Erntegespräch

Den Anbau breit angelegt

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Michael Ammich
am Freitag, 30.07.2021 - 16:43

Alfred Hausmann aus Ehingen richtet sich danach, was am Biomarkt gefragt ist. Auch stärkere Preisschwankungen kann er verkraften.

Mit den Preisen für die Öko-Produkte ist Alfred Hausmann „insgesamt zufrieden“. Mit seinen vielfältigen Kulturen- und Spezialkulturen ist der Ehinger Bio-Ackerbauer so gut aufgestellt, dass er auch stärkere Preisschwankungen bei der einen oder anderen Frucht verkraften kann. Auf seinen 130 ha Ackerfläche wachsen Kleegras, Landsberger Gemenge als Futter, Zuckerrüben, Kartoffeln, Petersilie, Liebstöckl, Weizen, Dinkel, Sommergerste, Hafer und Emmer. „Womit kann ich den Markt bedienen?“, lautet die Frage, welche sich Hausmann stets bei seiner Anbauplanung stellt.

Auf dem Erntegespräch der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ Bayern) in Ehingen stellten Alfred Hausmann und seine Ehefrau Judith ihren Betrieb und ihre vielgliedrige Fruchtfolge vor. Dabei sticht eine Besonderheit heraus: Auf einer Fläche von 40 ha werden Getreidegräser angebaut, die bei der ESG Kräuter GmbH im nahen Hamlar getrocknet und anschließend von einem weiteren Unternehmen zu Bio-Smoothies verarbeitet werden. Das Getreide wird dafür schon bei einer Wuchshöhe von 28 bis 30 cm geschnitten. „Die Getreidegräser haben den Vorteil, dass ich das Feld räumen und eine andere Kultur wie Petersilie nachbauen kann“, erklärt Alfred Hausmann.

Den Blick auf Sommergerste gerichtet

Das Kleegras wird in einer Bio-Biogasanlage verwertet, den Biogasdünger bringt der Ökolandwirt auf seinen Feldern aus. Nährstoffe liefert auch selbstproduzierter Kompost. Anstelle von Futtergerste, die sich auf dem Biomarkt nur schwer vermarkten lässt, baut Hausmann Sommergerste an.

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Die Witterungsverhältnisse seit dem Frühjahr mit den späten Nachtfrösten und den häufigen Regenfällen seien insbesondere für Biobauern „total schwierig“ gewesen, stellt Hausmann fest. „Trotzdem bin ich ganz gut durchgekommen.“ Beim Hacken seiner Zuckerrüben setzt er auf eine neue, allerdings recht kostspielige Technik. Die Hackmaschine – ein Prototyp – schafft es, das Unkraut nicht nur in den Reihen neben den Rüben zu beseitigen, sondern auch zwischen den einzelnen Rübenpflanzen. Dadurch werde anders als bei einem Hackroboter das mühsame händische Nachhacken nahezu überflüssig. Auf durchschnittlich zehn Hektar beläuft sich die Tagesleistung der neuen Hackmaschine.

Judith Hausmann ist mit Leib und Seele Direktvermarkterin. Mit der Einrichtung eines schmucken Hofladens samt kleinem Café in einem umgebauten Lagergebäude auf dem Hof hat sie sich 2019 einen Lebenstraum erfüllt. Als hofeigene Erzeugnisse bietet sie Brot, Mehl und Emmernudeln an, dazu weitere Produkte aus Betrieben ökologisch wirtschaftender Berufskollegen. Das Brot, mehrere Sorten, backt sie in einem großen Südtiroler Holzofen. Als ihr die Arbeit über den Kopf zu wachsen begann, stellte sie mehrere Arbeitskräfte in Teilzeit an, im vergangenen Jahr schließlich auch eine Vollzeitkraft. „Die Kunden fragen mehr an, als ich anbieten kann“, sagt Judith Hausmann. „Aber sie müssen nun einmal akzeptieren, dass ich im Hofladen kein Vollsortiment bereitstelle.“ Die Biobäuerin möchte den Verbrauchern eine höhere Wertschätzung für die bäuerlichen Urprodukte vermitteln. „Vom Ursprung zum Genuss, lautet meine Devise.“

Auf den Ackerbau ausgerichtet

Bereits vor seiner Umstellung im Jahr 2016 auf den ökologischen Landbau wurden auf dem Betrieb Hausmann Heil- und Gewürzkräuter angebaut. 1993 gab man die Milchviehhaltung auf und der Betrieb wurde auf den Ackerbau ausgerichtet. Die Stallgebäude und das Fahrsilo verwandelten sich in Lagergebäude für Kartoffeln und Getreide. Durch Zupacht steigerten die Hausmanns kontinuierlich ihre Nutzfläche. 2005 übernahm Alfred Hausmann zusätzlich die Bewirtschaftung eines befreundeten Biobetriebs mit 130 ha Fläche. 2010 errichtete die Familie eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 1,4 MW. Seit der Umstellung des Betriebs auf den ökologischen Landbau vor fünf Jahren gehört er dem Bioland-Verband an.

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Im Erntegespräch wies Hubert Heigl auf die Nebenleistungen des ökologischen Landbaus für die Umwelt, das Tierwohl und die Gesellschaft hin. In einem Biogetreidefeld fänden sich bis zu 60 verschiedene Wildkräuterarten, die einen bedeutenden Lebensraum für Insekten bilden. Im Vergleich zu 2015 wird heute in Deutschland 60 % mehr Biogetreide geerntet, sagt der Vorsitzende der LVÖ Bayern. Durch die Umstellungswelle der vergangenen Jahre habe sich die Abhängigkeit von Bio-Importen um 15 % reduziert. „Wir wollen den deutschen Markt mit heimischen Produkten bedienen.“

Heigl zufolge gibt es im Öko-Landbau noch viel Luft nach oben. 2020 wuchs der Biomarkt um 22 %, für heuer zeichnet sich ein Wachstum um weitere 15 % ab. „Damit wir den Markt bedienen können, brauchen wir noch mehr Umsteller“, betont Heigl. „Andernfalls werden wir das Staatsziel von 30 % Öko-Landbau nicht erreichen.“ Derzeit liege sein Anteil nämlich erst bei 12 %. „Damit lässt sich die Nachfrage nach heimischer Bioware nicht befriedigen.“ Von der Politik fordert der Landesvorsitzende endlich die angezogene Handbremse zu lösen und ein Signal für eine noch stärkere Förderung des Öko-Landbaus zu setzen. Die Leistungen der Biobauern für das Gemeinwohl ließen sich allein über die aktuellen Marktpreise nicht abdecken. „Der ökologische Landbau darf nicht als Verlierer aus der GAP-Reform hervorgehen.“

Erzeugerpreise auf niedrigem Niveau

Heigl zufolge bewegen sich die Erzeugerpreise im Biobereich derzeit lediglich auf dem Niveau von 2012. Das bremse die Umstellungswilligkeit der konventionellen Landwirte. Heigl fordert zumindest ein „Richtpreissystem“ für Bioprodukte als Orientierungshilfe für eine faire Preisgestaltung. 80 % der Biobetriebe haben sich einem Anbauverband angeschlossen. Vier Anbauverbände sind wiederum unter dem Dach der LVÖ Bayern vereinigt: Bioland, Naturland, Demeter und Bio-Kreis. Sie bieten den Biobauern nicht nur Unterstützung bei der Vermarktung und der Qualitätssicherung an, sondern auch eine umfassende Beratung. Heigl nennt die drei Säulen, auf denen der ökologische Landbau ruht: Ökologie, Ökonomie und gesellschaftliche Akzeptanz. Er zeigt sich erfreut über die Sonderkulturen, die von der Familie Hausmann angebaut werden. „Ökologische Landwirtschaft heißt Vielfalt.“

Stefan Schmidt, Vertriebsleiter der Druschfrüchte Naturland Marktgesellschaft, ging auf die Ernte und die Preise 2021 ein. Beim Weizen hänge der Preis stark von den Qualitäten ab, die Gerste könnte nach dem Zurückfahren des Anbaus knapp werden. Eine große Nachfrage erlebt der Dinkel, weshalb seine Anbaufläche erheblich ausgeweitet wurde. Die Haferläger seien nach der hervorragenden Ernte 2020 noch „übervoll“ und auch heuer sei wieder mit einem Haferüberschuss zu rechnen.

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Friedrich Mecheler, organisatorischer Ressortleiter der Druschfrüchte Naturland Marktgesellschaft, wies auf die vermehrten Umbrüche bei Ölsaaten nach dem kalten und nassen Frühjahr hin. Die Nachfrage nach Biosoja und Biosonnenblumen wachse stetig an.

Im Futterbereich hat es den größten Einbruch im Biosektor der vergangenen drei Jahren gegeben, wie Andreas Hopf feststellen musste. Der Geschäftsführer der Vermarktungsgesellschaft Bio-Bauern mbH in Pöttmes führte den Preisverfall auf die vielen Umsteller im Ackerbaubereich zurück. So musste der Biofutterbau bei deutlich geringeren Erträgen mit Preisen nahe an der konventionellen Ware auskommen. Inzwischen konnte das Futtergetreide jedoch geräumt werden und die Umsteller aus dem Ackerbau sind weniger geworden. Deshalb rechnet Hopf für heuer mit einem knapperen Angebot. Da aufgrund der gesunkenen Preise weniger Biobauern Futtergetreide angebaut haben, werden natürlich auch weniger Biobauern vom absehbaren Preisaufschwung profitieren.

Als weiteres Problem führt Hopf die nassen Böden an. Mancherorts sei es fraglich, ob sie bis zum Erntebeginn überhaupt so weit abtrocknen, dass sie sich schadlos befahren lassen. Insgesamt seien die Aussichten für den ökologischen Landbau gut. Betriebe, die sich trotz der schlechten Preise in den vergangenen zwei Jahren zu einer Umstellung entschlossen haben, gehörten jetzt zu den Gewinnern.