

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Susanne Lorenz-Munkler
am Montag, 07.12.2020 - 09:14

Die bereits geplanten Projekte der Bergwaldoffensive können nicht gestartet werden.

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„Wir haben in den 13 Jahren unseres Bestehens etwa. 8,5 Millionen Euro ausgegeben und ungefähr 2000 Maßnahmen im Projektgebiet der Bergwaldoffensive durchgeführt. Wir hatten es mit ungefähr 40 000 Waldbesitzern zu tun“. Beeindruckende Zahlen, die Klaus Dinser, der Allgäuer Schutzwaldmanager beim Pressegespräch präsentiert. Dabei seien bei diesen Zahlen die Personalkosten noch gar nicht berücksichtigt. Die Bergwaldoffensive (BWO) verfolgt das Ziel, Bergwälder an den Klimawandel anzupassen und sie nicht zu Sanierungsfällen werden zu lassen .

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Der Beiratsvorsitzende Anton Klotz blickte auf die vergangenen 13 Jahre zurück: „Damals war die Erkenntnis, dass man auf dem Sektor des Waldumbaus dringend etwas tun muss, da aufgrund des Klimawandels der Schutzwald in Gefahr gerät. Was damals als Spielwiese begonnen wurde, ist mittlerweile zu einer wirklich existenziellen Aufgabe für die Forstverwaltung im Interesse der Menschen im Alpenraum geworden. Diese Aufgabe wird angesichts dessen, dass der Klimawandel rasant voranschreitet, immer bedeutungsvoller.“

Man habe bisher dank fachlich bester Beratung sehr viel erreicht im Oberallgäu, so der ehemalige Oberallgäuer Landrat. Dennoch müsse man dringend noch mehr tun! „Es ist unsere zentrale Forderung an die bayerische Staatsregierung, dass von dort nicht nur Lippenbekenntnisse kommen. Wir brauchen speziell für den Bereich der Bergwaldoffensive mehr Personal und mehr Geld.“ In Zukunft müsse auch ein größerer Fokus auf das Zusammenwirken mit der Jagd gelegt werden. „Wir haben eine gemeinsame Aufgabe, die existenziell für die Menschen im Alpenraum sein wird“, so Klotz.

Im Standby-Modus

Klaus Dinser bekräftigte diese Forderungen: „Wir haben seit 2018 drei unbefristete Mitarbeiter. Die stemmen zurzeit 15 Projektgebiete. Das ist viel. Davon sind zwei Projektgebiete neu: Das eine ist das Projektgebiet Hauchenberg/Stoffelberg bei Waltenhofen, das andere das Gebiet „Gunzesried/Blaichach“. Zwei der 15 Projektgebiete sind im Standby-Modus. Blaichach, weil es schon abgeschlossen ist, und Anatswald-Leiterberg bei Oberstdorf aus jagdlichen Gründen.

„Balderschwang steht leider nach wie vor auf der Warteliste“, ergänzte Klotz. Vor fast genau einem Jahr zerstörte eine Lawine dort Teile eines Hotels. Jetzt sei eine Lawinenschutz-Verbauung notwendig, die aber frühestens nächstes Jahr komme. Man habe sich deshalb darauf geeinigt, dass eine spezielle Pistenraupe organisiert wird und dann, wenn tatsächlich sehr viel Schnee fallen sollte, die diesen festwalzen soll. Das Projekt sei bisher an den abnormalen Vorstellungen der Grundbesitzer gescheitert. „Wir von der Bergwaldoffensive können nicht einsteigen, solange wir uns nicht mit den Grundbesitzen am Runden Tisch geeinigt haben.“

Für die Projektierung braucht es Waldbesitzerversammlungen

Aber Runde Tische gab es 2020 wegen Corona nicht. Solche Waldbesitzerversammlungen seien aber unabdingbar bei der Projektierung eines Gebietes. Das betonte der stellvertretende Forstamtsleiter, Forstdirektor Peter Titzler. „Wir waren in unserem neuen Projektgebiet am Hauchenberg zum Beispiel nicht in der Lage, die ca. 250 Waldbesitzer denen etwa 1000 ha Wald gehören, einzuladen. Wir haben sie dann halt angeschrieben und sie befragt: Was erwartet ihr von der BWO, was wären eure besonderen Anliegen? Wir haben 80 Rückmeldungen bekommen. Was die Leute geantwortet haben, deckt sich konkret mitunserem Arbeitsauftrag. Große Verjüngungsbestände, zukunftsfähige Nachfolgebestockungen, Mischwälder, Verbesserung punktueller Erschließung, revierübergreifende Jagd. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Projekt schnell und erfolgreich abgeschlossen werden kann ist groß, „weil die Waldbesitzer die richtige Gesinnung haben und motiviert sind. Jedes der Projektgebiete hat ein eigenes Drehbuch“.

Wie profitiert der Waldbesitzer von der Arbeit der Bergwaldoffensive? Dinser: „Es gibt tolle Fördermöglichkeiten, kostenlose Beratung und letztendlich führt unsere Arbeit auch zu einer Wertsteigerung des Waldes. Die bayerische Förderung in diesem Jahr ist genial. Von der Planung bis zur Umsetzung muss der Waldbesitzer gar nichts machen, außer zu unterschreiben, sofern er einen standortgemäßen Bergmischwald will. Und er muss auf der Jagdversammlung mit dem Jagdpächter kooperieren und nachfolgende Pflege gewährleisten.“

Peter Titzler zeigte die Gesamtsituation des Walds auf: Die letzten Jahre waren für den deutschen Wald schlecht. 300 000 ha sind in Deutschland regelrecht verdurstet. Sturm Sabine und Käferanfälle wie noch nie. Wir hatten im Oberallgäu noch nie 130 000 fm Schadholz im Privat- und Körperschaftwald in einem Jahr, die über Förderanträge gelaufen sind. Das fordert die Verwaltungen, die Grundbesitzer und die Jagd. Neue zusätzliche Aufgabenstellungen kommen auf uns zu, wir werden wenig Zeit haben, um auf diesen Schadflächen eine vernünftige Bestockung hinzubringen, die die nächsten hundert Jahre überlebt. Das sind kolossale Herausforderungen.“

Klimawandel bringt rasend schnelle Veränderungen

Und Schutzwaldmanager Klaus Dinser betont: „ Die Veränderungen sind so groß, dass wir uns da herantasten müssen angesichts des rasend voranschreitenden Klimawandels. Wir gehen jetzt von Kenntnissen der jetzt bestehenden Verhältnisse aus. Wer weiß, ob sie sich in den nächsten 10 bis 20 Jahren so abspielen, dass die heute von uns gepflanzte Bäumchen wachsen können. Wenn sich diese Modelle ändern, und davon ist auszugehen, dann wird es wirklich schwierig. Und es eilt. Und wir haben immer noch zwei Projektgebiete , wo wir noch keine runden Tische durchführen durften. Corona hat uns ganz schön aus der Bahn geworfen.“

Der neue Beirat wird noch benannt werden, sobald die Pandemie das zulässt. Die hiesige Politik soll dabei gestärkt werden, um bessere Kontakte nach München zu haben. Um digitale Netzwerke zu bilden, wurde einen Influencerin beauftragt, die ab Mitte Ende November die BWO unter anderem auf Facebook und Instagram präsentieren wird. Damit will man die Jugend erreichen.

Arbeitsschwerpunkte der BWO

Grünten:

  • Erschwerte Bringung in Bereichen mit hohem Schadholzanfall
  • Sanierung eines Forstweges und zudem Neubau eines Forst- und Rückeweges im Burger Wald
  • Aufarbeitung von Sturmholz und Borkenkäferbekämpfung

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Hirschberg:

  • Groß angelegte, aufwändige Wegesanierung „Silbergrube“ und „Rissiger Stein“ (gesamt 4 km)
  • Durchführung von Jungwuchspflege und Jungdurchforstungen

Hintersteiner Tal:

  • Waldbegang zur Situation der Waldverjüngung im Bereich Wildfräuleinsteig/ Köpfle mit den Mitgliedern des Runden Tischs
  • Betreuung der Pflanzaktion „Mein Baum für Hindelang“, bei der gemeinsam mit Urlaubsgästen wöchentlich Bäumchen am Burgschrofen gepflanzt und Inhalte zum Bergwald vermittelt wurden
  • Anlage einer Schussschneise im Bereich des Parkplatzes „Auf der Höh“ zur besseren Bejagung der Sonnseite Hinterstein

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Rottachberg:

  • Abschluss der Arbeiten am neuen Forstweg Hinterberg-Brackenberg
  • Grenzfestellungen
  • Pflege und Durchforstung von mehreren Jungbeständen
  • Aufarbeitung von Sturmholz und Borkenkäferbekämpfung
  • Ausarbeitung und erste Umsetzung eines Besucherlenkungskonzeptes in Zusammenarbeit mit dem ZNAlp)

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Sonnenköpfe:

Zahlreiche geförderte Wiederaufforstungen mit Fokus auf der Einbringung von Mischbaumarten (Weißtanne, Buche, Bergahorn, Lärche)

  • Zwei Wegebauprojekte: Sanierung eines Rückewegs am Sonthofner Hörnle und Ausbau/ Neubau des Rückewegs ausgehend von der Unteren Richteralpe, Reichenbach

Pflege und Durchforstung von Jungbeständen

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Anatswald-Leiterberg:

  • Verbissmonitoring durchgeführt
  • Schutzwaldsanierung (Pflanzungen, Waldschutz, Steigbau).