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UN-Dekade-Projekt

Auszeichnung für biologische Vielfalt geht ins Allgäu

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Toni Ledermann
am Mittwoch, 04.11.2020 - 07:56

„Natürlich Bayern“ darf den Titel „Ausgezeichnetes UN-Dekade-Projekt“ führen. Die Auszeichnung erhalten nur vorbildliche Projekte die sich für biologische Vielfalt einsetzen, wie im Hundsmoor.

Nur wenige hundert Meter entfernt vom Geburtsort des großen Naturkundigen, Pfarrer Sebastian Kneipp befindet sich das 21 Hektar große Naturschutzgebiet Hundsmoor. Es liegt zwischen Hawangen und Westerheim im Günztal. Hier erhielt vor kurzem die „Initiative „Natürlich Bayern – insektenreiche Lebensräume“ für zwei Jahre den Titel „Ausgezeichnetes UN-Dekade-Projekt“ führen.

Zahlreiche seltene Tierarten zu finden

Woher der ungewöhnliche Name stammt, konnte noch nicht geklärt werden. Er stammt keinesfalls daher, weil dort „der Hund begraben ist“. Im Gegenteil: Das Hundsmoor ist äußerst lebendig. Es wurden dort bereits über 220 verschiedene Pflanzenarten gefunden, davon mehr als 1/3 Rote-Liste-Arten. Auch knapp 80 Tierarten der Roten Listen leben dort.

Besondere Herausforderung bei der Pflege ist die Bergetechnik des Aufwuchses. In Jahren mit normalem bis hohen Grundwasserstand, muss ein Großteil des Materials mit einer Plane aus dem zentralen Bereich des Gebietes gezogen werden.

Die Vielzahl von Feuchtbiotopen in diesem landesweit bedeutsamen Moorkomplex wurden in den Jahren 1980 bis 1982 erworben. Neben den feuchten und moosreichen Flachmoorteilen sollen hier auch Torfmoosflächen, ein Feuchtgebüsch und ein Feuchtwald geschützt werden.

Zu finden ist dieses Biotop im Tal der Westlichen Günz zwischen Westerheim und Hawangen, dies erläuterte Jens Franke, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Unterallgäu den zahlreichen Gästen die zuvor an der Arbeitstagung der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege mit dem Titel „Klimaschutz durch Landschaftspflege“ in Memmingen teilgenommen haben.

Natürlich Bayern setzt Naturschutz praktisch um

Darunter der Referatsleiter für Landschaftspflege und Naturschutzförderung im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Ministerialrat Wolfram Güthler. Er hielt die Laudatio bei der Preisvergabe: „Artenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege und die bayerischen Landschaftspflegeverbände sind starke Partner, die Artenschutz und Biodiversität in die Regionen bringen und vor Ort umsetzen. Bestes Beispiel ist die Initiative „Natürlich Bayern“ – ein hervorragendes Projekt zur praktischen und wirkungsvollen Umsetzung von Natur- und Artenschutz. Mit ,Natürlich Bayern‘ schaffen wir gemeinsam mit Gemeinden und Landwirten neue Lebensräume für mehr Insektenvielfalt“, sagte er. Weiter betont Güthler, dass „Natürlich Bayern“ ab jetzt für zwei Jahre den Titel „Ausgezeichnetes UN-Dekade-Projekt führen darf. „Das ist eine großartige Würdigung und Motivation für die Zukunft“, so der Laudator.

Arbeitsintensive Arterhaltung

Die Auszeichnung, ein stilisiertes Bäumchen, nahm DVL-Projektmanager von „Natürlich Bayern“, Dr. Martin Sommer entgegen, der diese Organisation und ihre Aufgabenbereiche vorstellte: Bei „Natürlich Bayern“ stehen Wirksamkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit der Maßnahmen im Vordergrund. Es werden Pflanzenmischungen verwendet, die heimischen Insekten wirklich helfen. Dazu nutzen die Landschaftspflegeverbände fast ausschließlich selbst geerntetes Saat- und Pflanzgut von artenreichen Spenderflächen aus der jeweiligen Region. Wo dies nicht ausreichend zur Verfügung steht, kaufen sie zertifiziertes Regiosaatgut.

Davon profitieren auch seltene und gefährdete Insektenarten, deren Futterpflanzen in herkömmlichen Blühflächen und „Bienenweiden“ nicht enthalten sind. Darüber hinaus nutzen die Landschaftspflegeverbände neben bekannten Techniken wie der Mähgutübertragung auch innovative technische Verfahren, wie den Wiesendrusch mit Mähdrescher oder die Samenernte ohne Mahd mit neuen Geräten.

Mit diesem vorbildlichen Projekt werde ein deutliches Zeichen für das Engagement zur Erhaltung biologischer Vielfalt in Deutschland gesetzt, so Sommer weiter. Das Projekt „Natürlich Bayern“ wirke mit optimierter Bewirtschaftung, Neuanlagen und Aufwertungen von Lebensräumen in allen bayerischen Regionen dem Verlust der Insektenvielfalt entgegen. Durch den vorbildlichen kommunalen Ansatz würden verschiedene Akteure für den Insektenschutz mobilisiert und sensibilisiert. Neben der offiziellen Urkunde und einem Auszeichnungsschild erhält der Deutsche Verband für Landschaftspflege einen „Vielfalt-Baum“, der symbolisch für die Naturvielfalt steht.

Gegen jedes Leid ist ein Kraut gewachsen

Wie zeitlos Pflanzenkunde ist, zeigt ein Zitat von Pfarrer Sebastian Kneipp, dessen eine der fünf Säulen die Pflanzenheilkunde ist: „Gegen jedes Leid ist ein Kraut gewachsen. Der Mensch weiß schon seit Jahrhunderten um die Kraft der Pflanzen und macht sie sich bis heute zunutze: In der Medizin, in der Küche und bei der Körperpflege.“

UN-Dekade Biologische Vielfalt

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken. Ein breit verankertes Bewusstsein in der Gesellschaft für den großen Wert der Biodiversität ist eine wichtige Voraussetzung. Die UN-Dekade Biologische Vielfalt in Deutschland lenkt mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte den Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die sie uns bietet. Gleichzeitig zeigen diese Modellprojekte, wie konkrete Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt, ihrer nachhaltige Nutzung oder der Vermittlung praktisch aussehen können.

Über die Auszeichnung von Projekten entscheidet eine unabhängige Fachjury, an der Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind.