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Berufsbild

Bäuerin, ein wunderbarer Beruf

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Toni Ledermann
am Mittwoch, 03.08.2022 - 07:11

Nachgefragt bei der neuen Unterallgäuer Kreisbäuerin Irmgard Maier.

Einstimmig wurde Irmgard Maier aus Mittelrieden, die bereits früher zehn Jahre der Vorstandschaft der Frauengruppe des BBV-Unterallgäu angehörte, zur Nachfolgerin von Margot Walser als Kreisbäuerin gewählt. Neben der Familie und der Landwirtschaft gehört ihr Herz dem Unterallgäuer Bäuerinnenchor, den sie als Vorsitzende seit 14 Jahren leitet und dem sie seit 38 Jahren angehört.

Frau Maier, was hat Sie besonders motiviert für das Amt der Kreisbäuerin zu kandidieren?

Dazu war Überzeugungsarbeit von den früheren Kreisbäuerinnen Leni Lampert und Margot Walser notwendig, muss ich offen zugeben. Walser hat uns besucht und letztlich war ich auch selbst überzeugt: Ohne Kreisbäuerin geht es nicht! Zumal wir ja ein Landkreis sind, in dem die Landwirtschaft zum Glück immer noch eine große Rolle spielt.

Wie war Ihr Weg zur Bäuerin?

Als mein Bruder und ich aus der Schule gekommen sind, standen wir vor der Entscheidung, wer den Hof übernimmt, unsere Eltern wollten einen neuen Stall bauen. Mein Bruder wählte einen anderen Berufsweg und somit entschloss ich mich den Betrieb weiter zu bewirtschaften. Ich machte eine Lehre in der ländlichen Hauswirtschaft. Danach besuchte ich die Landwirtschaftsschule, Abteilung Hauswirtschaft. Zuerst in Mindelheim und das dritte Semester in Memmingen. Dann war ich im bäuerlichen Grundkurs in Herrsching Im Rahmen der Ausbildung wurde uns ein Auslandsaufenthalt schmackhaft gemacht, und so war ich vier Monate in einem Bergrestaurant mit Landwirtschaft im Berner Jura in der Schweiz. Als ich wieder in der Heimat angekommen war, legte ich die Meisterprüfung zur ländlichen Hauswirtschaft ab. Es folgten zehn interessante Jahre als Betriebshelferin beim MR Mindelheim und dann habe ich mit 31 Jahren den elterlichen Hof in Mittelrieden übernommen.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte ihrer künftigen Arbeit?

Mein Anliegen ist es, dass man den jungen Frauen auf den Bauernhöfen unter die Arme greift. Viele haben Altenteiler zu versorgen oder benötigen Hilfe für die Kinder. Oder auch Weiterbildungskurse anzubieten oder einfach mal die Möglichkeit, dem Alltagstrott entfliehen zu können. Ich will für jüngere Bäuerinnen in Zusammenarbeit mit älteren Frauen, beispielsweise Austragsbäuerinnen, eine so genannte Win-Win-Situation schaffen, bei der man sich nachbarschaftlich hilft. Dazu helfen inzwischen auch neue Techniken wie WhatsApp-Gruppen.

Bleibt der beliebte Landfrauentag weiter bestehen, nachdem er coronabedingt zwei Jahre ausfallen musste?

Ja, selbstverständlich. Ich gehe sicher davon aus, dass der Landfrauentag in Zukunft wieder stattfindet.

Welche Rolle spielten bei Ihrer Kandidatur Ihre Vorgängerinnen Leni Lampert und Margot Walser?

Leni Lampert, die ja den Unterallgäuer Bäuerinnenchor mit gegründet hatte, sagt ja immer ich bin ihre Ziehtochter, und damit hat sie ja auch recht. Sie hat mich, als ich 18 Jahre alt war, in den Bäuerinnen-Chor geholt und wir sind seitdem immer in guter Verbindung. Margot Walser kenne ich ebenfalls schon sehr lange und wir kommen gut miteinander aus. Wir verstehen uns.

Was schätzen Sie an diesen beiden langjährigen Kreisbäuerinnen am meisten?

Margot Walser war ja gleich 25 Jahre als Kreisbäuerin aktiv. Dies ist schon eine große Leistung. Zumal sie fast überall präsent war und auch als Kreisbäuerin viel geleistet hat. Sie scheute sich ja auch nicht politisch Stellung zu beziehen und auf Missstände hinzuweisen. Wer Leni Lampert kennt – und dies sind sehr viele durch ihre unermüdliche Arbeit für die Bäuerinnen – weiß, was sie in all den vielen Jahren geleistet hat. Beide haben ja auch im Unterallgäuer Kreistag die bäuerlichen Interessen vertreten.

Sie bewirtschaften schon lange einen großen Hof mit 48 Hektar, der Laufstall wurde umgebaut, 65 Kühe stehen im Stall.

Auf unserem klassischen Milchviehbetrieb haben wir Dauergrünland und im Ackerbau Mais, Gerste und Kleegras. In diesem Bereich hat mein Partner Hans Röring sehr viel geleistet. Der Ackerbau war bei uns früher nicht so ausgeprägt.

Sie sagten im Vorgespräch, dass der Melkroboter aus der täglichen Arbeit nicht mehr wegzudenken ist.

Ja das stimmt. 2013 wurde er eingebaut und ist ein großer Gewinn für mehr Lebensqualität. Man hat einfach mehr Zeit für die Familie und andere wichtige Sachen, etwa ein Ehrenamt.

Ihre Stellvertreterin, Margit Rauh, verkörpert wie Sie auch das Bild der modernen Bäuerin. Sie beide haben die Arbeit auf einem landwirtschaftlichen Betrieb zwar gelernt, aber Frau Rauh arbeitete vor ihrer Heirat auf den Hof sogar als Möbelverkäuferin in einem Einrichtungshaus. Es gibt auch viele Seiteneinsteigerinnen...

Ja, selbstverständlich sind Frauen, die aus anderen Berufen kommen, gerne in der Landwirtschaft gesehen. Sie bringen Fachwissen und oft auch frischen Wind aus anderen Bereichen in die Landwirtschaft und lernen schnell, oft auch mit Unterstützung der hauswirtschaftlichen Teilzeitschule im Amt für Landwirtschaft und Ernährung, die Hauswirtschaft und von ihrem Mann den Bäuerinnenberuf.

Wenn Sie einen Wunsch an die hohe Politik frei hätten. Wie würde er lauten?

Ganz klar: Die Politiker in Brüssel und Bonn sollten nicht über die Köpfe der aktiven Bauern, über die Basis hinweg entscheiden. Wie aktuell bei der Düngeverordnung.

Herr Röring, was sagen Sie zur neuen Rolle Ihrer Frau. Auch mit der zeitlichen Belastung?

Ich habe damit kein Problem mit der Kreisbäuerin! Sie will es machen und sie soll es machen. Es ist ja auch sehr interessant. Auch die Zeiten, in denen sie als Kreisbäuerin weg ist, sind kein Problem, auch dank dem Melkroboter! Man kann ja viel organisieren. Dazu kommt: Unser Sohn Stephan hat gerade die landwirtschaftliche Ausbildung gemacht und besucht jetzt die Technikerschule in Landsberg. Unsere Tochter Regina hat jetzt ihr Fachabitur beendet und lernt jetzt in Mindelheim Krankenschwester.

Welche bäuerliche Arbeit im oder am Hof machen Sie am liebsten?

Da brauche ich nicht lange nachdenken: Das ist die Betreuung des Melkroboters. Den finde ich einfach toll! Auch deshalb, weil man da immer wieder etwas dazu lernt. Mit einer neuen App kann ich jetzt vom Küchentisch aus mit dem Handy beispielsweise die Tiergesundheit einer Kuh nachverfolgen. Die technische Entwicklung in der Landwirtschaft ist schon enorm. Sie erleichtert die Arbeit wesentlich. Bei uns ist der Lely-Melkroboter von Anfang an gut gelaufen, es gab nur einige kleine Alarme.

Frau Maier, welche Botschaft geben Sie Ihren jungen Landfrauen zu Beginn Ihrer ersten Amtszeit als Kreisbäuerin mit auf den Weg?

Es ist ein wunderbarer Beruf, Bäuerin zu sein in unserem schönen Landkreis und in unserem wunderbaren Land Bayern. Und dass es auch in schwierigen Situationen immer einen guten Weg gibt, dass es weiter geht!