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Geschichte

Ausstellung zeigt legendäre Lanz-Landmaschinen

Gut erhaltene Traktoren und gut gemachte Filmbeiträge
Andrea Reck
am Mittwoch, 07.07.2021 - 17:32

Wie in Aulendorf hergestellte Traktoren die Landwirtschaft revolutionierten zeigt eine Sonderausstellung im Oberschwäbischen Museumsdorf Kürnbach.

Sieben Minuten dauert der Film über den Einfluss von Lanz-Traktoren, die ab den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts im benachbarten Aulendorf gebaut wurden, auf die heimische Landwirtschaft. Toni (6) und Anna (4) schauen gebannt zu. Dabei handelt es sich nicht um Stadtkinder, sondern um Einheimische, die mit ihrer Mutter ins Museum gekommen sind. Experten gewissermaßen, die schon auf dem Hela-Traktor ihres Nachbarn mitgenommen wurden. Toni baut mit Lego-Steinen gerne Fahrzeuge nach, wie er stolz berichtet.

Das von Bauern in Süddeutschland gerne statt „Traktor“ verwendete Wort Bulldog leitet sich übrigens ab vom „Bulldog“, dem von der Mannheimer Heinrich Lanz AG hergestellten stationären Einzylinder-Zweitakt-Glühkopfmotor, dessen Aussehen gewisse Ähnlichkeit mit dem Gesicht einer Bulldogge hatte.

Gelebte Kundenorientierung

Die mechanische Werkstätte für Reparaturen an landwirtschaftlichen Geräten, 1888 in Aulendorf von Hermann Lanz sen. gegründet, 1914 vom Sohn Hermann Lanz jun. weitergeführt, entwickelte Geräte zur Feldbearbeitung wie Eggen, Pflüge und Walzen, aber auch Most- und Kartoffelpressen, Getreide- und Futterschneider. 1936 wurde der erste Schlepper vorgestellt, drei Jahre später, mittlerweile war Enkel Anton dabei, spezialisierte man sich auf Traktoren. In den 1940er Jahren kehrte Hermann Lanz freitags im Gasthaus „Hirschen“ in Zollenreute ein, um den hiesigen Bauern seine Traktoren schmackhaft zu machen. Er hörte sich auch um, was die individuellen Bedürfnisse der Bauern waren und baute die Traktoren nach den Wünschen seiner Kunden. Für Reparaturen und kostenlose Garantiearbeiten kam der HELA-Kundendienst auf den Hof.
Nach dem zweiten Weltkrieg von den Franzosen demontiert, konnte 1950 wieder eine Serienproduktion aufgenommen werden. Im Film sind neben den Traktoren, die schon mal von Frauen mit traditionellem Kopftuch durchs Dorf gelenkt wurden, noch Ochsen- und Pferdegespanne zu sehen. Immer häufiger übernahmen die robusten und langlebigen HELA-Schlepper die schweren Arbeiten.
Die Entwicklung vom legendären Samson zu Allrad-Boliden der 70er Jahre (54 PS mit ZF-Getriebe) fasst der Film unterhaltsam zusammen. Ausgestellt sind Modelle, wie der HELA D 12 HS mit 12 PS von 1953, der alleine mit dem Motortyp MWMKD12E von 1952 bis 1958 über 1100 Mal gebaut wurde.

Impressionen vom Oberschwäbischen Museumsdorf Kürnbach finden Sie auf der Facebook-Seite des Museumsdorfes:

1979 wurde die Firma Lanz an die IBH-Holding verkauft, statt Traktoren produzierte man den Kompaktlader ZETCAT. Nach dem Konkurs der IBH übernahmen die französische Pel-Job Gruppe, dann die Eder-Firmengruppe und die Zeppelin Baumaschinen GmbH. Die Aulendorfer Gebäude wurden 1995 abgerissen.

Immer höhere Gewichte

Traktoren wurden im Lauf der Jahrzehnte immer größer und schwerer. So hat etwa der ab 2011 gebaute New Holland T 6.140 ein zulässiges Gesamtgewicht von zehn Tonnen. Laut Umweltbundesamt müssen Böden in der Land- und Forstwirtschaft immer höhere Gewichte verkraften. Mähdrescher wiegen bis zu 27 t, ein Rübenroder zum Ernten von Zuckerrüben bis zu 60 Tonnen und der Erntetransport bis zu 40 t. Dadurch verschlechtern sich die Lebensbedingungen für die Bodenorganismen, außerdem kann die Versickerung von Regenwasser in den Boden eingeschränkt werden.

Lukas Münch vom Maschinenring Biberach-Ehingen erklärt: „Heute noch sind deutsche Landmaschinenhersteller wie Fendt weltweit vorne.“
Gefragt seien derzeit vor allem Güllefässer, um die in der Gülleverordnung vorgeschriebene bodennahe Ausbringung der Gülle auf dem Acker umzusetzen. „Diese Technik ist teuer“, bestätigt der Landwirt. „So ein anzuhängendes 15 000 l-Güllefass kostet über 100 000 €, Selbstfahrende kosten entsprechend mehr.“

Bodenverdichtungen sind heute sogar geringer

Auf die Frage, ob die immer größer werdenden Maschinen den Boden nicht stark verdichten, erläutert Münch: „So ein Standardschlepper mit 200 bis 250 PS wiegt rund acht Tonnen und kostet je nach Ausstattung ab 150 000 €. Die Bodenverdichtung ist dabei kein Thema, da mittlerweile die Reifen viel größer geworden sind, womit der Bodendruck in Gramm pro Quadratmeter bei modernen Maschinen rund ein Drittel weniger beträgt als mit einem alten 50-PS-Lanz-Traktor.“ Zunehmend von Bedeutung sind laut Münch auch selbstständige Lenksysteme, die GPS-gesteuert dafür sorgen, dass es keine Überlappungen gibt beim Ausbringen von Dünger- und Pflanzenschutzmitteln.
Parallelen von Acker und Straße drängen sich beim Museumsbesuch auf. Der in der Munitionslagerhalle ausgestellte hellblaue NSU Prinz von 1966, damals einer der am häufigsten abgesetzten Kleinwagen mit seinen gerade mal 30 PS, wäre neben einem heutigen SUV-Boliden auch geradezu niedlich klein. Zeitzeugen berichten hier im Video, wie das Auto zwischen 1950 und 1980 ihren Alltag, aber auch ihr Urlaubsverhalten veränderte.