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Erfolgsrezept

Aktive Kundenbindung: Landwirtschaft positiv vermitteln

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Horst Hacker
am Donnerstag, 03.03.2022 - 18:28

Urlauber wollen auf dem Bauernhof die Landwirtschaft aktiv mit allen Sinnen erleben. Dabei gilt es einiges zu beachten. So gelingt die Gästebindung.

Kempten - Wie kann ich meinen Gästen, die Urlaub auf dem Bauernhof machen oder als Besucher erscheinen, Landwirtschaft positiv vermitteln? Die grundsätzliche Antwort lautet: dadurch, dass gezielt Erlebnisse geschaffen werden. „iKuh-Wissen: Landwirtschaft für den Gast spannend erklärt“ war das Online-Seminar betitelt, zu dem Sophia Lörcher vom Kemptener Landwirtschaftsamt insgesamt 35 Teilnehmer begrüßte.

Im Mittelpunkt der dreistündigen Veranstaltung standen zwei Vorträge. Zunächst referierte Sophia Lörcher zum Thema „Schaffen von Erlebnissen“ und erklärte dabei, was ein Erlebnis ausmacht und wie man Erlebnisse gezielt inszeniert. Lörcher verwies auf das große Potenzial von landwirtschaftlichen Betrieben, um alle Sinne anzusprechen.

Danach folgte die Geschäftsführerin der CM-Gruppe, Friederike Huber, mit einem Vortrag zum Thema „Durchführung – Ideen und Anregungen“. Die Teilnehmer erhielten dabei Tipps, wie das Thema Landwirtschaft dem Gast „spannend“ vermittelt werden kann.

Es geht darum: Woran erinnert sich der Gast?

Als Anbieter müsse man sich im Klaren darüber sein, sagt Lörcher, dass es unwichtig sei, wie viel man sagt oder erzählt. Entscheidend sei nur eines: Woran erinnern sich die Besucher? Und da sind es vor allem die selbst gemachten Erlebnisse, an die sich Besucher erinnern werden.

Sophia Lörcher

Ein Erlebnis entsteht dann, wenn zu einem Ereignis Gefühle kommen, etwa Selbstwertgefühl durch aktives Tun („Ich kann was“), ein Wir-Gefühl (gemeinsam werden Erlebnisse intensiver) oder Heimatgefühl („Hier sind meine Wurzeln, hier kann ich ‚ich‘ sein“) dazu kommen. Erlebnisse können zwar auch zufällig entstehen, jedoch können sie durch Inszenierung gezielt herbeigeführt werden. Durch Inszenierung soll der Gast emotional beeindruckt und berührt werden. Für eine nachhaltige Wirkung sollen alle seine Sinne stimuliert werden.

Dabei geht es auch darum, dem Gast diese Inhalte „glaubwürdig“ zu vermitteln. Zur Verwandlung eines Urlaubsbetriebs in eine Erlebniswelt müsse man seine eigenen Stärken kennen, um sie den Gästen auch unverfälscht vermitteln zu können. Dazu kann die Frage Hilfestellung leisten: Was bringe ich als Erlebnismanagerin mit, um Erlebnisse zu schaffen? Das können zum Beispiel Umschreibungen sein wie:

  • Ich mag Menschen.
  • Ich habe Zeit zur Inszenierung.
  • Ich kenne meine Stärken.
  • Ich weiß um meine „Schatzkammer“ Bauernhof.
  • Ich habe die nötige Unterstützung.
  • Ich verfüge über zündende Ideen.

Möglichst alle Sinne ansprechen

Eine andere wichtige Frage, die in Einzelarbeit der Teilnehmer zu beantworten war, ist: Welche Möglichkeiten bietet der Bauernhof, ihn mit allen Sinnen zu erleben?

  • Zu sehen können beispielsweise sein: junge Tiere, z. B. Kälbchen, Landschaftsblick auf die Alpen, Sternenhimmel bei Nacht.
  • Interessant zu hören seien z. B. muhende Kühe mit läutenden Glocken, die Geräusche ihres Wiederkäuens und in nächtlicher Stille das Lied einer Grille.
  • Eindrucksvolle Erlebnisse des Riechens bieten natürlich die Gülle, der Duft frisch gemähten Grases und knisternden Heus, herzhaft frische Walddüfte beim Spaziergang.
  • Wohlschmeckend sind frische Kuhmilch und hofeigene Produkte wie Butter und Käse.
  • Und als etwas Besonderes fühlen lassen sich die Euter der Kühle oder die Felle und Federn beim Streicheln von Tieren am Hof.
Friederike Huber

Es geht nicht nur darum, reine Wissensvermittlung zu praktizieren, sondern ein Erlebnis zu schaffen, betonte Friederike Huber in ihrem Vortrag. Das heiße, Mut zu neuen Ideen zu haben, mit denen die Gäste zu überraschen sind. Ganz wichtig sei, dass man sich selbst dafür begeistern kann. In der Nachbereitung werden Ergebnisse/Fragebögen ausgewertet, letzte Fragen klargestellt und durch die Teilnehmer reflektiert. Sollte sich herausstellen, dass die Teilnehmer begeistert nach Hause gehen, weil sie überrascht wurden und der Unternehmer überzeugt ist, für neue Ideen mutig genug gewesen zu sein, dann sei das Erlebnis in vollem Umfang gelungen. Man könne die Gäste auch einen Fragebogen bearbeiten lassen und möglicherweise ein Bauernhof-Diplom aushändigen.

Zum Ende der Veranstaltung ging es darum, zu diskutieren, welche Erlebnisse mit geringem Aufwand auf dem Betrieb zu inszenieren sind. Die einzelnen Themenkreise der acht Gruppen reichten von „Typisch Allgäu“ über Rind, Schwein und Huhn bis zum letzten Themenkreis „Technik auf dem Bauernhof“. Dabei ging es um die Frage, welche Maschinen der Landwirt heutzutage besitzt und wofür er sie braucht. Außerdem darum, wo und wie er das Futter für seine Tiere lagert.

Im Themenkreis „Typisch Allgäu“ wurden allgäuerische Spezialbegriffe wie Schumpen, Krotterstängel, Bschütte und Viehscheid geklärt. Ferner geographische Grundfragen wie: Warum gibt es kaum Getreideanbau, aber viel Grünlandwirtschaft? Oder: Warum wurde früher nicht vom grünen, sondern vom „blauen“ Allgäu gesprochen? Die Fragen zum Thema „Rind“ waren ganz schön knifflig. Denn wer weiß schon auf Anhieb, wie aus grünem Gras weiße Milch wird? Oder wie viel Liter Blut das Euter für ein Kilo Milch durchfließen müssen?