Aktion „Schluss mit lustig“

Bauernprotest: Verarbeiter stehen hinter Erzeugern

MN-Stellungnahme-TL-24.11.
Toni Ledermann
am Freitag, 27.11.2020 - 13:36

Antworten auf LsV-Aktion zur schlechten wirtschaftlichen Lage der Bauernschaft.

Am 11. 11. 2020 fand der deutschlandweite Aktionstag der Milchgruppen von LsV, BDM, der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL), den Freien Bauern, dem European Milk Board (EMB) und dem MEG Mich Board vor den Betriebsstätten von unterschiedlichen Verarbeitern von landwirtschaftlichen Produkten statt. Eine Woche gaben sie den Unternehmen Zeit, auf die Forderungen schriftlich zu reagieren. Nun haben die Bauernverteter die Stellungnahmen dort abgeholt.

In Buchloe waren dies bei den Karwendel-Werken und dem Vion-Schlachthof, die Initiativgruppe um Bäuerin Steffi Egger. Sie freute sich, dass sich die Verantwortlichen offenbar ausreichend Zeit für ihre Anliegen genommen haben.

Von Karwendel war dies Milcheinkäufer Tobias Mayer: „Unserer Molkerei ist die schwierige wirtschaftliche Lage der landwirtschaftlichen Betriebe bewusst“, hieß es dort. „Die Wirtschaftlichkeit dieser Betriebe ist uns ein wichtiges Anliegen, daher bezahlen wir bereits einen überdurchschnittlichen Milchpreis aus und zählen damit zu den Top 10 Unternehmen in Deutschland.“

Viel Milch gehtins Ausland

Weiter weist der Molkerei-Verteter darauf hin, dass Karwendel allerdings die Meinung des MIV teilt, dass eine plakative Forderung von „mindestens 15 Cent mehr pro Liter Milch“ nicht helfe. Große Mengen an Milch müssten ins Ausland verkauft werden, daher sei der Protest für eine nationale Preiserhöhung der falsche Ansatz. Hinzu komme, dass die Pandemie auch die Rentabilität der Molkereien beeinflusst, genau wie bei den landwirtschaftlichen Betrieben.
„Was kann getan werden?“ schreibt Mayer weiter. „Zur Sicherung und dem Ausbau der Wertschöpfung ist die Vermarktung und Kommunikation zu stärken. Als Ergebnis der Sektorstrategie wird in nächster Zeit eine gemeinsame „Branchenkommunikation Milch“ starten, die von Erzeugern und Molkereieine gemeinsam getragen und unterstützt werden.“ Damit würde die Milchbranche für den Verbraucher sichtbarer und könne darstellen, wie nachhaltig Milcherzeuger und ihre Molkereien Milch produzieren.
Und überhaupt: Wenn über Mengenbeschränkungen nachgedacht wird, müsse auch erläutert werden, wer denn weniger produzieren soll – und dies europaweit! „Mit innovativen Lösungen, durch Generieren eines Mehrwertes für unsere Milch, durch die Erschließung neuer Absatzmärkte kann mehr Wertschöpfung erzielt werden“, so Mayer.
Die Vion-Vertreter Bernd Stange, Paul Daum und Dr. Stephan Kruse schreiben in ihrer Stellungnahme, dass den bäuerlichen Vertretern dieser Initiative Verständnis entgegengebracht wird. „In dieser besonderen Marktsituation, die durch die Corona-Pandemie und Afrikanischen Schweinepest beeinflusst wird, stehen Erzeuger wie Verarbeiter unter massiven Preisdruck. Lösungen können nur gemeinsam in der Produktionskette gefunden werden.“

Druck auf den Markt wegen ASP und Corona

Auch sie verweisen auf die zusätzlichen hohen Kosten durch Corona und dem Wegfall von wichtigen Märkten sowie dem Überangebot in Deutschland, das die Ausschau nach neuen Märkten und neuen Abnehmen nötig mache. „Bauern und Verbrauchern sind gleichermaßen von dem Preisverfall auf den Märkten betroffen. Es macht also keinen Sinn, wenn wir uns gegenseitig mit Forderungen konfrontieren. Das Gegenteil ist gefragt – nämlich Zusammenarbeit. Nur gemeinsam mit dem Lebensmittelhandel und der -verarbeitung können wir etwas bewirken.“