Struktur

Die Ämterreform wirft Fragen auf

MN-Fusion Mindelheim-TL-1.7.
Toni Ledermann
am Montag, 26.07.2021 - 05:31

Seit 1. Juli sind das AELF Mindelheim und das AELF Krumbach zusammengelegt. Es folgen noch weitere Änderungen.

Mindelheim/Lks. Unterallgäu Keiner der Verantwortlichen der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Mindelheim und Krumbach spricht es aus, aber man fühlt, dass der Zusammenschluss der bayerischen Ämter an der Basis derzeit Fragen aufwirft. Noch gravierender ist der Wegfall der Landwirtschaftsschule Mindelheim ab dem Jahr 2022, da dies den jungen Landwirten doch weite Wege abverlangt.

Nichts zu verhandeln

Statt bisher 47 sind es seit 1. Juli noch 32 Landwirtschaftsämter in Bayern. Nachdem dies bekannt geworden war, hatte es im Unterallgäu einen Proteststurm gegeben. Eine Delegation um BBV-Kreisobmann Martin Schorer machte sich gar auf nach München, um mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zu sprechen. „Ich hatte den Eindruck, es gab gar nichts mehr zu verhandeln“, sagte ein Teilnehmer damals gegenüber dem Wochenblatt.
In einem Pressegespräch erläuterten der bisherige und auch zukünftig Amtschef LFD Rainer Nützel den Hintergrund: der Rückgang der Zahl der Betriebe. Sowohl in Mindelheim als auch in Krumbach sei die Mindestzahl der Mehrfachanträge, 4000, nicht mehr erreicht worden, anders als etwa in Kempten und Kaufbeuren, wo es mehr kleinere Betriebe gebe. Aber: Inzwischen stellten bereits über 90 % der Landwirte ihre Mehrfachanträge online. Für die restlichen zehn Prozent gab Nützel Entwarnung: Sie können nach wie vor ins Amt an der Hallstatt-Straße beim Landratsamt Mindelheim kommen beziehungsweise in das Krumbacher Amt.
Das neue Konzept sieht überdies zwei Bereichsleiter vor. Einmal für den Kernbereich „Landwirtschaft“, der in Händen von Dr. Reinhard Bader liegt, sowie den Bereich „Forsten“, geführt von Dr. Stefan Friedrich.
Diese Strukturveränderungen brächten für die Landwirte durchaus Vorteile: Zunächst gebe es bei den jeweiligen Ansprechpartnern keine Veränderungen. Im Bereich „Landwirtschaft“ ist in der Abteilung L 1 die Förderung beheimatet, in der Abteilung L 2 „Bildung und Beratung“ mit der auslaufenden Landwirtschaftsschule Mindelheim und der Abteilung L 3 „Prüfungen und Kontrollen“. Der Bereich „Forsten“ führt die Abteilung F 1, die für Günzburg-Babenhausen zuständig ist, die Abteilung F 2 bearbeitet den Bereich Neu-Ulm und Memmingen, die Abteilung F 3 Unterallgäu Mitte/Ost.
Der Bereich „Landwirtschaft“ besteht ebenfalls aus drei Abteilungen: L 1 „Förderung“ unter Leitung von Ludwig Friedrich, Abteilung L 2 „Bildung und Beratung“, geleitet von Jürgen Franz, und Abteilung L 3 „Prüfungen und Kontrollen“, unter Leitung von Ulrike Angermeier. Dr. Bader kennt die Unterallgäuer Verhältnisse sehr gut, da er bereits von 1993 bis 1998 hier tätig war. „Ich freue mich auf die kommenden Aufgaben“, sagte er. Er werde pro Woche einige Tage in Mindelheim sein.

Weitreichendes Gebiet

Der Bereich „Forsten“ ist gegliedert in Abteilung F 1 für Günzburg-Babenhausen, Leiterin Eva-Maria Birkholz, Abteilung F 2 für den Bereich Neu-Ulm und Memmingen, Leiter Ralf Tischendorf, Abteilung F 3 für das Unterallgäu Mitte/Ost, Leiter Dr. Stefan Friedrich. Er hat seinen Sitz im Forstamt in der Mindelheimer Bahnhofsstraße. Auch hier gibt es Teilbereiche, etwa die Fachstelle Waldnaturschutz Schwaben und die Servicestelle Wissenstransfer und Waldpädagogik. Die Mitarbeiterzahl von 103 Frauen und Männern bleibt bestehen, „doch ihr Aufgabengebiet reicht dann vom Allgäuer Tor bis in den Donauraum“, wie Nützel den Umgriff erklärte.
Nützel und Bader hoben zudem hervor, dass die Landwirtschaft Teil der Gesellschaft sei. Nach dem 2. Weltkrieg sei primär die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln im Vordergrund gestanden. Inzwischen sei unter anderem die Energiegewinnung durch Biogas und Photovoltaik hinzugekommen. Immerhin gebe es im Unterallgäu 77 Biogasanlagen, annähernd so viele im Gebiet von Neu-Ulm/Günzburg. Und es stehe fest, dass die Gesellschaft die Arbeit der Landwirtschaft kritisch verfolge. Klar sei auch, dass die Leistungen der Bauern fürs Gemeinwohl bezahlt werden müssen. Es könne nicht länger erwartet werden, dass die Landwirte dies kostenlos erledigen.