Umweltschutz

Artenvielfalt ist ein großes Thema

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Patrizia Schallert
am Donnerstag, 29.07.2021 - 12:50

Die Biodiversität ist auch am AELF in Nördlingen ein wichtiges Thema. Eine bayernweite Aktion gibt wertvolle Impulse.

Nördlingen Nicht nur Biodiversität predigen, sondern auch leben: „Seit dem Volksbegehren ‚Rettet die Bienen’ ist die Artenvielfalt zu einem großen Thema geworden“, sagt Manfred Faber. Der Chef des AELF Wertingen-Nördlingen mag nicht ausschließen, dass auch die Landwirtschaft einen Beitrag zum Artensterben leistet. Gefordert sei jedoch die gesamte Gesellschaft. „Jeder Einzelne kann zur Biodiversität beitragen. Es gibt auch pflegeleichte Alternativen zum Steingarten.“ Wie Insektenschutz und Artenvielfalt auch in einem begrenzten Raum funktionieren kann, zeigen die Landwirtschaftsämter und Ämter für ländliche Entwicklung im Rahmen einer im vergangenen Jahr gestarteten bayernweiten Aktion „Blühende Ämter“.

Trockenmauer mitJura-Steinen angelegt

In Nördlingen haben sich das AELF, das Team Gartenkultur und Landespflege an der Donau-Rieser Kreisverwaltung sowie Schüler des Sonderpädagogischen Förderzentrums Sankt-Georg-Schule Nördlingen für ein Projekt zur Förderung der Biodiversität zusammengeschlossen. Im Vorfeld berieten Philipp Schuhmair, Pflanzenbauberater am AELF, und der damalige Gartenfachberater am Landratsamt Donau-Ries Sebastian Storch über geeignete Maßnahmen.

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An einer leicht ansteigenden Fläche vor der Fensterfront der Aula des AELF wurde eine Trockenmauer aus Jura-Steinen angelegt und bepflanzt. Zusätzlich hatte ein Rieser Landwirt Stücke von einem Lesesteinhaufen zur Verfügung gestellt. „Im Mikroklima der Mauer fühlen sich Eidechsen ebenso wohl wie Grasfrösche oder Blindschleichen“, erklärte Schuhmair.

Außerdem wurden drei Insektenhotels aufgestellt. Dabei galt es zu verhindern, dass Wasser in die Löcher eintreten und die Insektenbrut zerstören kann, betonte Schuhmair. Am Amt wurden kleine, kurze Baumstämme in zwei Hälften gesägt, verschieden große Löcher gebohrt und das Gebilde mit einem Blechdach bestückt. Hinter der Trockenmauer entstand eine Blühfläche mit zahlreichen Pflanzenarten wie Wiesensalbei, Mohn, Malve oder Weißklee. „Die Kräuter sind eine Futtergrundlage für zahlreiche Insekten“, sagt Faber. Von diesen ernähren sich Vögel und so schließt sich der Kreislauf.

Nistgelegenheiten für Fledermäuse und Vögel

Weil sich Vögel rund um das AELF wohlfühlen sollen, haben Schüler der an das AELF angrenzenden Sankt-Georg-Schule drei Fledermaus- und sechs Vogelnistkästen gebaut und teils bereits angebracht. „Die Nistgelegenheiten werden von den Vögeln hervorragend angenommen“, versichert AELF-Hausmeister Wolfgang Hager. Für die Maßnahmen standen dem Landwirtschaftsamt rund 1000 € zur Verfügung. Laut Schuhmair übernimmt das Landratsamt die darüber hinausgehenden Kosten und das Kreisgartenbau-Team die Pflege der Blühflächen.

Wie das AELF gehen auch viele Rieser Landwirte beim Erhalt der Artenvielfalt mit gutem Beispiel voran. So werden im Landkreis bereits 7435 ha bäuerliche Nutzfläche ökologisch und 1515 ha Grünland extensiv bewirtschaftet. Dazu kommen Pufferstreifen an Gewässerrändern, winterbegrünte Äcker und Blühflächen. Immer mehr Bauern arbeiten mit dem Mulchsaatverfahren und verzichten auf den Anbau von Intensivfrüchten in wasserwirtschaftlich sensiblen Gebieten. Der Versorgung mit heimischem Eiweiß dienen vielfältige Fruchtfolgen mit Leguminosen. Auf 534 ha Sommerweiden grasen Rinder. Insgesamt unterliegen im Donau-Ries-Kreis mehr als 72 600 ha Acker- und Grünland den verschiedenen Agrarumweltmaßnahmen. Im Rahmen der Greening-Verpflichtung werden auf rund 13 700 ha Zwischenfrüchte angebaut.