Landleben

Bäuerinnen packen an

Isabel de Placido
am Mittwoch, 12.02.2020 - 07:13

Barbara Stamm dankte Landfrauen für den Erhalt von Tradition und Werten.

Bäuerinnen

Gestratz/Lks. Lindau - 50 Jahre gibt es den Lindauer Landfrauenverband schon. Kein Wunder, dass zum stolzen Jubiläum gut 200 Bäuerinnen aus dem ganzen Landkreis nach Gestratz gekommen waren, um diesen runden Geburtstag gemeinsam zu begehen und zu hören, was die Bäuerinnen in diesem halben Jahrhundert alles geleistet haben.

Prominenter Gast war Barbara Stamm. Die ehemalige Präsidentin des Bayerischen Landtages sprach in ihrem Festvortrag zum Thema „Region gestalten“ und über die besondere Rolle der Landfrauen dabei.

Bäuerinnen gestalten jeden Tag die Region

„Heute leben wir in einem solchen Überfluss, dass viele vergessen, wie dankbar wir für unsere qualitativ hochwertigen Lebensmittel sein sollten“, erklärte Kreisbäuerin Sonja Müller. Ganz abgesehen davon, dass die Landwirte weder den verdienten Lohn, noch die verdiente Wertschätzung bekämen.

Müller blickte dabei auf die vielfältige Rolle der Landfrauen, die dabei seien, wenn es gilt, das Leben in den Dörfern mitzugestalten. „Region gestalten, das machen wir Landfrauen jeden Tag“, nahm Müller das Motto der diesjährigen BBV-Landfrauentage auf. So trügen die Landfrauen dazu bei, die bäuerlichen Familienbetriebe zu erhalten, sie seien es, die sich in den kirchlichen Einrichtungen und unterschiedlichen Vereinen engagierten und obendrein politisch aktiv seien. Und was die Gleichberechtigung betrifft, gehörten die Landfrauen zu den Vorreiterinnen.

Dank für 50 Jahre Arbeit

Festrednerin Barbara Stamm war als CSU-Politikerin über 40 Jahre im Bayerischen Landtag und von 2008 bis 2018 als erste Frau dessen Präsidentin. Stamm lobte die Arbeit der Landfrauen und dankte ihnen für alles, was sie in den vergangenen 50 Jahren geleistet haben. Für die Gesellschaft – und damit für die Region. Wobei Stamm Region und Heimat gleichsetzte: „Heimat ist viel mehr als ein Begriff!“

Stamm betonte, dass Heimat und Regionalität gerade in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung an Bedeutung gewinne. Einen wichtigen Part hätten dabei die Bäuerinnen, die Traditionen und Werte aufrecht erhielten. Doch obwohl sich die Mehrheit der Landwirte für Tierwohl, Nachhaltigkeit, Arten- und Umweltschutz einsetze, sei ihr Ansehen in der Bevölkerung gering. Deswegen verwundert es Stamm nicht, wenn sich auch bei den Landfrauen eine „gewisse Resignation“ breit mache.

Landfrauenverband Lindau existiert erst 50 Jahre

Auf den historischen Rückblick, der das Rätsel löste, warum die Lindauer Landfrauen heuer erst ihr 50. Jubiläum und nicht wie die anderen Landfrauenverbände in Bayern ihren 72. Geburtstag feiern, mussten die Frauen bis zum Nachmittag warten. Erst dann sollte Kreisbäuerin Müller das Geheimnis lüften und erzählen, dass der Grund für die späte Gründung im April 1969 die Sonderstellung Lindaus unter französischer Besatzung war.

Damals fand erst die erste Ortsbäuerinnenversammlung mit der Wahl zur Kreisbäuerin statt. Doch schon in dieser allerer­sten Stunde hätten die Bäuerinnen gezeigt, was in ihnen steckt. So setzen sie sich für mehr Anerkennung für die Frau und die Erhöhung des Kindergeldes und der Witwenrente ein. in den Folgejahren initiierten sie auch den „Tag der Austragsbäuerin“ und der einstigen Kreisbäuerin Doris Scheuerl sei es als Delegierte im Ausschuss für Sozialversicherungen zu verdanken, dass 1995 die Bäuerinnenrente eingeführt wurde. Zuletzt stand die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt im Fokus.