Ackerbau

Anbauer zeigen sich solidarisch

Michael Ammich
am Montag, 20.07.2020 - 07:43

Erntepressefahrt im Donau-Ries: Kartoffeln fanden zu wenig Abnehmer.

20_erntefahrt_don_2

In Staudheim, auf dem Betrieb von Ernst Schuhmann, fand das Erntepressegespräch des AELF Nördlingen statt. Die Familie bewirtschaftet mit ihrem viehlosen Ackerbaubetrieb rund 100 ha Nutzfläche, überwiegend Kartoffeln und Dinkel.

Während die Speisekartoffeln an die Firma Felber in Inchenhofen vermarktet werden, wandern die Veredelungskartoffeln zum Kartoffel Centrum Bayern (KCB) in Rain. Sowohl die Pommesfrites-Kartoffeln als auch der Dinkel werden ausschließlich im Vertragsanbau kultiviert.

Damit steht Ernst Schuhmann mit Blick auf der Coronakrise einigermaßen auf der sicheren Seite. „Erst habe ich gedacht, die Krise dauert vierzehn Tage und danach wird alles wieder gut“, sagt der Landwirt. „Doch dann kam es anders.“ Es gab keine Veranstaltungen und keine Gastronomie mehr, die Pommes- und andere Kartoffelprodukte abgenommen hätte. So mussten heuer 45 000 t Erdäpfel, die für das KCB gedacht waren, in Schrobenhausen zu Stärke verarbeitet werden.

Nicht allein die Größe sorgt für Erfolg

Corona ist das eine, der Klimawandel das andere. Seit sieben Jahren bekommt Schuhmann im Kartoffelanbau die steigenden Temperaturen und die abnehmenden Niederschläge zu spüren. Zunehmend muss er seine Kulturen bewässern.

Aber auch die Roten Gebiete und das Auslaufen der Zulassung für manches bewährte Pflanzenschutzmittel machen ihm zu schaffen. Dazu gesellt sich noch das Problem der Flächenknappheit und der hohen Pachtpreise.

Umso wichtiger wird eine Erkenntnis Schuhmanns, die er gerne weitergibt: „Nicht allein die Größe sorgt für den wirtschaftlichen Erfolg, sondern dass wir das, was wir Landwirte machen, auch gut machen.“ Es komme darauf an, die Kosten möglichst gering zu halten.

Freie Ware wird von niemandem abgenommen

In der 29. Kalenderwoche begann Schuhmann mit der Ernte der Frühkartoffeln. Das Roden lief heuer recht schwierig an, da die Böden teils knochentrocken waren. Anders als die Veredelungskartoffeln können die Speisekartoffeln von der Coronakrise profitieren. Die Preise zogen auf 30 €/dt an.

„In der Coronakrise ist der Preis für freie Kartoffelware zusammengebrochen“, bestätigt der kaufmännische Betriebsleiter des KCB, Josef Färber. Neben dem Absatz an die Gastronomie tendierte auch der Export gegen Null. Gleichwohl hatte das KCB bis zur Krise aus der Ernte des vergangenen Jahres 300 000 t Veredelungskartoffeln erfasst, die in der Rainer Pommes-Fabrik von Aviko verarbeitet werden sollten.

Mangels Abnehmer musste das niederländische Unternehmen jedoch seinen Betrieb für sieben Wochen ruhen lassen. So gingen neben den Lieferungen an die Südstärke auch 5000 t Kartoffeln an Biogasanlagen oder in die Fütterung.

„Die Kartoffelanbauer haben sich solidarisch gezeigt“, betont Färber. „Alle Landwirte, die Verträge laufen hatten, verzichteten auf einen Betrag von 50 Cent pro Dezitonne. Das restliche Minus haben sich Aviko und das KCB geteilt.“ Freie Ware werde derzeit von niemandem abgenommen.

Dinkel ist gefragt

Weitaus besser läuft es auf dem Dinkelmarkt. Michael Sailer, Geschäftsführer der Schwäbischen Landprodukte (SLP) in Tapfheim und deutschlandweit einer der größten Dinkelabnehmer, beziffert den Preis für die Vertragsware aus der kommenden Ernte auf 23 €/dt für den konventionellen und auf 45 € für den ökologisch angebauten Dinkel.

Die SLP erfasst jährlich rund 120 000 t dieser Getreidefrucht. „Der Dinkel wird heuer und im kommenden Jahr mit Sicherheit wieder den höchsten Deckungsbeitrag von allen Getreidearten erzielen“, erwartet Sailer. Für Qualitätsweizen aus der diesjährigen Ernte bezahlt die SLP einen Grundpreis von 16,50 bis 17 €/dt, für die Wintergerste 15 €/dt.

Ähnlich werden sich die Preise auch bei der AGRO Ries gestalten, kündigt Bereichsleiter Franz Bayer an.

Wo kein Potenzial, da kein Dünger

20_erntefahrt_don_1

Der Sohn des Staudheimer Betriebsleiters, Julian Schuhmann, beteiligt sich seit drei Jahren gemeinsam mit vier Landwirten in der Umgebung an einem Pilotprojekt der LfL zur teilflächenspezifischen Düngung. Dabei handelt es sich um einen wichtigen Teil des Precision Farming.

Mittels Sensortechnik richtet sich die Düngergabe auf den verschiedenen Teilbereichen eines Ackerschlags an den Wachstums- und Bodenunterschieden aus. Wo kein Ertragspotenzial zu erwarten ist, fällt auch kein Dünger auf die Erde.

Die Sensoren erhalten ihre Daten per Satellit und kalibrieren sich auf dem Acker selbst. Die Investition in die Technik in Höhe von rund 25 000 € hat die LfL übernommen. „Die teilflächenspezifische Düngung haut nicht immer hin, aber im Großen und Ganzen funktioniert sie gut“, bestätigt Schuhmann.

Anbaugebiet Donau-Ries

Manfred Faber, Leiter des AELF Nördlingen, beziffert die Zahl der Donau-Rieser Betriebe auf 2234, die durchschnittliche Betriebsgröße auf 32,5 ha. Das sind rund 1000 Betriebe weniger und rund 10 ha mehr als vor 20 Jahren. Mit 7,4 % liegt der Anteil der Öko-Betriebe unter dem bayerischen Mittel von 10 %.

Die landwirtschaftliche Nutzfläche im Landkreis Donau-Ries beläuft sich auf 72 389 ha. Davon entfallen 39,3 % auf Getreide, 23,2 % auf Silomais, 20,7 % auf Grünland, 4,7 % auf Zuckerrüben, 2,7 % auf Feldfutter, 2,2 % auf Körnermais, 2,1 % auf Ölfrüchte, 2 % auf Kartoffeln und 1,3 % auf Eiweißpflanzen. Der Getreideanbau gliedert sich wiederum in 46,5 % Winterweizen, 22,2 % Wintergerste, 10,7 % Triticale, 10,6 % Dinkel, 5,4 % Körnermais, 2 % Roggen, 1,4 % Hafer, 0,4 % Sommerweizen und 0,8 % andere Sommerungen.

Auf einer Fläche von 251 ha werden Gewürzkräuter angebaut.

Der bei Teilen der Bevölkerung ungeliebte Silomais nimmt nur ein gutes Drittel der Ackerfläche ein, betont Faber.

Enorme Belastung

Kreisobmann Karlheinz Götz erinnerte an die enorme Belastung der Landwirtschaft durch die anhaltende Flut an Vorschriften und Auflagen, beispielsweise im Tier- und Klimaschutz. Dadurch sei in Deutschland der Ausstieg der bäuerlichen Familien aus der intensiven Viehhaltung vorprogrammiert.

Schon jetzt zeichne sich ein Rückgang des Gerste-Anbaus ab, weil die Frucht immer weniger als Viehfutter benötigt wird. „Früher gab es überall im Land kleinere Schlachtstätten, heute wird die Fleischindustrie von Großschlachthöfen dominiert. Die Strukturen wurden durch die verschärften Auflagen kaputt gemacht.“

Auch von der EU haben die deutschen Bauern immer weniger zu erwarten. So sollen die Direktzahlungen aus der ersten Säule um 1,2 % gekürzt, die Mittel in der zweiten Säule zugunsten freiwilliger Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen um 8 % erhöht werden.

Götz weist darauf hin, dass schon heute jeder dritte Hektar im Freistaat dem Kulap oder Vertragsnaturschutzprogramm unterliegt. „Das darf von Brüssel nicht ausgehebelt werden.“ Die Coronakrise habe gezeigt, dass sich die Treibhausgasemissionen um 8 % reduzieren lassen, obwohl die Landwirtschaft im gewohnten Umfang weiterlief. Überdies lasse sich das Ziel des Humusaufbaus nur schwer mit der geforderten Reduzierung der Stickstoffdüngung in Einklang bringen.