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Sedimente

Aufwertung von Fließgewässern: Mehr Natur, weniger Schlamm

Verschlammung reduzieren: Bernhard Bacherle (3. v. l.) und Florian Bamberger (r.) vom Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben stellten bei einem Ortstermin mit den Bürgermeistern von Zusmarshausen und Horgau die Maßnahmen an den Zuläufen der Roth vor.
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Redaktion Wochenblatt
am Dienstag, 24.01.2023 - 09:45

Die Zuläufe der Roth werdem revitalisiert und ökologisch aufgewertet.

Horgau /Krumbach Im Rothtal im Landkreis Augsburg sind mehrere Maßnahmen umgesetzt worden, die eine zunehmende Verschlammung des Stausees bei Zusmarshausen bremsen sollen, wie das Amt für ländliche Entwicklung Schwaben mitteilt. Erreicht werden soll dies unter anderem durch eine Revitalisierung und ökologische Aufwertung der Fließgewässer, in die bei Starkregen auch Sedimente und Nährstoffe aus landwirtschaftlich genutzten Flächen geschwemmt werden.

Vorsorge für Starkregen

Nachdem in einem ersten Schritt an der Gemeindegrenze zwischen Kutzenhausen und Horgau ein Rückhaltedamm errichtet wurde, verlagerte sich der Fokus anschließend auf die Bäche, die in die Roth münden, die ihrerseits wieder den Rothsee speist. Der Döllenbach ist auf einem Teilabschnitt aufgeweitet und in einer Schilffläche um einen zweiten Gewässerarm erweitert worden, der künftig als Puffer bei Starkregen dienen soll. Der bestehende Bachlauf blieb erhalten, eine neue Überlaufschwelle soll Sedimente binden.

Am Reichenbach wurde ein Erdbecken angelegt, das nach starkem Regen überschüssiges Wasser auffangen soll. Auch mitgeführtes Sediment soll sich hier künftig ablagern. „Beide Maßnahmen zielen darauf ab, die Fließgeschwindigkeit bei Starkregen deutlich zu reduzieren“, erläutert Bernhard Bacherle vom Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben. Die Behörde begleitet das 2015 initiierte „boden:ständig“-Projekt an der Roth fachlich und finanziell, ebenso wie das Flurneuordnungsverfahren, das für die Umsetzung konkreter Maßnahmen unabdingbar war.

Naturnahe Umgestaltung

An beiden Bächen gingen die Wasserrückhaltemaßnahmen mit einer ökologischen Aufwertung einher: Der Döllenbach wurde auf einer Länge von rund 150 m naturnah umgestaltet, der Reichenbach auf etwa 200 m. Auf beiden Teilabschnitten wurden betonierte Sohlschalen am Gewässergrund entfernt und mit durchgängigen Schwellen, Uferabflachungen oder Aufweitungen ersetzt.

Zugutekommen soll das verschiedenen Mikroorganismen, die im Wasser mitgeführte Nährstoffe bereits in den Bächen abbauen können. Die erwünschte Begleiterscheinung: In den Rothsee gelangen nicht nur weniger Sedimente, sondern auch weniger Nährstoffe, was zu einem Rückgang der Algenbildung führen soll.

Schlamm aufs Feld?

Als weitere Maßnahme ist in den vergangenen Wochen nördlich von Auerbach der zum Teil verrohrte Quellbach wieder geöffnet worden. Zudem entstand auf Zusmarshauser Flur ein Sedimentationsbecken. In dieses wurde bereits versuchsweise dem See entnommener Schlamm gepumpt, der – bei Eignung – wieder landwirtschaftlich ausgebracht werden soll.

2023 sind aktuell zwei größere Maßnahmen direkt an der Roth geplant: Eine Hochwasserableitung in die Rothwiesen und eine Renaturierung auf Höhe der Kläranlage Horgau. Projektleiter Bacherle hofft, dass in den kommenden Jahren noch weitere Gewässerabschnitte in naturnahen Zustand zurückgeführt werden können.