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Versammlung

Auflagen: Es wird scheibchenweise immer mehr

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Susanne Lorenz-Munkler
am Dienstag, 03.03.2020 - 11:49

Das AELF Kaufbeuren informiert zum Volksbegehren und zur neuen Düngeverordnung. Bei aller Problematik für die Landwirte in der Umsetzung seien gesamtgesellschaftlich auch Chancen im Artenschutzgesetz zu sehen.

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Eigentlich sollte man denken, die Konsequenzen des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ und die neue Düngeverordnung seien langsam hinlänglich bekannt. Das Gegenteil trat an vier Informationsveranstaltungen zu diesen Themenschwerpunkten, die das AELF Kaufbeuren in den Orten Ketterschwang, Obergünzburg, Leuterschach und Eisenberg abgehalten hatte, zutage. Wie in Leuterschach waren an allen Veranstaltungsorten die Säle brechend voll. Es ging auch nicht ursächlich um die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen, sondern vielmehr um deren praktische Umsetzung und Neuheiten bei der Antragstellung, wie Behördenleiter Dr. Paul Dosch betonte: „Wichtig ist, was die Landwirte jetzt beachten müssen, nicht was eventuell kommen könnte.“
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Franziska Mitzdorf vom AELF Kaufbeuren berichtete vor allem über die formellen Neuerungen die durch das Volksbegehren auf die Antragsteller zukommen. Das neue gesamtgesellschaftliche Artenschutzgesetz (Versöhnungsgesetz) habe in einigen Punkten Neuregelungen im Bayerischen Naturschutzgesetz zur Folge gehabt, die auch die Landwirte betreffen. Vor allem im Bereich Grünland, beim Thema Gewässerrandstreifen und beim Ausbau des Biolandbaus.
Zum Beispiel bleibe der Dauergrünlandumbruch zwar grundsätzlich möglich, aber künftig nur mit Kompensation und Antrag. Alle Betriebe, die umbrechen wollen, müssen ab diesem Jahr dafür einen Antrag stellen. Auch Biobetriebe, die nicht greeningpflichtig sind. Sie müssen den Antrag an der Unteren Naturschutzbehörde stellen und auch die gleiche Fläche wieder ansäen. Die konventionellen Betriebe stellen wie immer ihre Anträge weiter am jeweiligen Amt für Landwirtschaft.

Biotopschutz: Vorher klären was erlaubt ist

Beim Biotopschutz darf der Landwirt jetzt zum Beispiel in einem Magerrasen kein Weidelgras einsäen, ohne dies vorher mit der Naturschutzbehörde abgeklärt zu haben. „Wenn ich also weiß, dass eine Fläche biotopkartiert ist, muss ich sie in diesem Zustand belassen, auch wenn es einem sinnvoll erscheinen würde, eine Nachsaat zu machen“, so Mitzdorf. „Da muss man dann eben Saatgut nehmen, das für diesen Standort geeignet ist.“
Ab diesem Jahr darf man Flächen ab einem Hektar Größe zudem nur noch von innen nach außen mähen. Zum Schutz für das Niederwild. Da kleine Tiere sich an den Boden drücken, werden zusätzliche Maßnahmen empfohlen.
Vor der Mahd muss die Fläche abgegangen werden, am besten in Rücksprache mit dem zuständigen Jäger. „Vielleicht könnten sich auch einige Jagdgenossenschaften eine Drohne zulegen, um mit dieser vor der Mahd das Feld abzusuchen“, schlug Mitzdorf vor.

Bei jedem Schnitt auf Wildtiere achten

Die Neuregelung gelte für alle Schnitte, das ganze Jahr über. Wenn die Beschaffenheit der Fläche das Mähen von innen nach außen nicht erlaubt, vor allem bei starken Hanglagen, könne man auch von einer Seite auf die andere mähen, um wenigstens eine Fluchtrichtung zu ermöglichen.
Mit der freiwilligen Teilnahme an einem Schnittzeitpunkt im Vertragsnaturschutzprogramm soll die Mahd nach dem 15. Juni auf 10 % aller bayerischen Grünlandflächen erreicht werden. Nach dem 15. März bis zum ersten Schnitt sei man jetzt auch mit dem Walzen eingeschränkt. Dafür gebe es aber eine Ausnahmeregelung, je nach regionalen Witterungsbedingungen. Diese Regelung gelte ausschließlich für die Wiesenwalze, nicht für andere Bodenbearbeitungsgeräte. „Falls jemand noch eine Fläche hat, die durch Unkraut etwas entartet ist, könne er jetzt noch flächigen Pflanzenschutz betreiben. Ab 2022 ist damit Schluss“, betonte Mitzdorf. Aber auch hier würden auf Antrag in Zukunft Ausnahmen möglich sein.
Neu auch: Innerhalb von 5 Metern entlang von Gewässern ist keine ackerbauliche und gärtnerische Nutzung mehr erlaubt. Also keine Düngung und kein Pflanzenschutz. Im Grünland ist es weiterhin möglich zu düngen und Pflanzenschutz anzuwenden. Mit den bekannten Abständen, außer wenn die Fläche vom bayerischen Staat gepachtet ist. Dann gelten zehn Meter Abstand. Möchte man für diese Flächen Direktzahlungen erhalten, ist einmal im Jahr eine Mindesttätigkeit notwendig. Das heißt der Streifen sollte mindestens gemulcht werden. Nachdem das jetzt gesetzlicher Standard sei, fielen Gewässerrandstreifen aus der KULAP-Förderung erst mal raus.
Bei Streuobstwiesen (Bäume, die die Hofentwicklung stören, ausgenommen) läuft die Kartierung seit 2020. Über das Vertragsnaturschutzprogramm sei die Förderung pro Baum von 8 auf 12 € erhöht worden, informierte Mitzdorf.
Weitere Vorgaben verbieten das Anlegen von neuen Drainagen. Auch dürfen Strukturelemente wie Feldgehölze nicht entfernt werden und Bodensenken nicht mehr verfüllt werden. „Bitte klären Sie es vorher mit dem Landratsamt ab, bevor sie mit dem Verfüllen beginnen“, mahnte sie.

Es gibt neue
Angebote im Kulap

Neue Angebote im KULAP soll es auch geben. Einige gesamtbetriebliche und zwei einzelbetriebliche Maßnahmen: im B19 (extensive Grünlandnutzung für Raufutter-Fresser) wird die Großvieheinheit auf 1 GV pro Hektar Hauptfutterfläche begrenzt. Die Höhe der Zuwendung liegt dann bei 220 €/ha. „Diese Förderung kommt der Bioförderung etwas näher, könnte also für Betriebe, die nicht sehr GV-stark sind, eine Alternative sein“, meinte Mitzdorf. Nur in dieses Förderprogramm könne man in diesem Jahr neu einsteigen. Wenn man Altgrasstreifen ganzjährig stehen lasse und diese 5 bis 20 % der Gesamtfläche ausmachen, bekomme man 50 €/ha.
„Überlegen Sie, ob für Sie etwas Passendes dabei ist, ob Sie Neuverpflichtungen eingehen oder bestehende Verpflichtungen verlängern wollen. Solange etwas freiwillig angeboten wird und solange man noch sagen kann, ja das mach ich, und es wird ein finanzieller Ausgleich dafür gegeben, dann sollte man das machen. Wir sehen es in der Düngeverordnung. Es wird immer scheibchenweise mehr. Wenn die gestellten Anforderungen nicht erfüllt werden, kommt irgendwann der Gesetzgeber und sagt: „Das will ich jetzt so“.
Daniel Dörfler informierte über die Antragstellung zur neuen Düngeverordnung. Und verwies auf die Internetseite der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) auf die Seite „Düngung – was ist zu beachten“. Dort wird das wichtigste im Überblick noch einmal dargestellt. Für die Berechnung der organischen Dünung, der Lagerkapazität, der Düngebedarfsermittlung , beim Nährstoffprogramm und der Stromstoffbilanz gebe es hervorragende Excel-Programme auf dieser Seite, die sich ineinander verzahnen und ergänzen.
Dörfler riet jedoch das neue Online-Programm der LfL zu verwenden, das einfacher sei und sich in Zukunft durchsetzen werde. Auch das Amt für Landwirtschaft gebe Hilfestellung bei Fragen unter der Telefonnummer 08341- 9002-0.