Biodiversität

Bayern will Vorzeigeland für den Artenschutz sein

Artenschutzzentrum  (1)
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am Montag, 27.07.2020 - 10:57

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber gibt den Startschuss für das Artenschutzzentrum in Augsburg.

Augsburg - Um den Artenschutz in Bayern weiter voranzubringen, erfolgte nun der offizielle Startschuss für das neue Bayerische Artenschutzzentrum in Augsburg. „Das Artenschutzzentrum soll ein Leuchtturm für die Artenvielfalt werden“, erklärte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber. Man bündele hier das Know-how für den Arten- und Biotopschutz. Das Zentrum treibe Pilotprojekte und Artenhilfsprogramm voran. Gerade diese Hilfsprogramme seien der Rettungsschirm für die Artenvielfalt und hier soll das Artenschutzzentrum eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Volksbegehren Plus spielen.

Das Artenschutzzentrum basiert auf drei Säulen:

  • Vernetzung mit der Wissenschaft,
  • flächendeckendes Arbeiten in der Praxis mit konkreten Artenhilfsprojekten sowie
  • begleitende Öffentlichkeitsarbeit.

Mit dem Artenschutzzentrum wolle man ein neues Level beim Artenschutz erreichen, betonte Glauber. „Wir haben das große Ziel, den Artenschwund in Bayern zu stoppen.“

Rote Liste fortschreiben

Insgesamt 25 Stellen wurden für das Artenschutzzentrum neu geschaffen. Eine zentrale Aufgabe der neuen Mitarbeiter wird die Fortschreibung der Roten Liste sein. Etwa die Hälfte der heimischen Arten stehe nach Angaben des Landesamts für Umwelt auf der Roten Liste gefährdeter Tiere und Pflanzen in Bayern. Derzeit werde zudem ein Biotop-Verbundkonzept erstellt. Hier, so bedauerte der Minister, müsse man leider oft auf veraltete Daten zurückgreifen, deshalb sei es immens wichtig, ein aktuelles Bild aus ganz Bayern zu zeichnen. Einen Zeitraum von zwei Jahren hat sich das Artenschutzzentrum für diese Aufgabe gestellt. Ein weiteres Projekt sei die Erstellung eines umfassenden bayerischen Pflanzen-Informationssystems. Dies soll in Zusammenarbeit mit der Botanischen Staatssammlung München geschehen.

Glauber sieht bei den Aufgaben des neuen Artenschutzzentrums drei Schwerpunkte. Zum einen sollen Daten gesammelt werden für ein breites Expertenwissen, daneben die daraus entstehenden Ideen in die Fläche getragen werden. Zum anderen wolle man viel in die Öffentlichkeitsarbeit investieren und Kommunen, Bürger und die Landwirtschaft mit ins Boot holen. Der Minister betonte, dass er auf die Menschen vor Ort vertraue, die ihre Umgebung besonders gut kennen. Man brauche diese Fachkenntnis, denn das Land, die Kulturlandschaft sei so unterschiedlich, dass es keinen Sinn mache, eine Decke über alles zu breiten. Diese Unterschiede müsse man auch im Artenschutz berücksichtigen.

Artenschwund geschieht im Geheimen

Der Präsident des Landesamtes für Umwelt, Claus Kumutat, freute sich, dass der Minister zusammen mit dem Volksbegehren Plus so viel Schwung mitbrachte. „Artenschwund passiert im Geheimen, da geht viel verloren, was man gar nicht weiß“, betonte Kumutat.

Wie Artenvielfalt erfasst werden kann und welche Hilfsmittel den 25 Mitarbeitern zur Verfügung stehen, davon konnte sich Minister Thorsten Glauber selbst ein Bild machen. Im Garten des Landesamtes, der naturnah angelegt ist, zeigte das Team des Artenschutzzentrums wie mit Hilfe von Keschern, Fallen und optischen Instrumenten der Ist-Zustand erfasst wird. Diese Methoden erlauben auch Aufschluss im Rahmen eines Projektes in dem die Wirkung von Agrarumweltmaßnahmen auf Insekten untersucht wird.

Die Arbeit beim Artenschutzzentrum läuft schon auf Hochtouren. Das Team sei höchst motiviert, bestätigte Glauber und betonte: „Immerhin haben wir ein großes gemeinsames Ziel: den Artenschwund in Bayern zu stoppen. Anja Fischer