Brauchtum

Advent: Jahreszeit mit den meisten Bräuchen

24 Advent 1 Adventskranz
Walter Kleber
am Mittwoch, 02.12.2020 - 07:56

Warum gibt es an Weihnachten oft Fisch zum Essen? Wie entstand der Adventskranz? Ein Rückblick.

24 Advent 2 Nikolaus

Der Advent, die Zeit der Erwartung und der Vorfreude auf das kommende Weihnachtsfest, wird von alters her von einem vielfältigen Brauchtum begleitet. Keine andere Zeit im Jahreslauf kann auch nur annähernd so viele Brauchformen aufweisen, wie gerade die sogenannte „stille Zeit“: Adventskranz, Adventskalender, Barbarazweige, Nikolaus, Lucienfeuer, Klopferstage, Krippenbau, Christbaum und die Rauhnächte.

Adventskranz und -kalender haben ihren Ursprung im sogenannten „Zählen des Advents“. Die Menschen bereiten sich auf das Kommen des Herrn vor. Mit jedem Tag steigt die Spannung auf das große Ereignis, bis dann endlich am Heiligen Abend alle Kerzen am Kranz brennen und alle Türchen des Kalenders geöffnet sind.

Adevent ist stark marianisch geprägt

24 Advent 3 Krippe

Der Advent, so der frühere Augsburger Kreisheimatpfleger Professor Dr. Walter Pötzl, war von jeher stark marianisch geprägt, das heißt auf die Marienverehrung ausgerichtet, und – im Gegensatz zu unserer heutigen hektischen Vorweihnachtshetze – die „stille Zeit“ der Buße und des Fastens. Daher wird auch jetzt noch in vielen Familien am Heiligen Abend Fisch gegessen.

Früh am Morgen, wenn in den noch verdunkelten, kalten Kirchen die Roraten (oder Engelsämter) gelesen wurden, entzündeten die Frauen ihre kunstvoll gefertigten Wachsstöcke, bis dann nach und nach die Mesner diesem schönen und stimmungsvollen Brauch ein Ende machten, weil das Wachs auf Kirchenbänke und Boden tropfte und vom Mesner in mühevoller Arbeit wieder abgekratzt werden musste. In manchen Gegenden verkleideten sich die Ministranten während der Rorate als Engel, in Adventsspielen wurde die Herbergssuche dargestellt. In den letzten Jahren wiederbelebt, so etwa in Dinkelscherben oder im nördlichen Landkreis Augsburg, wird der Brauch des „Frauentragens“: Eine Statue der mit dem Jesuskind schwangeren Muttergottes wird von Haus zu Haus getragen und während der anschließenden Hausandacht besonders verehrt.

Adventskranz und -kalender kommen im 19. Jahrhundert auf

Mitte des 19. Jahrhunderts sind im deutschen Sprachgebiet Adventskranz und -kalender fast gleichzeitig aufgetreten und weiterverbreitet worden. Aus Norddeutschland kam der Adventskranz als Symbol des lebendigen „Wintergrüns“ zu uns. Johann Hinrich Wichern, der Gründer der Inneren Mission, wollte den von seiner Organisation betreuten Kindern in den Waisenhäusern von Hamburg und Berlin eine Freude machen, wand um einen Kronleuchter einen Kranz aus Tannengrün und setzte 24 Kerzen darauf, der Adventskranz war „erfunden“!

Im Laufe der Zeit wurde die Zahl der Kerzen auf vier reduziert, stellvertretend für die vier Adventssonntage.

Lange Jahre blieb der Adventskranz ein Privileg gutsituierter, protestantischer Familien. Erst viel später hat dann auch die katholische Kirche den Brauch übernommen, dem der Gedanke des „wachsenden Lichtes“ zugrunde liegt: Auf die Weihnachtstage zu wird es mit dem Entzünden jeder einzelnen Kerze von Tag zu Tag heller, bis am Tage der Geburt des Christkinds der glänzende Höhepunkt erreicht ist.

Zunächst ein Privileg der besser Betuchten

Nach dem Ersten Weltkrieg kommt der Adventskranz auch in der sogenannten Unterschicht vor, bleibt aber noch auf protestantische Häuser beschränkt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg heißt es dann in einer Brauchtumsumfrage in Gabelbach, dass jetzt „fast alle Familien“ – und somit auch die katholischen – einen Adventskranz aufstellen.

Als Vorläufer des Adventskalenders wurden an der Stubentüre oder am Kleiderkasten am Abend des 30. November 24 (Kreide-)Striche – die Sonntage bunt, die Werktage weiß – angebracht. Jeden Tag durften die Kinder dann einen dieser Striche auswischen, die Spannung stieg unaufhaltsam.

Nussmärteltag oder der Klausentag waren früher Tage der Bescherung

Richtig aufgekommen ist das Adventszählen erst, als der Heilige Abend (24. Dezember) zum Geschenketermin wurde. Die traditionellen Tage der Kinderbescherung waren vorher der Nussmärteltag (11. November) oder der Klausentag (6. Dezember). Im Jahre 1908 taucht in München dann der erste gedruckte Adventskalender auf, der bis in die heutige Zeit eine gewaltige Entwicklung mitgemacht hat, vom Ausschneide- oder Anmalbogen mit religiösen Motiven bis hin zum verkitschten, mit Schokoladenfiguren gefüllten Plastik-Drück-Kalender.

Advents- und Weihnachtszeit, so Pötzl, waren früher übrigens streng voneinander getrennt. Unvorstellbar wäre es für unsere Vorfahren gewesen, schon vor dem 24. Dezember „Stille Nacht“ zu singen, das „Kripple“ aufzubauen oder gar die Kerzen am Christbaum zu entzünden.