Landfraß

Nein zu einer „Allgäu-Autobahn“

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Toni Ledermann
am Donnerstag, 30.07.2020 - 12:24

BUND macht mit einer Aktion an der B 12 bei Germaringen auf den enormen Flächenverbrauch bei einem Ausbau aufmerksam, der beim derzeitigen Planungsstand notwendig wäre. Die Landwirte sind ebenfalls dagegen.

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Mit einer plakativen Aktion wiesen der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner und weitere Betroffene, wie der BBV-Ortsverband Germaringen, auf den enorm hohen Landverbrauch bei dem autobahnähnlich geplanten Streckenausbau zwischen Buchloe und Kempten hin: Sie entfalteten neben der B 12 eine etwa 400 m2 große Folie, die die zusätzlich benötigte Fläche für die Trasse nach dem Ausbau darstellen sollte.

„Der geplante, autobahngleiche B 12-Ausbau ist Ausdruck einer völlig rückwärtsgewandten Verkehrspolitik und widerspricht allen Zielen zum Klima-, Arten- und Flächenschutz“, kritisierte der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner und ergänzte: „Viel sinnvoller wäre es, das Geld in den Ausbau und die Elektrifizierung der vernachlässigten Eisenbahnstruktur im Allgäu zu stecken.“ Das viele Geld, das dieser B 12-Ausbau kosten wird, sollte, so Mergner, beispielsweise für die parallel verlaufende Bahnstecke verwandt werden, in dem sie elektrifiziert würde. Dadurch könnten Emissionen eingespart werden.

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Was ist bei diesem – übrigens einem der größten Straßenbauprojekte im Bundesverkehrswegeplan in Bayern überhaupt – nun konkret geplant? Worauf wollten die Straßenausbaugegner im Detail hinweisen? Auf einer Länge von über 50 km soll ein vierspuriger, autobahngleicher Ausbau mit einem Regelquerschnitt von 28 m erfolgen. Damit verbunden sind 70 neue Brückenbauwerke und geplant sind zusätzlich vier Rastanlagen, beidseitig an zwei Standorten. Ohne Planungskosten wurde der Ausbau im Jahr 2014 auf 265,5 Mio. € geschätzt. „Auf Grund der massiven Baukostensteigerungen in den vergangenen Jahren kann man von weit höheren Gesamtkosten für die Steuerzahler ausgehen. Realistischerweise ist nahezu eine Verdoppelung der geschätzten Kosten auf eine halbe Milliarde Euro zu erwarten,“ sagte etwa Josef Kreuzer, der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Kaufbeuren-Ostallgäu. Das Vorhaben werde überdies den Auto-Tagestourismus in die Allgäuer Alpen noch weiter anfeuern, obwohl die Blechlawinen dort ohnehin schon regelmäßig zu Überlastungen führten.

Auf 10 km von der neuen Trasse durchschnitten

Germaringens BBV-Ortsobmann Andreas Dopfer und seine Frau Marlene, die als Ortsbäuerin aktiv ist, sehen den Landverbrauch, der im Raum steht, ebenfalls sehr kritisch: Das Gemeindegebiet von Germaringen, also mit Ketterschwang, werde auf einer Länge von 10 km von der neuen Trasse durchschnitten. Zwei landwirtschaftliche Betriebe seien besonders von dieser Planung betroffen. Für beide Betriebe stehe ein enormer Flächenverlust im Raum. „Wir haben hier 60 sehr aktive Landwirte, von denen die Hälfte noch im Vollerwerb die Milchviehhaltung betreiben, und deshalb ihre Flächen benötigen,“ wie Marlene Dopfer anführte. Vor allem stört sie auch ein geplanter Großparkplatz auf Germaringer Flur, der zusätzlich zum Verkehr weitere Unruhe mit sich bringen werde, da ja auch viele Lastwagen zu erwarten seien.

100 ha Flächeverluste

Kreuzer ergänzte in diesem Zusammenhang: „Bei einem Regelquerschnitt von 28 Meter gehen wir daher von einem zusätzlichen Flächenverbrauch allein für die Straßenverbreiterung auf der über 50 Kilometer langen Baustecke von etwa 90 Hektar landwirtschaftlicher Fläche aus! Dies entspricht etwa 126 Fußballfeldern! Dazu kommen größere Brücken, neue Auffahrten, die Rastanlagen und zusätzliche Anwandwege, so dass der Gesamtflächenverbauch weit über 100 Hektar liegen wird“!
Kreuzer wies überdies darauf hin, dass „wir kein versprengtes Häufchen verträumter Bund-Naturschutzleute sind, die irgendwie Träumen nachhängen“. Stattdessen seien es auch die Landwirte, die sich durch den Flächenfraß – nicht nur hier – in ihrer Existenz gefährdet sehen.

BN einig mit dem BBV

Mit Blick auf das Ehepaar Dopfer ergänzte Mergner: „Wir stehen nicht allein da, sondern arbeiten bei diesem Projekt eng mit dem Bauernverband zusammen. Auch wenn wir manchmal unterschiedlicher Meinung sind.“ Vor Ort war auch der stellvertretende Germaringer Bürgermeister Georg Reisach, der als Landwirt auch von der Verbreiterung tangiert werde. Als Bürgermeister stellte er kategorisch fest: „Wir Germaringer sind mit Betrieben gut aufgestellt und benötigen diese erweiterte Straße nicht.“
Die BUND-Aktiven plädieren statt der Straßenerweiterung für einen durchgehend dreispurigen Ausbau von Buchloe nach Kempten, wobei ein Überholverbot für LKW ausreichen würde, da es keinen Sinn mache, eine weitere „Rennstrecke für die Augsburger und Münchener“ zu bauen, damit sie noch schnell für einen Tagesausflug ins Allgäu kommen. Noch immer habe der Satz Gültigkeit, so BN-Regionalreferent Thomas Frey: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten!“
Um die Verkehrssicherheit bei der jetzigen Straße zu erhöhen, schlägt der BUND weiter vor, an den Gefahrenstellen Geschwindigkeitsbeschränkungen und Überholverbote einzurichten und möglicherweise auch kleinräumige, bauliche Maßnahmen zu treffen.

Verkehr nimmt weiter zu

Vor Ort waren auch Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts Kempten, die zusammen mit der Polizei die Verkehrssicherung bei dieser Protestmaßnahme übernahmen. Klar sprach sich Thomas Hanrieder vom Staatlichen Bauamt in Kempten und zuständig für die Planung von Großprojekten wie den B 12-Ausbau, für den Ausbau aus. Der Verkehr werde in den kommenden 10 bis 20 Jahren noch weiter zunehmen, argumentierte er. Und dieser Verkehr müsse sicher abgewickelt werden, zumal die Strecke schon heute „am Anschlag ihrer Leistungsfähigkeit“ sei.
Anwesend war auch der Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Günter Räder. Er berichtete davon, dass vor kurzem in Marktoberdorf ein „Bündnis gegen den Flächenverbrauch der B 12“ gegründet wurde. Auch dort wolle man also gegen die vorliegenden Pläne protestieren.

Einwände vortragen

Noch bis zum 15. August kann jede Bürgerin und jeder Bürger bei der Gemeinde und der Regierung von Schwaben seine persönlichen Einwände gegen den geplanten Ausbau der B 12 abgeben. Eine umfangreiche Einwendung wird auch der BUND Naturschutz abgeben.

BBV kritisiert den Flächenverbrauch

Zu einer weiteren Besprechung über den Ausbau der B 12 trafen sich vor kurzem die Ostallgäuer Ortsobmänner entlang der Neubautrasse der B 12. Dabei wurde die Stellungnahme des Bauernverbandes zu der derzeitigen Planung zwischen Buchloe und Untergermaringen besprochen.

Nach wie vor halten die Vertreter des Bauernverbandes den Ausbau der B 12 in diesem Umfang für übertrieben groß. Sie sind der Ansicht, dass in vielen Bereichen die Verkehrssicherheit auch mit wesentlich weniger Flächenverbrauch hergestellt werden könne. So könnten statt Lärmschutzwällen, die bis zu neun Quadratmeter pro Laufmeter an landwirtschaftlicher Nutzfläche verschlingen, auch Lärmschutzwände mit wesentlich geringerem Flächenverbrauch gebaut werden. Denn die gesamte Trasse mit Lärmschutzwällen habe in manchen Bereichen der jetzt ausliegenden Plantrasse eine Breite von über 50 Metern!

Kreisobmann Josef Nadler betonte, dass zwar zum einen die Verkehrssicherheit und die Erschließung des Ostallgäus wichtig sei, von einem flächensparenden Bauvorhaben könne man angesichts dieser Pläne aber nicht ausgehen. Zumal viele von Flächensparen sprechen, so der Kreisobmann weiter, viele wollen aber, wenn es konkret wird, dann nichts mehr davon wissen.