Milcherzeuger

Anbindehalter nicht vom Markt drängen

Milcherzeuger
Toni Ledermann
am Mittwoch, 15.01.2020 - 09:14

Zott hat allen Betrieben, die Milch in der Kombinationshaltung produzieren, die Abnahme vertraglich zugesichert und zwar zum selben Preis wie für die Laufstallmilch.

Grimoldsried/Lks. Augsburg - Die 47. Generalversammlung der Mittelschwäbischen Milcherzeugergemeinschaft in Grimoldsried geriet zu einer Abschiedsgala für ihren langjährigen Vorsitzenden Karl Stadler. Die Gastredner würdigten ihn als eine herausragende Persönlichkeit, die stets die Interessen der Mitglieder über die eigenen gestellt habe. Wie Stadler selbst bekundete, sei es jetzt an der Zeit, sein Amt in jüngere Hände zu legen. Davon erhofft sich der scheidende Vorsitzende frischen Wind für die Erzeugergemeinschaft.

Karl Stadler (Roppeltshausen) gab seinen Spitzenposten nach 25 Jahren ab. Bei den turnusgemäßen Wahlen zum Vorstand und Aufsichtsrat beerbte ihn sein bisheriger Stellvertreter Christian Riedler (Langenneufnach). Thomas Brecheisen (Langenneufnach) wurde als zweiter und Roland Penczynski (Aichen) als dritter Vorsitzender bestätigt. Erneut in den Aufsichtsrat gewählt wurden Michael Fendt (Breitenbronn), Hans Jürgen Hartmann (Graben), Alois Miller (Tronetshofen), Günter Refle (Walkertshofen) und Hermann Zott (Gumpenweiler).

„Genossenschaften sind das, was menschliche Einsicht, geistige Kraft und persönlicher Mut aus ihnen machen“, zitierte der Regionaldirektor des Bezirksverbands Schwaben im Genossenschaftsverband Bayern (GVB), Werner Schartel, den Gründer des Genossenschaftswesens, Friedrich Wilhelm Raiffeisen. „Vorstand und Aufsichtsrat der MeG Mittelschwaben haben Raiffeisens Grundprinzipien – Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung – aktiv gelebt und die Entwicklung der Genossenschaft entscheidend mitgeprägt.“

Zahlreiche Ehrungen

Schartel war es überlassen, verdiente Aufsichtsräte und Mitglieder der MeG Mittelschwaben für ihr langjähriges, ehrenamtliches Engagement zu würdigen. Er überreichte Karl Stadler die Silberne Ehrennadel und eine Ehrenurkunde des Genossenschaftsverbands. Stadler saß von 1987 bis 1994 im Aufsichtsrat und wirkte von 1994 bis 2019 als Vorsitzender der MeG Mittelschwaben. Er habe während seiner Amtszeit viel taktisches Geschick bewiesen, sagte Schartel. Stadlers lange Amtszeit spreche für seine Führungsqualitäten und die Anerkennung der Mitglieder. Auch der Leiter der Kemptener Geschäftsstelle des Verbands der Milcherzeuger Bayern (VMB), Jürgen Geyer, und der Leiter des Milcheinkaufs der Molkerei Zott, Christian Schramm bedankten sich bei Stadler.

Stadler selbst bekundete in seiner Abschiedsrede, dass er über alle stürmischen Zeiten hinweg vom ersten Tag an Freude an seiner Arbeit für die MeG hatte. Lediglich zwei Vorsitzende in 42 Jahren seien schon eine sehr geringe personelle Fluktuation. Als Vorsitzendem sei es ihm stets wichtig gewesen, sein Wissen an die Jungen weiterzugeben und das Beste für die MeG herauszuholen. Dabei habe das gute Verhältnis zur Molkerei Zott geholfen, mit der stets ordentliche Verträge ausgehandelt worden seien. Stadler hätte es gerne gesehen, wenn es für die Milch aus der Region Augsburg – Westliche Wälder zwei Cent Aufschlag gegeben hätte. Diesem Traum sei er 20 Jahre hinterhergerannt. Wenig Verständnis zeigte er für Milcherzeuger, die ihre Kuhbestände trotz der großen Milchmenge am Markt aufstocken. 2000 € für eine neue Kuh müssten erst einmal herausgemolken werden.

Für ihre langjährige Tätigkeit im Aufsichtsrat wurden Hans Jürgen Hartmann (Graben) und Leonhard Eisenschmid-Strobel (Langenneufnach) ebenfalls mit der Silbernen Ehrennadel und einer Ehrenurkunde bedacht. Auch Werner Blessing (Mickhausen), Michael Fendt (Breitenbronn) und Alois Miller (Tronetshofen) durften für ihr Engagement im Aufsichtsrat eine Ehrenurkunde entgegennehmen.

Für ihre 25-jährige Mitgliedschaft in der MeG überreichte Schartel Urkunden an Wolfgang Jakob, Erwin Jörg und Gottlieb Maurus (alle Grimoldsried), Franz Endres und Günter Refle (beide Walkertshofen), Hermann Schmid und Hermann Zott (beide Gumpenweiler), Georg Bindl und Leonhard Eisenschmid-Strobel (beide Langenneufnach), Johann Geiger (Obergessertshausen), Josef Schaflitzel (Mittelstetten), Hans Jürgen Hartmann und Manfred Port (beide Graben).

Zahl der größeren Milchanlieferer steigt deutlich

MeG-Schriftführer Ludwig Fendt legte den Geschäftsbericht für das vergangene Wirtschaftsjahr vor. Demnach lieferten die 79 Mitgliedsbetriebe der MEG Mittelschwaben insgesamt 18.524 328 kg Milch an die Molkerei Zott. Das sind knapp 300.000 kg mehr als im Vorjahr. Der Fettgehalt der Milch belief sich auf durchschnittlich 4,21 % und der Eiweißgehalt auf 3,52 %.

Christian Schramm ging auf aktuelle Entwicklungen des Mertinger Molkereiunternehmens ein, das seit dem vergangenen Frühjahr mit Frank Uszko einen neuen geschäftsführenden Direktor im Bereich Vertrieb, Marketing und Produktion hat. Die Molkerei führt bei ihren Lieferanten regelmäßig Umfragen zur Entwicklung der Milchmengen durch. Vor der letzten Umfrage hatte Schramm erwartet, dass die Liefermengen aufgrund der extremen Trockenheit 2018 leicht zurückgehen würden. Die Milcherzeuger gingen dagegen von einer Steigerung ihrer Produktion um 0,63 % aus. „Einerseits führen wir Diskussionen, dass die Milchpreise zu niedrig sind“, wunderte sich Schramm. „Andererseits kommt jedes Jahr mehr Milch von immer weniger Betrieben. Da stecken doch auch mächtige Investitionen dahinter.“

Der Anstieg der einzelbetrieblichen Milchmengen werde sich massiv auf die Struktur der Molkerei auswirken. Im Jahr 2003 stammten 50 % der angelieferten Milch aus Betrieben, die weniger als 200.000 kg erzeugen, erinnerte sich Schramm. Heute seien in diesem Segment noch rund 760 Milcherzeuger und selbst die Betriebe mit einer Milchmenge von bis zu 400.000 kg nähmen ab. „2003 hat unser größter Erzeuger rund 840.000 kg Milch geliefert. Heute haben wir acht Betriebe, die mehr als 2 Mio kg produzieren, 2024 werden es wohl 17 Betriebe sein.“

Von der Mengenumfrage bei den Lieferanten verspricht sich Schramm eine höhere Planungssicherheit für die Molkerei. Während die Laufstallmilch zunimmt, bleibt die Menge der Milch aus der Anbindehaltung nahezu konstant. Allerdings planen einige Betriebe bis 2024 die Umstellung auf die Kombinationshaltung oder einen Laufstall. Derzeit stammt noch knapp ein Viertel der Zott-Milch aus der Anbindehaltung.

Molkerei will Anbindhalter nicht aus dem Markt drängem

Es sei nie Ziel der Molkerei gewesen, die Anbindehalter aus der Produktion zu drängen. Derzeit ließe sich die Milch auch gar nicht getrennt verarbeiten. Allerdings steige der Druck von Seiten des Marktes, bestätigte Schramm. Die Molkerei Zott habe allen Betrieben, die Milch in der Kombinationshaltung produzieren, die Abnahme vertraglich zugesichert und zwar zum selben Preis wie für die Laufstallmilch. 

„Auf dem Milchmarkt gibt es keine verlässlichen Gesetzmäßigkeiten mehr“, sagte Schramm. Gesetzmäßigkeiten, die früher über Jahrzehnte gegolten hätten, gelten heute nicht mehr. Sei die Butter früher vor Weihnachten teurer geworden, so sei sie heuer billiger. Das Magermilchpulver war bislang um die Weihnachtszeit herum günstiger, heuer steige sein Preis.

Umstellungswilligen müsse Zott derzeit eine Absage erteilen, so Schramm. Allein von 2014 bis 2018 musste der Markt für Biomlich 19% mehr Umsteller und damit gewaltige Mehrmengen verkraften. Der Markt könne vermutlich auch 2020 nur sehr verhalten neue Umsteller aufnehmen. 

Nachdenklich stimmt Schramm das starke Wachstum in Bereich der Hafer-, Soja- oder Kokosmilchprodukte. Immer mehr Menschen ernährten sich vegetarisch oder vegan. Daher gebe es mittlerweile auch etliche Molkereien, die sich diesem Trend anpassen und in die Vermarktung von Produkten ohne Milch einsteigen.
Patrizia Schallert